© HBO (Artwork zu "The Plot Against America")

Serienhighlights im Mai

Mittwoch, 29.04.2020

Nachschub für Serienjunkies bei den Streaminganbietern

Diskussion

Nachschub für Serienjunkies bei den Streaminganbietern: die Philip-Roth-Verfilmung "The Plot Against America", jeweils zweite Staffeln von „Meine geniale Freundin“ und „Kidding“, komische Abenteuer der „Space Force“, dunkle Seiten von „Hollywood“ und virtuelle Jenseits-Fantasien in „Upload“.


Manche Satiren schreiben sich quasi von selbst! Eine Steilvorlage lieferte Donald Trump mit der Schaffung der „United States Space Force“ als sechster Teilstreitkraft der USA, die im Dezember 2019 offiziell aus der Taufe gehoben wurde. Für großes Amüsement in den sozialen Netzwerken sorgte Anfang 2020 die Entscheidung, deren Uniform in den grün-braunen Tarnfarben (!) anderer Streitkräfte zu gestalten; und spätestens mit der Veröffentlichung des „Space Force“-Logos, das frappierend dem Sternenflotten-Emblem aus „Star Trek“ ähnelt, scheint sich die Vermutung zu bestätigen, dass das ganze Projekt mit einem gewissen Realitätsverlust der US-Regierung zu tun haben könnte.

Der rührige Comedy-Autor Greg Daniels, der sich schon mit „The Office“, „Saturday Night Life“ und „Die Simpsons“ profiliert hat, griff das Thema prompt für eine neue Netflix-Serie auf: Ab 29. Mai startet in dem SciFi-Comedy-Format „Space Force“ das erste Fähnlein von US-Weltraum-Soldaten um Steve Carell und John Malkovich ins All, um die neue Teilstreitkraft zu profilieren und herauszufinden, wozu genau sie neben NASA und Air Force eigentlich gut sein soll. Chaos dürfte vorprogrammiert sein!


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Auf Erden schlägt sich der Rest der Menschheit derweil mit der Corona-Krise herum, die unter anderem auch die Serienproduktion massiv behindert. So müssen Fans des Zombie-Dauerbrenners „The Walking Dead“ derzeit mit einem fiesen Cliffhanger leben und bangen, wie es nach Folge 15 von Staffel 10 (zu sehen via Sky) mit den von den „Whisperern“ bedrohten HeldInnen weitergeht – eigentlich war das Serienfinale für April angekündigt; wegen des Lockdowns konnte die Postproduktion jedoch nicht fertig gestellt werden; nun wird die noch ausstehende 16. Folge irgendwann später im Jahr als Special ausgestrahlt.


Entdeckungen vom Berlinale-Serien-Special: „The Eddy“ & „Dispatches From Elsewhere“

Aber keine Bange: Die Streaminganbieter haben genug fertiggestellte Projekte in petto, um Serienfans auch im Mai nicht auf dem Trockenen sitzen zu lassen. Einige davon konnte man bei der „Berlinale“ im Februar (dem letzten größere Filmfestival vor dem Corona-Lockdown) im Serien-Special vorsichten. Dazu gehört die Netflix-Serie „The Eddy“ (ab 8.5.), an der unter anderem Damien Chazelle als Produzent und Regisseur einiger Folgen beteiligt ist. Die Serie ist in Paris angesiedelt und kreist um einen aus den USA stammenden Jazz-Pianisten, der dort Mitinhaber eines Musikclubs ist und in die Bredouille gerät, als sein Partner die Existenz des Clubs durch krumme Geschäftspraktiken gefährdet. Zudem taucht seine ihm entfremdete, in der USA aufgewachsene Teenager-Tochter auf, um bei ihm zu wohnen. Die Hauptrolle spielt der afroamerikanische Darsteller André Holland.

Andre Holland in "The Eddy" (© Netflix)
André Holland in "The Eddy" (© Netflix)

Ebenfalls beim Berlinale-Serien-Special angeteasert wurde „Dispatches From Elsewhere“ von und mit Schauspieler Jason Segel, den Serienfans aus dem Sitcom-Dauerbrenner „How I Met Your Mother“ kennen. Die Serie, die am 8. Mai bei Amazon Prime startet, erzählt von vier mit ihrem Leben unzufriedenen Normalos, die sich vom Leiter eines dubiosen Instituts (Richard E. Grant) mit der Versprechung locken lassen, es gäbe eine andere, magischere, erfülltere Wirklichkeit zu entdecken.


Neue Staffeln von „Meine geniale Freundin“, „Kidding“ & „Homecoming“

Zu den neuen Angeboten im Mai gehören auch einige zweite Staffeln von Serien, die für Aufsehen gesorgt haben. Etwa die italienische Literaturadaption „Meine geniale Freundin“ nach der Neapel-Saga von Elena Ferrante. Wie in der ersten Staffel führt auch in der Fortsetzung Saverio Costanzo Regie, der die Buchvorlage bislang geschickt verdichten konnte; Unterstützung bekommt er in Staffel 2 von seiner Kollegin Alice Rohrwacher. Inhaltlich ist die Fabel um die spannungsreiche Freundschaft zweier Mädchen in den Teenager-Jahren der Hauptfiguren angekommen; mit 16 Jahren ist eine der beiden bereits verheiratet. Doch die jungen Frauen haben weiterhin Ambitionen, für die ihre Lebenswelt nur wenig Spielraum lässt und für die es zu kämpfen gilt. Zu sehen ist die neue Staffel ab 7.5. bei Magenta TV.

Ebenfalls mit einer zweiten Staffel wird „Kidding“ fortgesetzt, eine US-Serie mit Jim Carrey als Moderator einer populären Fernsehsendung für Kinder, der durch den Unfalltod seines Sohnes komplett aus der Spur gerät. Eine kongeniale Serie über eine durch Trauer innerlich zerrissene Figur, deren erste Staffel unter anderem von Michel Gondry inszeniert wurde. Auch in der zweiten Staffel sind wieder interessante Filmemacher mit am Werk, etwa das weibliche Regie-Team Bert & Bertie, dessen reizend-verschrobener Debütfilm „Troop Zero“ hierzulande Anfang 2020 bei Amazon Prime erschienen ist. Ausgestrahlt wird Staffel 2 von „Kidding“ ab 12. Mai bei Sky.

Jim Carrey in "Kidding" ( © UIP)
Jim Carrey in "Kidding" ( © UIP)

Bei Amazon Prime können sich Serienfans ab 22. Mai außerdem auf eine zweite Staffel der Serie „Homecoming“ freuen. In Staffel 1 spielte Julia Roberts eine Therapeutin, die an einem dubiosen Therapie-Zentrum mit kriegstraumatisierten US-Soldaten arbeitet; in Staffel 2 rückt der Fokus nun auf eine andere Frauenfigur, gespielt von Janelle Monáe.


Faschisten, Klimakatastrophen und andere Extreme: „The Plot Against America“, „Into the Night“ und „Snowpiercer“

Was wäre, wenn es in den USA in den 1940er-Jahren wie in Europa einen Rechtsruck Richtung Faschismus gegeben hätte? Dieses Szenario verfolgt, basierend auf Philip Roth‘ Alternative-History-Roman „The Plot Against America“, eine Mini-Serie der renommierten Showrunner Ed Burns und David Simon. In der HBO-Serie, die bereits seit März in der Originalfassung und ab 20. Mai nun auch in der deutsch synchronisierten Version bei Sky zu sehen ist, muss eine jüdische Familie miterleben, wie sich ihr Land unheilvoll verändert: Charles Lindbergh, als Fliegerheld äußerst populär, tritt im Wahlkampf ums Präsidentenamt gegen Franklin D. Roosevelt an und gewinnt mit dem Versprechen, seine Landsleute vor einer Verwicklung in den Krieg gegen die europäischen Faschisten zu bewahren. Doch dann befördert er seinerseits mit einer isolationistischen „America First“-Politik ein Klima des Antisemitismus und Rassismus. Ein historisches Planspiel, das nicht zuletzt auf die Gegenwart zielt. Besetzt ist es prominent, unter anderem mit Winona Ryder, Zoe Kazan und John Turturro.

Um gefährliche Machtmenschen geht es auch in der Serie "Boss", die schon ein paar Jahre älter, (2011-2012), aber durchaus noch aktuell ist und ab 1. Mai in zwei Staffeln bei Magenta TV zur Verfügung steht. Der "Boss" im Titel ist ein fiktiver Bürgermeister von Chicago (preisgekrönt: Kelsey Grammer) und regiert seine Stadt mit eiserner Hand. Als bei ihm die sogenannte "Lewy-Körperchen-Demenz" diagnostiziert wird, eine degenerative Nervenerkrankung, behält er das tunlichst für sich. Das Drama eines Mannes, dessen Machtambitionen längst zum Selbstzweck geworden sind, der nun aber wie Shakespeares King Lear die Kontrolle über sich und sein "Königreich" zu verlieren droht.

"The Boss" (© Lions Gate Television Inc.)
"The Boss" (© Lions Gate Television Inc.)

Ein hochspannends „Was wäre wenn“-Spiel entfaltet die erste belgische Netflix-Original-Serie Into the Night“, die ab 1. Mai zu sehen ist. Was wäre, wenn bei der Umpolung des Magnetfelds der Sonne, die ungefähr alle elf Jahre stattfindet, eine für die Erde tödliche Anomalie auftreten würde? Erst sind es nur verwirrende SMS-Botschaften und ein paar kryptische Nachrichtenbilder von Leichen, die Reisende nachts am Flughafen Brüssel beunruhigen, doch bald wird es zur Gewissheit: Das Sonnenlicht wirkt plötzlich tödlich! Eine Gruppe von Menschen aus ganz Europa, die es noch in eine der Passagiermaschinen geschafft haben, versucht, dem nahenden Morgen Richtung Westen davonzufliegen. Die Serienmacher schufen daraus mit allerlei technischen Komplikationen und nicht zuletzt vielen zwischenmenschlichen Spannungen ein nervenzerrendes Suspense-Erlebnis, das weitgehend ohne große Special Effects auskommt.

Mit Eis statt mit der Sonne als Klima-Extrem bekommen es die Figuren in einer anderen Netflix-Serie zu tun, die im Mai startet: „Snowpiercer“ greift Bong Joon-hos gleichnamigen Film um eine von Schnee und Eis überzogene Erde auf, in der als letztes Überrestchen menschlicher Zivilisation ein Zug unermüdlich um den Globus braust. Das Perfide dabei: Der Unterschied zwischen erster und zweiter Klasse gleicht dem zwischen Luxus-Himmel und Entbehrungs-Hölle. Was die Insassen der Hölle in der Serie natürlich ähnlich unfair finden wie im Film und deshalb die Revolte planen.

Neu als Serie: "Snowpiercer" (© Netflix)
Neu als Serie: "Snowpiercer" (© Netflix)

Himmel 2.0: „Upload“

Schließlich wartet im Mai noch eine veritable Himmelfahrt als an Serien-Neustarts: „Upload“, ab 1.5. bei Amazon Prime, erzählt von einer Zukunft, in der Annehmlichkeiten wie Hologramm-Telefone, 3D-Lebensmitteldrucker und selbstfahrende Autos Alltag geworden sind – und für Menschen die Möglichkeit besteht, sich bei nahendem Lebensende in ein virtuelles Leben nach dem Tod "uploaden" zu lassen. Ein junger App-Entwickler entscheidet sich nach einem Unfall dafür, diese Chance wahrzunehmen, und lässt sich ins luxuriöse Jenseits der Familie seiner Freundin laden, wo prompt einiger „Trouble in Paradise“ wartet. Als Drehbuchautor steckt der bienenfleißige Greg Daniels hinter dem Projekt, der auch „Space Force“ an den Start bringt. Hut ab vor so viel kreativem Output!

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