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Eldorado (3sat)

Mittwoch, 08.09.2021

20.9., 22.25-23.55, 3sat

Diskussion

Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof erinnert sich angesichts der im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlinge an seine eigene Kindheit: Im Jahr 1945 nahm die Mutter von Imhoof ihren Sohn, Jahrgang 1941, mit zum Bahnhof. Dort kamen Züge mit Flüchtlingskindern an, die aus vom Zweiten Weltkrieg verheerten Regionen kamen. Ein italienisches Mädchen ging dann mit zu ihnen nach Hause: Giovanna. Sie kehrte später wieder ins von Bombenangriffen zerstörte Mailand zurück, zu ihrer Mutter, die inzwischen gesundet war. Ein Briefwechsel mit Giovanna begleitet „Eldorado“ als Off-Kommentar; immer wieder zeigt Imhoof Material aus dem Familienarchiv: Alte Briefe, bunte Kinderzeichnungen, Schwarz-weiß-Fotografien, später auch Super 8-Filme.

Dieser filmische Kurzschluss war überfällig: Waren nicht viele von uns oder unsere Mütter und Väter, unsere Großmütter und Großväter vor wenigen Jahrzehnten selbst noch Flüchtlinge – oder beherbergten sie? Der essayistische Film verbindet persönliche Reflexionen, die Briefe und andere Dokumente mit bedrängenden Gegenwartsbildern sowie investigativen Recherchen, die dem zynischen Kreislauf der Ausbeutung illegaler Migranten auf die Spur kommen. Durch den unmittelbaren emotionalen Zugang verdichtet sich der Film zum eindringlichen, zutiefst humanistischen Appell an die Verantwortung der Menschen füreinander. - Sehenswert ab 14.

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