© Warner Bros. ("Tenet" von Christopher Nolan soll am 16. Juli in die Kinos kommen)

Wenn die Kinos wieder öffnen

Mittwoch, 27.05.2020

Ein US-Studie beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf filmische Vorlieben und das zu erwartende Verhalten des Publikums

Diskussion

Selbst wenn die Kinos wieder öffnen dürfen - trauen sich die Zuschauer in die Säle zurück? Offensichtlich scheint erst ein Impfstoff gegen COVID-19 die Ängste vor einer Ansteckung in öffentlichen Räumen zu beseitigen.


Während der vergangenen Wochen sind in vielen Ländern der Welt die Ausgangssperren gelockert worden, die uns das Covid-19-Virus aufgezwungen hat. Es gibt wieder Bilder von geöffneten Geschäften, belebten Stränden und Menschen, die Schlange stehen. Massenveranstaltungen, zu denen auch die Kinos gehören, bleiben hingegen vorerst verboten. Am Horizont zeichnet sich aber auch für die Filmindustrie ein Hoffnungsschimmer ab. Erste Nachrichten über Produktionsplanungen und künftige Filmpremieren machen die Runde, obwohl nach wie vor die Gefahr einer zweiten Infektionswelle im Raum steht.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Coronakrise unser gewohntes Leben nachhaltig beeinflusst hat, auch wenn manche so tun, als ob sie gegen alle Anfechtungen des Virus gefeit seien. Unbeantwortet ist bislang die Frage, ob und wie die Menschheit in den Alltag und zu den einstigen Gewohnheiten zurückkehren wird. Filmfreunde warten zwar ungeduldig darauf, dass die Kinos ihre Türen wieder öffnen; doch es ist nicht ausgemacht, ob sie nach den Erfahrungen und Befürchtungen der letzten Monate tatsächlich in Scharen zurückkehren. Werden die mit gewaltigem Aufwand produzierten Filme, deren Start vertagt wurde und die in Wartestellung verharren, die Menschen in gleichem Maße wieder anlocken wie vor der Krise?


Langfristige Folgen der Corona-Krise

Einen ersten Blick in die Zukunft gestattete eine Mitte Mai durchgeführte Umfrage des Centre for Performance Research in Zusammenarbeit mit Full Circle Research, deren wichtigste Ergebnisse in der Feststellung zusammengefasst werden können, dass 70 Prozent der befragten Konsumenten neue Filme lieber zu Hause auf dem Bildschirm als im Kino sehen möchten. Eine bislang wenig beachtete Konsequenz der Corona-Epidemie scheint die auch noch lange nach den Ausgangssperren bestehende Furcht vor einer Ansteckung auch in beliebten und vertrauten Umgebungen zu sein.

„Vorausgesetzt, die Kosten wären ungefähr dieselben“, heißt eine der Hauptfragen in der Untersuchung, „würden Sie es bevorzugen, einen neuen Film zu Hause oder in einem Kino zu sehen, wenn beide Alternativen zur Verfügung stünden?“ Nur 13 Prozent der Befragten sprachen sich für einen Kinobesuch aus; 17 Prozent konnten sich nicht entscheiden. Im Vergleich zum Beginn der Virus-Epidemie, als dieselbe Frage gestellt wurde, wird deutlich, wie sehr die Erfahrungen der jüngsten Zeit das Denken beeinflusst haben: Im März gaben 47 Prozent an, dass sie der Gedanke, eine große öffentliche Veranstaltung zu besuchen, noch längere Zeit ängstigen werden. Zwei Monate später sind es 60 Prozent, die ihrer anhaltenden Furcht Ausdruck verliehen. Nur die Verfügbarkeit eines Impfstoffs gegen Covid-19 könnte ihre Haltung ändern, meinen 90 Prozent aller Teilnehmer der Studie.


Die filmischen Vorlieben verschieben sich

Vieles hat das Virus in unserem Leben verändert. Dazu gehören ganz offensichtlich auch die Bedürfnisse auf dem Unterhaltungssektor. Wenn man der genannten Umfrage glauben kann, büßen etwa Superheldenfilme wie die aus dem Marvel-Universum künftig stark an Attraktionswert ein. Unter den Befragten, die sich für eine rasche Rückkehr ins Kino ausgesprochen haben, rangieren sie nur auf dem dritten Platz. Nicht mehr als 33 Prozent sehnen sich danach, Filme dieses Genres zu besuchen, während es bei Komödien 43 Prozent und bei Dramen 35 Prozent sind. Am wenigsten wollen Kinobesucher zukünftig Angst eingejagt bekommen. Horrorfilme, die vor der Pandemie hoch im Kurs standen, werden nur noch von 19 Prozent der Befragten bevorzugt.

Kommentar verfassen

Kommentieren