© Nicolas Guerin/Getty Images (Porträtbild)

"Ich habe eine wolkenverhangene Seele"

Freitag, 27.03.2020

In seinen Memoiren „Ganz nebenbei“ rechnet Woody Allen mit Hollywood ab und setzt sich gegen die Missbrauchsvorwürfe seiner Ex-Frau Mia Farrow zur Wehr

Diskussion

In seinen Memoiren „Ganz nebenbei“ rechnet der Regisseur Wood Allen mit Hollywood ab und setzt sich gegen die Missbrauchsvorwürfe seiner Ex-Frau Mia Farrow zur Wehr.


Der Humor ist Woody Allen trotz all dem Gegenwind, der ihm zuletzt entgegenkam, nicht vergangen. Kaum fängt man seine 448 Seiten dicke Autobiografie „Ganz nebenbei“ zu lesen an, sprudeln die Pointen. Über seine Eltern schreibt er gleich zu Beginn: „Mein Vater liebte dieses Leben. Schicke Klamotten, dicker Tagessatz, sexy Frauen, bis er irgendwie meiner Mutter über den Weg läuft. Rums, aus. Wie er je mit Nettie zusammenkommen konnte, ist so rätselhaft wie dunkle Materie. Die beiden passten zusammen wie Hannah Arendt und ein Gangsterboss. Sie waren uneins über alles außer Hitler und meine Schulzeugnisse. Aber trotz aller Wortgemetzel blieben sie siebzig Jahre lang verheiratet – um den anderen zu ärgern, vermute ich.“

Kindheit und Jugend nehmen einen größeren Raum als nötig ein, doch die Charakterisierung der skurrilen Verwandtschaft, antisemitischer Lehrerinnen und der Fluchtmöglichkeiten ins Kino sind für Allen ohnehin nur Anlässe, um unterhaltsame Funken zu schlagen: „Als Junge sah ich am liebsten Filme, die ich Champagner-Komödien nenne. Ich liebte Geschichten, die in Penthouses mit Privataufzug spielten, in denen Korken knallten und charmante Männer in geschliffenen Dialogen wunderschöne Frauen umgarnten, die wie dahingegossen auf dem Sofa lagen, in Garderobe, wie man sie heute für eine Hochzeit im Buckingham Palace anziehen würde.“


Das Pik-Ass verschwindet im Ärmel

Abschweifungen und die Komplizenschaft mit dem Leser gehören zu den Kunstgriffen, die den chronologischen Fluss verlässlich unterbrechen, etwa wenn Allen urplötzlich seine Kinovorlieben zum Besten gibt: „Momentan möchte ich nur einige Klassiker auflisten, die mir erstaunlicherweise nicht so viel bedeuten wie den meisten Menschen. „Manche mögen’s heiß“ oder „

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