© Dior (Still aus "Le Mythe Dior" auf dem Youtube-Kanal des Modehauses)

Matteo Garrone präsentiert Dior

Mittwoch, 08.07.2020

Der italienische Filmemacher ("Dogman") hat einen Werbefilm für das Modehaus gedreht

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Der Corona-Lockdown geht auch an der Fashion Week Paris nicht spurlos vorbei: Das fürs Frühjahr geplante Event musste abgesagt werden, und statt bei aufwendigen Laufsteg-Shows präsentieren die Modehäuser ihre neuen Kollektionen derzeit bei einer „Paris Fashion Week Online“ im Netz. Neben Livestreams gehören dazu auch diverse Filme. Das Traditionshaus Dior hat sich dafür prominente Unterstützung geholt: Sein Film „Le Mythe Dior“ stammt vom italienischen Regisseur Matteo Garrone, der sich mit Filmen wie „Gomorrha – Reise in das Reichder Camorra, „Reality“ und „Dogman“ zu einem der prominentesten Vertreter des gegenwärtigen italienischen Kinos entwickelt hat.

In seiner Arbeit für das Modehaus schlägt einmal mehr Garrones Neigung zum Märchenhaften durch, wie sie sein gesamtes Werk, vor allem aber seinen jüngsten Film „Pinocchio“ und den 2015 entstandenen „Das Märchen der Märchen“ prägt – die Bildwelten aus Letzterem tauchen jetzt in „Le Mythe Dior“ wieder auf: Da tragen zwei livrierte Pagen einen wie ein Puppenhaus aussehenden, großen Schrankkoffer durch einen malerischen Märchenwald und präsentieren den sich dort tummelnden mythischen Wesen – Nixen und Nymphen, Faunen, einem Narziss (der zu selbstversunken ist, um sie überhaupt wahrzunehmen), einem halb mit einem Baum verwachsenen Liebespaar und einer lebenden Statue – die Miniaturkleiderentwürfe, die zuvor, wie man am Anfang des Films sieht, von geschickten Schneiderinnen in einer Werkstatt genäht wurden: Roben, die mit ihren als antikisierten Schnitten und/oder zart-elfenhaften Stoffen bestens in das arkadische Ambiente passen.

Dabei geht Garrones auch hier bestechend schauträchtigen, beziehungsreichen Bildwelten zwar natürlich im Sinne der Werbung weitgehend der dunkle Untergrund flöten, der Garrones „Märchen der Märchen“ unterspülte und sich an Eitelkeit, Gier und Jugendwahn rieb; trotzdem lässt der Italiener auch in diesem nur schwelgerisch-schönen Mode-Märchen ein Stückchen gar nicht märchenhafte Realität aufblitzen: Die im Film heranzitierte Praxis, Kleider zu bewerben, indem man erstmal Wanderausstellungen mit Miniaturmodellen in Puppengröße zu den potenziellen Kunden zur Begutachtung schickt, stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Stoff knapp war – ein kleines Stückchen Krisen-Reminiszenz.

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