© Walt Disney ("Black Panther")

Wakanda Forever! - Nachruf auf Chadwick Boseman

Samstag, 29.08.2020

Ein Nachruf auf den US-Schauspieler Chadwick Boseman (29.11.1976-20.8.2020), der im Alter von nur 43 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist

Diskussion

Mit nur 43 Jahren ist der afroamerikanische US-Schauspieler Chadwick Boseman am 28. August 2020 einem Krebsleiden erlegen. Weltweit bekannt wurde er durch seine Rolle als „Black Panther“ im gleichnamigen Superhelden-Film, der ihn zu einer Ikone des schwarzen Selbstbewusstseins machte. Ein Nachruf.


Der Marvel-Blockbuster „Black Panther“, dessen Titelfigur der 1976 geborene US-Amerikaner Chadwick Boseman verkörperte, war nicht einfach nur ein Superhelden-Spektakel; als erstes Solo-Abenteuer eines schwarzen Superhelden im „Marvel Cinematic Universe“, das zum größten Teil von einer schwarzen Darstellerriege bestritten und mit Ryan Coogler auch von einem schwarzen Regisseur inszeniert wurde, verstanden viele den Film im Jahr 2018 als Hoffnungszeichen, dass sich Hollywood tatsächlich auf dem Weg zu mehr „Diversity“ befinde und dass das „New Black Cinema“ künftig keine Randerscheinung mehr ist, sondern den Mainstream erobert hat.

Neue Ikone schwarzen Selbstbewusstseins: Chadwick Boseman als Prinz T'Challa (Walt Disney)
Neue Ikone schwarzen Selbstbewusstseins: Chadwick Boseman als Prinz T'Challa (© Walt Disney)

Bosemans Rolle als junger König des fiktiven afrikanischen Königreichs Wakanda als Verkörperung schwarzen Selbstbewusstseins hatte entsprechend ikonischen Charakter. Dementsprechend groß ist die kollektive Trauer darüber, dass der Schauspieler am 28. August 2020 im Alter von nur 43 Jahren einem Darmkrebsleiden erlegen ist. Unter den vielen prominenten Wortmeldungen, die per Social Media ihre Betroffenheit über den Tod des Schauspielers geteilt haben, findet sich auch ein Beitrag des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, der die Bedeutung von Bosemans Star-Persona auf den Punkt bringt: „The true power of Chadwick Boseman was bigger than anything we saw on the screen“ - Boseman verkörperte nicht einfach nur Charaktere; er besaß Vorbild-Funktion.


Äußere Würden durch innere Noblesse

Schauspielerisch mag das auch eine Einschränkung für ihn gewesen sein. Seine Figur T’Challa alia Black Panther, aber auch viele andere seiner Rollen sind charismatisch-idealisierte Heldenfiguren; für gebrochene Charakterrollen wurde er eher nicht engagiert. Sein „Black Panther“, der in die Rolle des Königs hineinwachsen muss, ist eine Art schwarzes Pendant zu „Captain America“ – eine Figur, bei der betont wird, dass ihre körperliche Superhelden-Stärke (die er im Laufe des Films für eine Weile einbüßt) nur eine Art Beiwerk ist, da das eigentlich Heroische an ihr in einer unbedingten moralischen Integrität besteht; auch T’Challa setzt seinen Führungsanspruch primär damit durch, dass er sich des Vertrauens und der Unterstützung anderer als würdig erweist und die äußeren Königswürden durch innere Noblesse rechtfertigt.

Bekannt wurde Chadwick Boseman darüber hinaus für geradlinige Action-Rollen in Thrillern wie „21 Bridges“ und „Message from the King“ sowie für Hauptrollen in Filmen, die realen afroamerikanischen Helden ein Denkmal setzten: etwa dem Baseball-Star Jackie Robinson in „42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“, dem Juristen Thurgood Marshall, dem ersten afroamerikanischen Richter am Obersten Gerichtshof der USA („Marshall“) oder dem Musiker James Brown in „Get On Up“, wobei man immer bewunderte, wie flüssig sich Boseman in die verschiedenen Zeiten, Milieus und Metiers hineinschmiegte. In dem James-Brown-Film machte er aus den Eigenheiten und Manierismen des realen James Brown stimmig-organisch eine eigene Körper- und Stimmsprache, die nie nach bloßer Nachahmung aussah: Ein schauspielerisches Format, dem man ohne Weiteres zugetraut hätte, auch mehr die Abgründe des Musikers auszuloten, wenn das Drehbuch das denn zugelassen hätte.

Machte auch als Cop eine gute Figur: Chadwick Boseman in "21 Bridges" (Concorde)
Machte auch als Cop eine gute Figur: Chadwick Boseman in "21 Bridges" (© Concorde)

Zugetraut hätte man Boseman noch viel mehr. In den Anfängen seiner Karriere hatte es so ausgesehen, als strebe der Absolvent der renommierten Howard University, einer Institution afroamerikanischer Bildung, an der beispielsweise auch Toni Morrison studierte, eher eine Karriere als Drehbuchautor und Regisseur denn als Schauspieler an; etwa mit dem vielgelobten Bühnenstück „Deep Azure“, in dem er den Tod eines jungen Afroamerikaners durch die Hand eines ebenfalls afroamerikanischen Polizisten verarbeitete. In einem Interview bekannte er, dass er mit der Schauspielerei ursprünglich nur deshalb begonnen habe, um mehr über die schauspielerische Arbeit zu lernen, darüber, „wie man mit Schauspielern kommuniziert“. Vielleicht hätten seine Autoren-Ambitionen ja seiner Karriere, die über Fernsehserien und die erste große Filmrolle in „The Kill Hole“ in den Zenit des Blockbusterkinos führte, in den kommenden Jahren jenseits eines weiteren „Black Panther“-Films und anderer Heldenrollen nochmal eine neue Richtung gegeben.


Home to God too soon

Boseman hinterlässt neben einer trauernden Familie und einer Unzahl verstörter Fans und Kollegen einen letzten Film; „Ma Rainey’s Black Bottom“ ist ebenfalls eine dem wahren Leben entlehnte Geschichte, in der Boseman Viola Davis in der Rolle der gleichnamigen „Mother of Blues“ als einer ihrer Band-Musiker flankiert. Wann der Film seinen Weg in Corona-Zeiten zum deutschen Publikum schaffen wird, ist noch unbekannt (anvisiert ist ein Start bei Netflix noch für 2020) . Ansonsten bleibt nur zu sagen, was Boseman selbst als Autor in „Deep Azure“ einer Figur in den Mund legte: „This Prince went home to God too soon.“

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