© FX Productions (Artwork zu "Mrs. America")

Serienhighlights im September

Freitag, 28.08.2020

Serientipps der Redaktion für den Monat September quer durch alle Streamingdienste

Diskussion

Cate Blanchett im politischen Kampf um einen emanzipatorischen Verfassungszusatz, Anke Engelke in einem tragikomischen Trauerprozess, Neues von „The Boys“, Science-Fiction von Ridley Scott und das Comeback der biestigen Krankenschwester „Ratched“: Serientipps im September quer durch die Streamingdienste.


Das Oktoberfest 2020 findet Corona-bedingt nicht statt. Dafür gibt es im September eine neue Miniserie über das Volksfest, die sich anschickt, „Babylon Berlin“ süddeutsche Konkurrenz zu machen: „Oktoberfest 1900“ ist eine aufwändig produzierte Historienserie, die dem Wandel der bierseligen Münchner Festivität von der Tradition zum großen Geschäft und damit exemplarisch die sogenannte „Gründerzeit“ beleuchtet. Im Fokus der von Ufa Fiction produzierten Serie steht die Auseinandersetzung zweier Bierbrauer-Dynastien um die Vormachtstellung beim Oktoberfest; anhand ihrer Schicksale eröffnet sich ein vielfältiges Panorama der damaligen Veränderungen hin zu einer modern-kapitalistischen Gesellschaft. Zu dem namhaften Ensemble gehören Martina Gedeck, Misel Maticevic, Maximillian Brückner und Brigitte Hobmeier; die sechs Teile laufen am 15.9., 16.9. und 23.9. je um 20.15 Uhr in Das Ersten; ab 8. September ist die Serie aber schon in der ARD Mediathek verfügbar.

"Oktoberfest 1900" (© BR/ARD Degeto/MDR/WDR/Zeitsprung Pictures GmbH/Dusan Martincek)
"Oktoberfest 1900" (© BR/Dusan Martincek)

     

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Noch mehr deutsche Geschichte gibt es ab 25. September mit zwei Formaten, die sich beide mit der Wende- und Nachwendezeit befassen: Der Doku-Mehrteiler „Rohwedder“ rollt bei Netflix den Mord an Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder 1991 auf, und Amazon Prime startet mit „Deutschland 89“ die dritte und finale Staffel der erfolgreichen Spionage-Serie von Anna und Jörg Winger, die mit „Deutschland 83“ und „Deutschland 86“ begann. Mittlerweile ist die Geschichte um einen jungen DDR-Spion (Jonas Ney) in der Phase des Untergangs und Neuanfangs angekommen: Mit der friedlichen Revolution 1989 verliert der Protagonist den Job und den ideologischen Boden unter den Füßen und muss sich fragen, wie es nun weitergehen soll. Will er seine Agenten-Karriere fortsetzen, und wenn ja: für wen? Oder soll er sich „privatisieren“ und in die Geschäftswelt einsteigen? Oder eher komplett aussteigen?

"Deutschland 89" (© UFA FICTION/Anika Molnár)
"Deutschland 89" (© Ufa Fiction/Anika Molnár)

Der lange Kampf der Frauen

Um ein spannendes – und unabgeschlossenes – Stück US-Geschichte geht es in einer anderen Miniserie, die ab 1. September via Fox Channel und im Anschluss bei Sky, MagentaTV, Vodafone Select und Giga TV auch in Deutschland zu sehen ist: „Mrs. America“ erzählt vom langen Kampf um einen Verfassungszusatz, der Frauen in den Vereinigten Staaten die rechtliche Gleichheit mit den Männern garantieren soll; das sogenannte „Equal Rights Amendment“ (ERA) wurde erstmals in den 1920er-Jahren beim Kongress eingereicht; dann dauerte es aber bis in die frühen 1970er-Jahre, bis er von den Kongressabgeordneten und dem Senat angenommen wurde. Die endgültige Ratifizierung durch die Bundesstaaten ließ dann aber nochmal bis ins Jahr 2020 (!) auf sich warten lassen und ist jetzt immer noch nicht rechtskräftig. „Mrs. America“ beleuchtet das Ringen um ERA in den 1970er-Jahren. Der Fokus liegt auf Aktivistinnen aus dem Pro- und Anti-ERA-Lager. Als Executive Producer und in einer der Hauptrollen ist die australische Schauspielerin Cate Blanchett beteiligt, die kürzlich schon mit der von ihr mit produzierten, engagierten Serie „Stateless“ beeindruckte. Sie spielt eine glühende konservative Gegnerin des ERA, die Autorin und Feminismus-Kritikerin Phyllis Stewart Schlafly.

Mit einem 1970er-Jahre-Bezug wartet auch eine neue Serie auf, die am 18. September bei Netflix startet: „Ratched“ nimmt sich einer Figur aus dem 1975 erschienenen Kultfilm „Einer flog über das Kuckucksnest“ an.

"Ratched" (© Saeed Adyani/Netflix)
"Ratched" (© Saeed Adyani/Netflix)

In dem New-Hollywood-Drama über den Widerstand eines von Jack Nicholson gespielten Protagonisten gegen eine restriktive Psychiatrie ist die Krankenschwester Mildred Ratched (großartig gespielt von Louise Fletcher) ein richtiges Biest; die Serie blickt nun zurück in Ratcheds Vorgeschichte und ihre beruflichen Anfänge in der Psychiatrie in den späten 1940er-Jahren. Man darf gespannt sein, wie die Showrunner Ryan Murphy und Hauptdarstellerin Sarah Paulson die Figur neu interpretieren – hoffentlich etwas differenzierter als der Film, über den man viel Gutes sagen kann, aber nicht, dass sein Frauenbild fortschrittlich und vielschichtig gewesen sei.

Neue Krimi-Serien bei Netflix

Neben „Ratched“ hat Netflix im September noch andere spannende Serien-Neustarts in petto: Mit „Der junge Wallander“ gibt es eine weitere Serie, die die Vorgeschichte einer bekannten Figur aufrollt; das schwedisch-britische Krimi-Format beleuchtet die ersten beruflichen Schritte von Henning Mankells populärer Kommissar-Figur Kurt Wallander. Angesichts der Tatsache, wie vom Leben gezeichnet und seelisch lädiert die Figur in den „Wallander“-Romanen ist, kann man damit rechnen, dass die junge Version (Adam Pålsson) manches Grausige durchmachen wird. In Sachen Krimis wartet Netflix außerdem mit einer zweiten Staffel der polnischen Serie „Zeichen“ und mit einer Fortführung des britischen Erzählstrangs der Euro-Serie „Criminal“ auf, die ihre Fälle minimalistisch vom Verhörraum in einer Polizeiwache aus aufrollt.

"Der junge Wallander" (© Netflix)
"Der junge Wallander" (© Netflix)

Hilary Swank fliegt ins All, Anke Engelke mischt Beerdigungen auf

Interessant verspricht außerdem eine neue Science-Fiction-Serie um eine US-Astronautin (Hilary Swank) zu werden, die die Leitung bei einem internationalen Raumflug zum Mars übernimmt: „Away“ will allerdings nicht nur einfach ein Weltraum-Abenteuer erzählen, sondern die Serie handelt auch von den emotionalen Kollateralschäden, die die aufreibende Mission bei den Mitgliedern verursacht.

Außerdem startet eine weitere deutsche Serie: „Das letzte Wort“ ist ein Projekt des Filmemachers Aron Lehman, in dem Anke Engelke in einer tragikomischen Hauptrolle als frisch verwitwete Frau mit dem Tod ihres Ehemanns durch einen ungewöhnlichen Berufswechsel fertig zu werden versucht: Sie wird Trauerrednerin und mischt das Beerdigungsgeschäft auf.


Eine neue Gegnerin für „The Boys“

Diesen weiblichen Stars bietet Amazon Prime im September mit einer zweiten Staffel der ruppigen Anti-Superheldenserie „The Boys“ contra. Wobei auch hier neben den titelgebenden Jungs um Karl Urban die Ladies eine zunehmend wichtige Rolle spielen, unter anderem durch einen abgründigen Neuzugang. Zum Team der korrupten, von einem Konzern als Werbegesichter und menschliche Waffen im Kampf um politischen Einfluss benutzten und von den „Boys“ bekämpften Superhelden „The Seven“ stößt eine neue „Heldin“: Mit „Stormfront“ (Aya Cash) scheinen zunächst die vom Konzern als menschliche Barbies vermarkteten, von ihren männlichen Teammitgliedern geplagten und missbrauchten Frauenfiguren Starlight und Maeve emanzipatorische Verstärkung zu bekommen – bis sich im Lauf der Staffel die wahre Agenda der Figur enthüllt.

"The Boys" (© Amazon Inc.)
"The Boys" (© Amazon Inc.)

Hochkarätige Serien von HBO

Unter anderem via Sky laufen im September zudem bemerkenswerte Miniserien des US-Senders HBO: „I Know This Much is True“ ist ein Projekt des Filmemachers Derek Cianfrance, der vor allem durch die Filme bekannt wurde, die er zusammen mit Schauspieler Ryan Gosling realisiert hat („Blue Valentine“, „The Place Beyond the Pines“). Für die neue Serie ist er seinem Stammschauspieler untreu geworden und präsentiert stattdessen Mark Ruffalo in einer anspruchsvollen Doppelrolle: Er spielt einen Mann, der mit der Fürsorge für seinen schizophrenen Zwillingsbruder an den Rand seiner Kraft kommt, und verkörpert zugleich den psychisch Kranken, dessen Leiden auch mit familiären Traumata zusammenhängt. Nachdem die Originalfassung der Serie zeitgleich zum US-Start schon im Mai lief, ist ab 14. September nun auch die deutsch synchronisierte Fassung abrufbar.

Ähnliches gilt für die HBO-Serie „Run“, unter anderem produziert von Phoebe Waller-Bridge. Sie startete im April im Original und ist ab 8. September auch synchronisiert verfügbar. Merritt Wever, zuletzt zu sehen in den hervorragenden Netflix-Serien „Godless“ und „Unbelievable“, spielt darin eine Frau, die sich genötigt sieht, ein altes Versprechen einzulösen, das sie einst ihrer College-Liebe (Domhnall Gleeson) gab. Das Wörtchen „Run“ als SMS-Nachricht ist das Signal, alles stehen und liegen zu lassen, um gemeinsam mit dem Freund aus Jugendtagen zu verschwinden. Trotz des langen zeitlichen Abstands von 17 Jahren hält die Frau Wort und befindet sich bald mit dem Mann auf einer Reise ins Ungewisse wieder.

"Run" (© Home Box Office, Inc)
"Run" (© Home Box Office, Inc)

Von HBO Max übernimmt TNT Serie (via Sky empfangbar), im September ein neues Science-Fiction-Projekt, an dem Ridley Scott als Produzent und Regisseur beteiligt ist und das aus der Feder von Aaron Guzikowski („Prisoners“) stammt. „Raised by Wolves“ spielt in einer Zukunft, in der die Erde durch einen verheerenden Krieg unbewohnbar geworden ist und menschliche Siedler sich auf einem fremden Planeten niedergelassen haben. Zwei Androiden kümmern sich als „Vater“ und „Mutter“ um die Aufzucht der menschlichen Kinder. Doch den Maschinenwesen fällt es schwer, mit der menschlichen Irrationalität umzugehen, die sich bald nach der Ankunft weiterer Menschen auch im neuen Habitat Bahn bricht. Ein Stoff also, in dem Reflexionen über die „conditio humana“ mitschwingen, ganz ähnlich wie schon in Ridley Scotts „Prometheus“.


Die Serientipps im Monat September im Überblick


Ab 1. September

Mrs. America (OV & deutsche Synchro; Fox Channel + Sky, MagentaTV, Vodafone Select, Giga TV)


Ab 3. September

Der junge Wallander (Netflix)

Darkness – Schatten der Vergangenheit (arte Mediathek)


Ab 4. September

The Boys – Staffel 2 (Amazon Prime)

Away (Netflix)


Ab 8. September

Oktoberfest 1900 (ARD Mediathek)

Run (OV & deutsche Synchro; Sky)


Ab 14. September

I Know This Much Is True (OV & deutsche Synchro; Fox Channel/Sky)

"I Know This Much Is True" (© Home Box Office, Inc)
"I Know This Much Is True" (© Home Box Office, Inc)


Ab 16. September

Zeichen – Staffel 2 (Netflix)

Criminal: Vereinigtes Königreich – Staffel 2 (Netflix)

Raised by Wolves (OV & deutsche Synchro; TNT Serie/Sky)


Ab 17. September

Das letzte Wort (Netflix)


Ab 18. September

Ratched (Netflix)


Ab 23. September

Primal (Sky)


Ab 25. September

Rohwedder - Einigkeit und Mord und Freiheit (Netflix)

Deutschland 89 (Amazon Prime)


Ab 28. September

Doom Patrol - Staffel 2 (Amazon Prime)

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