© Home Box Office, Inc. ("Lovecraft Country")

Serienhighlights im August

Dienstag, 28.07.2020

Ein Überblick über neue Serien bei den Streaminganbietern

Diskussion

Ein Horrortrip von Jordan Peele ins Herz des US-amerikanischen Rassismus in „Lovecraft Country“, Science-Fiction-Thrillerstoffe in „Devs“ und „Biohackers“ und Comedy von „Hobbit“-Star Martin Freeman: Neue Serien der Streamingdienste im August.


Das Reizthema Rassismus ist nicht nur Stoff für engagierte Dokus oder bewegende Dramen über das Leben realer Figuren wie in „Green Book“ oder „Harriet“, sondern schlägt auch im Kosmos der Fantasy-Serien interessante Wellen. Die großartige HBO-Fortschreibung der Graphic Novel „Watchmen“, die Ende 2019 bei Sky startete und ab 30. Juli 2020 auch als DVD/BD vorliegt, verpasst dem Aufstieg der Superhelden im 20. Jahrhundert eine Art alternativen Gründungsmythos, indem sie davon erzählt, wie die Erfahrung rassistischer Gewalt zum Impuls dafür wird, als maskierter Vigilant für Gerechtigkeit zu sorgen (sozusagen als „Kontrapasso“ gegen den Terror des Ku-Klux-Klan). Die Superhelden-Familie der „The Umbrella Academy“ verschlägt es in Staffel 2 (seit 31. Juli bei Netflix) in die 1960er Jahre, wo es das farbige Familienmitglied Allison prompt mit der Rassentrennung und rassistischer Polizeigewalt zu tun bekommt und sich der erstarkenden Bürgerrechtsbewegung anschließt.

Am 16. August startet nun bei Sky eine weitere Serie, die sich dem Thema Rassismus im Gewand eines Fantasy-Stoffs nähert: „Lovecraft Country“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Matt Ruff, spielt in den USA der 1950er-Jahre und handelt von einem jungen Afroamerikaner (Jonathan Majors), der gemeinsam mit seiner besten Freundin Letitia und seinem Onkel George nach seinem verschwundenen Vater sucht, was sich zu einem echten Horrortrip auswächst, bei dem man kaum sagen kann, was schlimmer ist: die übernatürlichen Monster oder die ganz normalen, menschlichen Rassisten-Monster, mit denen es der kleine Trupp zu tun bekommt. Als Serienschöpfer fungiert Jordan Peele, der in „Get out“ schon eine ähnliche Mischung aus Horrorgenre und Rassismus-Thematik erprobt hat.

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"Lovecraft Country" von Jordan Peele, Misha Green (© Home Box Office, Inc.)
"Lovecraft Country" von Jordan Peele, Misha Green (© Home Box Office, Inc.)

Science-Fiction-Thriller: „Dev“ und „Biohackers“

Zu den interessantesten Serien-Neustarts des Monats gehört auch ein neuer Science-Fiction-Stoff: Die Serie „Devs“ (ab 19. August auf MagentaTV), das jüngste Projekt von Alex Garland, der sich als Drehbuchautor für die Filme „28 Days Later“, „Sunshine“ und „Alles was wir geben mussten“ einen Namen gemacht hat und der mit „ExMachina“ dann auch als Regisseur debütierte. „Devs“ ist in der gleichnamigen Serie das Kürzel für „Developers“ und die Bezeichnung einer dubiosen Abteilung in einem Tech-Konzern, auf die eine Mitarbeiterin aufmerksam wird, als ihr Freund nach seinem ersten Arbeitstag bei Devs spurlos verschwindet.

Um einen ähnlich gelagerten Stoff zwischen Thriller und dystopischer Science Fiction geht es auch in einer neuen deutschen Netflix-Serie, die sich anschickt, in die Fußstapfen der Erfolgsserie „Dark“ zu treten: In „Biohackers“ nimmt eine junge Frau ein Medizinstudium in Freiburg auf, um in den Kreis einer Professorin zu kommen, in dem illegale Gen-Experimente betrieben werden.


Comedy-Chaos: „Ted Lasso“ & „Breeders“

Wem der Sinn eher nach komödiantischer Unterhaltung als nach Spannung steht, der wird bei AppleTV+ fündig: Dort startet am 14. August „Ted Lasso“, eine Kollaboration des Comedian Jason Sudeikis mit Bill Lawrence, der mit der langlebigen Sitcom „Scrubs“ Serien-Geschichte geschrieben hat. Der schrägen Krankenhaus-Comedy in „Scrubs“ nicht unähnlich, geht es auch in „Ted Lasso“ um einen Mann, der nach einem Jobwechsel in ein neues Umfeld gerät, das ihn völlig überfordert: Ted Lasso (Sudeikis), bisher Football-Coach an einem US-College, verschlägt es als Trainer eines britischen Profi-Fußballteams nach London – ohne jede Erfahrung.

Von und mit Martin Freeman: "Breeders"
Von und mit Martin Freeman: "Breeders" (Foto: Sky)

Um Überforderung kreist auch die britische Comedy-Serie „Breeders“ (ab 4. August bei Sky), hinter der Martin Freeman als Mit-Schöpfer steckt. Sie kreist um das Leben eines Paares, das Elternschaft und Job unter einen Hut bringen will. „Wir wollten so ehrlich wie möglich sein und vor allem die Momente zeigen, auf die man als Eltern nicht stolz ist“, erläuterte Martin Freeman zur Serie, die er zusammen mit Chris Addison und Simon Blackwell geschrieben hat.


Teen-Abenteuer

Einen vielversprechenden Serien-Neustart gibt es bei Universal TV: Ab 11. August läuft dort die australische Serie „Upright“, eine Art Road Movie um ein ungleiches Duo und viel Musik. Ein abgehalfterter Musiker (Tim Minchin) begibt sich samt seinem Piano auf einen Roadtrip quer durch Australien, weil er seine todkranke Mutter besuchen will. Unterwegs gerät er an eine widerborstige Teenager-Ausreißerin, mit der in diverse Abenteuer verwickelt wird, was aus der zunächst unfreiwilligen Zweckgemeinschaft allmählich eine Freundschaft macht.

Mit Teenagern klarzukommen ist nicht immer einfach! Und wenn die Teens dann auch noch eine Geheimagenten-Ausbildung haben, wird es richtig gefährlich. So in der neuen Amazon-Serie „Alex Rider“, der Adaption einer erfolgreichen Jugendbuch-Reihe von Anthony Horowitz rund um einen Jungen, der in die Fußstapfen seines verstorbenen Onkels beim MI6 tritt. Die Serie (ab 7. August bei Amazon Prime) kombiniert Ereignisse aus den ersten zwei Bänden der Buchreihe und schickt ihre Hauptfigur zu Undercover-Ermittlungen in ein Schweizer Elite-Internat.

Kritischer Blick auf die Gegenwart: "Immigration Nation" (Foto: Netflix)
Kritischer Blick auf die Gegenwart: "Immigration Nation" (Foto: Netflix)

Dokumentarisches über die USA als Einwanderungsland

Hohe Erwartungen weckt auch ein dokumentarisches Format, das ab 3. August bei Netflix zu sehen ist: „Immigration Nation“ von Shaul Schwarz und Christina Clusiau beleuchtet vor dem historischen Hintergrund der Geschichte der USA als dem „Land of the Free“, das Menschen, die den europäischen Monarchien den Rücken kehrten, Zuflucht und Zukunft gewährte, die gegenwärtige Praxis der Einwanderungsbehörden, aber auch die politischen Hintergründe und die Schicksale Betroffener. Über drei Jahre hinweg begleiteten die Filmemacher Einwanderungs- und Zollbeamte, Aktivisten, Politiker, Anwälte und zahlreiche Immigranten - teils Neuankömmlinge, teils schon lange in den USA lebende Menschen - mit der Kamera und arbeiteten ihre Beobachtungen als Miniserie auf.

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