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Retro im Zeughauskino: „Überläufer“

Mittwoch, 26.08.2020

Das Zeughauskino Berlin widmet sich im September den sogenannten Überläufer-Filmen, die in den letzten Monaten der NS-Diktatur begonnen, aber erst nach Kriegsende unter veränderten ideologischen Vorzeichen fertiggestellt wurden

Diskussion

Das Zeughauskino Berlin widmet sich im September mit einer Retrospektive den sogenannten Überläufer-Filmen, die in den letzten Monaten der NS-Diktatur begonnen, aber erst nach Kriegsende unter veränderten ideologischen Vorzeichen fertiggestellt wurden. In der Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms spielen sie eine wichtige Rolle.


Als die nationalsozialistische Filmproduktion Anfang 1945 allmählich zum Erliegen kam und der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete, stellte sich den Siegermächten auch die Frage, wie mit dem Filmerbe des „Dritten Reichs“ umzugehen sei. Der für Filmzensur zuständige Alliierte Kontrollrat veranlasste eine Sichtung der deutschen Filmproduktion und gab die meisten der zwischen 1933 und 1945 entstandenen Filme unter Schnittauflagen oder ohne Beanstandungen frei. Über 300 Filme wurden hingegen auf eine Verbotsliste gesetzt und ihre öffentliche Vorführung fortan untersagt. Doch was sollte mit denjenigen Filmen geschehen, deren Herstellung zwar begonnen hatte, deren Endfertigung aber noch ausstand? Konnten diese Arbeiten unter den neuen politischen Verhältnissen von anderen Firmen fertiggestellt werden? Waren sie für die Kulturarbeit im Nachkriegsdeutschland geeignet?

In der Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms spielen diese sogenannten „Überläufer-Filme“ eine wichtige Rolle. Über 70 Filme wurde 1945 begonnen, von denen 30 zu den „Überläufer-Filmen“ gerechnet werden: Sie wechselten von einem System ins andere, vom „Deutschen Reich“ in die alliierten Besatzungszonen. Manche Produktionen erlebten ihre Premiere erst in der DDR oder in der Bundesrepublik. Die Retrospektive „Überläufer“ im Zeughauskino in Berlin stellt vom 10. bis 30. September 14 Überläufer-Filme vor.

Ost wie West zeigten reges Interesse

Kurioserweise widmete sich die Deutsche Film-A.G. (DEFA) besonders früh und intensiv der Fertigstellung der im Nationalsozialismus begonnenen Spielfilme. Géza von Bolvárys Operettenverfilmung „Die Fledermaus, schon wenige Wochen nach Kriegsende von der „DEFA in Gründung“ endgefertigt, erlebte am 16. August 1945 ihre Premiere, zwei Monate vor der Uraufführung des ersten deutschen Nachkriegsspielfilms „Die Mörder sind unter uns“. Aber auch andere Firmen zeigten reges Interesse an der Fertigstellung von Filmen aus der NS-Zeit. Die Bavaria brachte unter anderem Hans Schweikarts Kriminalfilm „Die Nacht der Zwölf" und Theo Lingens Verwechslungskomödie „Philine“ in die Kinos. Luis Trenkers letzten Bergfilm im „Dritten Reich“, „Im Bann des Monte Miracolo“, stellte Tirol-Film fertig, und als 1953 das vom französischen Militär beschlagnahmte Filmmaterial von „Tiefland freigegeben wurde, sorgte die Riefenstahl-Film GmbH für dessen Fertigstellung und Uraufführung im Februar 1954.


Ausführliche Angaben zu der Filmreihe finden sich auf der Homepage des Zeughauskino Berlin.

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