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Friedrich Hölderlin - Dichter sein. Unbedingt!

Donnerstag, 26.03.2020

Bis 22.6. in der arte-Mediathek

Diskussion

Ein dumpfes Stöhnen; ein Handgemenge; ein Mensch, der sich sträubt, wird brachial in eine Kutschegezerrt; dann wildes Hufgeklapper und Abfahrt: So eröffnet die filmische Spurensuche und Dokumentation „Friedrich Hölderlin – Dichter sein. Unbedingt!“ von Hedwig Schmutte und Rolf Lambert, die zum 250. Geburtstag des Dichters (1770-1843) entstanden ist. Damit wählt sie mit Bedacht die dramatischste Szene und den Wendepunkt im Leben des Dichters: Denn diese Fahrt im Jahre 1806 führt ihn aus einer seiner seltenen bürgerlichen Berufsstellungen als Hofbibliothekar beim Landgrafen von Hessen-Homburg unmittelbar in eine geschlossene Anstalt und zu einer unfreiwilligen psychiatrischen Behandlung zurück nach Tübingen, wo er schließlich in der Obhut eines poetisch gesinnten Handwerksmeisters bis zu seinem Tode blieb.

Das Doku-Drama mischt in der Rekonstruktion dieser Lebensgeschichte historische Reenactments mit animierten Illustrationen und dramatisiert sie durch eine sehr wandlungsfreudige Musik, während Experten verschiedenen Deutungen nachgehen oder der Schriftsteller Durs Grünbein den Hölderlin’schen Sentenzen nachspürt. Aus den wenigen historisch verbürgten Realien setzt der gut argumentierende Film ein neues, in seiner Radikalität eigentümlich modern anmutendes Bild des Dichters zusammen. - Ab 16.

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