Zum Tode von Terry Jones

Donnerstag, 23.01.2020

Ein Nachruf auf den walisischen Monty-Python-Komiker (1.2.1942-21.1.2020)

Diskussion

Das walisische Komik-Talent Terry Jones saß bei Monty Pythons Spielfilmen „Ritter der Kokosnuss“ und „Das Leben des Brian“ auf dem Regiestuhl, brachte als studierter Historiker fundiertes Hintergrundwissen in deren anarchische Geschichts-Parodien ein und bleibt u.a. durch seine herrlich schrillen Frauenrollen im Gedächtnis. Ein Nachruf.


Was wäre wohl aus dem Andenken der britischen Komiker-Truppe Monty Python geworden, hätte ihr Mitglied Terry Jones nicht ein solches Faible fürs Mittelalter gehabt? Nach dem Ende ihrer Fernsehshow „Monty Python’s Flying Circus“ im Jahr 1974 hätten sich die Wege der sechs Mitglieder, die alle eigenständige Ambitionen verfolgten, durchaus auch trennen können, doch dann fanden sich doch noch alle zu ihrem ersten echten Spielfilm-Projekt zusammen: Eine satirische Ritterfilm-Parodie über die Suche nach dem Heiligen Gral durch König Artus und seine ausnahmslos recht beschränkten und wenig ritterhaften Mannen, mit etlichen anachronistischen, anarchischen und auch schlicht albernen Eskapaden am Rande.

Die Finanzierungsprobleme des Films sind ihre eigene Legende – in Deutschland schafften es die Kokosnussgeräusche als Ersatz für echte Pferde sogar in den Filmtitel „Die Ritter der Kokosnuss“. Seine kinogeschichtliche Bedeutung gründet sich jedoch auf die tatsächlich gelungene Übertragung der Sketch-Struktur der Fernsehshow auf eine Spielfilmhandlung – und auf ein Bild des Mittelalters, das bei aller Überzeichnung durchaus realistischer schien, als es in strahlenden Versionen à la Hollywood je der Fall war.

Vom studierten Historiker zum „Ritter der Kokosnuss“

Die Historiensketche von Monty Python waren schon in den Fernsehjahren Höhepunkte der Truppe gewesen. Der Tonfall, in dem die Komiker sich über historische Persönlichkeiten lustig machten und selbst schwärzeste Epochen wie die Spanische Inquisition oder die Weltkriege in ihre Sketche einbezogen, war gewohnt respektlos, kündete aber immer von außergewöhnlichem akademischen Wissen um die tatsächlichen Umstände. Natürlicher Ausgangspunkt dafür waren die beiden in Oxford ausgebildeten Historiker in der Gruppe: Michael Palin, der es mit der jüngeren Geschichte hielt, und eben Terry Jones, den die älteren Ären der Menschheit anzogen. Der 1942 geborene Waliser Jones und der ein Jahr jüngere Engländer Palin waren bereits an der Universität beide Teil der studentischen Oxford Revue, wurden nach dem Abschluss Schreibpartner und Darsteller bei den Satireprogrammen „Do Not Adjust Your Set“ und „The Frost Report“ und verbanden sich 1969 mit den Cambridge-Absolventen John Cleese, Graham Chapman und Eric Idle sowie dem Amerikaner Terry Gilliam zur Nonsense-Komiker-Truppe Monty Python.

Mit Eric Idle im "Nudge, Nudge"-Sketch in "Monty Python's wunderbare Welt der Schwerkraft"
Mit Eric Idle (rechts) im "Nudge, Nudge"-Sketch in "Monty Python's wunderbare Welt der Schwerkraft"

Unvergesslich: Terry Jones’ Frauenrollen

Auch wenn Terry Jones in seiner Python-Zeit wie seine Kollegen eine große Bandbreite an Charakteren verkörperte, erinnern wird man sich vor allem an zwei wiederkehrende Figuren: Auf der einen Seite ein leicht untersetzter, zugeknöpfter, nicht besonders heller Muster-Engländer mit Schnurrbart, der als Soldat, Polizist, Büromensch oder auf der Straße angesprochener Bürger phlegmatisch und reserviert vor sich hin brummte, zum anderen die in gänzlich andere Stimm-Tonlagen vorstoßende Rolle der keifenden Schreckschraube, mit der Jones unter den travestiefreudigen Komikern am treffsichersten zurechtkam. Sein Singsang in schrillsten Tönen machte Auftritte wie im berühmten „Spam“-Sketch, in dem er eine im Grunde nur aus dem Dosenfleisch bestehende Speisekarte herunterrattert, oder auch als Mutter Mandy im späteren Spielfilm „Das Leben des Brian“ (1979) zu Klassikern der Comedy-Geschichte.

Regie-Ambitionen

Terry Jones war es auch, der neben Terry Gilliam auch schon zu den „Flying Circus“-Tagen Regie-Ambitionen verfolgte. Schon die einzigartige Struktur der Show mit nahtlos ineinander übergehenden, wiederholten, abgebrochenen und später wieder aufgenommenen Sketchen geht stark auf Jones zurück, der sich über die einzelnen Gags hinaus auch um das Gesamtbild Gedanken machte. Von da war der Weg zur Regie-Arbeit kurz: Nachdem der erste Kinoausflug „Monty Python’s wunderbare Welt der Schwerkraft“ (1971) noch eine reine Nachinszenierung ihrer prominenten Fernsehsketche gewesen war, übernahmen Jones und Gilliam zusammen die Regie bei „Die Ritter der Kokosnuss“, bei den weiteren Filmen der Pythons, „Das Leben des Brian“ und „Der Sinn des Lebens“ (1982), war Jones dann alleiniger Regisseur.

Die alte Truppe zusammenhalten

Als sich Monty Python danach offiziell auflöste, verfolgte Terry Jones seine Historiker-Interessen auf verschiedenen Ebenen weiter, indem er fachlich anerkannte Bücher mit eigenen Geschichtsinterpretationen veröffentlichte und Skripts für unterhaltsame historische Fernsehsendungen und -serien verfasste, sich daneben aber auch als Autor humorvoller Ritter- und Drachenromane hervortat. Als Regisseur inszenierte er mit „Personal Service“ (1987) eine bizarre Komödie über eine zur Bordellbetreiberin „aufsteigende“ Serviererin und eine Verfilmung des Kinderbuch-Klassikers „Sturm in den Weiden“ (1997). Für diese holte Jones auch seine früheren Kollegen Eric Idle, John Cleese und Michael Palin vor die Kamera, wie ihm überhaupt daran gelegen schien, die Python-Truppe ab und an wieder zu vereinigen. So enthielt auch schon sein Nordmänner-Spaß „Erik, der Wikinger“ (1988) Auftritte der Ex-Partner, wie auch Terry Jones’ letzter Film „Zufällig allmächtig“ (2015), in dem sie die Sprechrollen von manipulativen Aliens übernahmen. In seinen letzten Lebensjahren war Jones, der immer den bodenständigsten Eindruck unter den Pythons machte, von einer schweren Demenz-Erkrankung gezeichnet, am 21. Januar 2020 starb er in London.


Fotos: Sony, AL!VE

Kommentar verfassen

Kommentieren