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Serie: The Boys - Staffel 2

Donnerstag, 03.09.2020

Die Fortsetzung der Anti-Superheldenserie, in der ein ruppiger Vigilanten-Trupp gegen korrupte Superhelden und einen machtgierigen Konzern kämpft

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Make America Safe Again“ – schön wär’s! Wenn die Superhelden Homelander (Anthony Starr) und Stormfront (Aya Cash) in Staffel 2 von „The Boys“ die Menge mit diesem Spruch aufpeitschen, ist wie beim persiflierten Donald-Trump-Slogan klar, dass es nicht ums Wohl des Landes geht, sondern um narzisstische Machtambitionen. Die grassierende Furcht vor Terroristen mit Superkräften, die aus dem Ausland die USA infiltrieren, ist zwar nicht völlig aus der Luft gegriffen, wird von Homelander und dem hinter ihm stehenden „Vought Industries“-Konzern aber künstlich aufgeblasen und angeheizt, um auf den hochkochenden Ängsten der Bevölkerung die eigene korrupte Suppe zu kochen.

Wie schon in Staffel 1 durch allerlei Intrigen, Erpressungen und brutale Morde offenbar wurde, zielen Vought und Homelander darauf ab, die Bedeutung ihres Superhelden-Programms zu stärken, damit die politischen Institutionen zu unterlaufen und selbst so viel Einfluss wie möglich zu gewinnen. In Staffel 2 zeichnet sich nun aber ab, dass im Lager der Intriganten durchaus nicht alle am selben Strang ziehen. Während Vought Industries (seit dem Tod von Madelyn Stillwell repräsentiert durch den von Giancarlo Esposito gespielten Stan Edgar) als kapitalistisches „Corporate Evil“ die eigene Marktmacht im Blick hat, fängt der psychopathische Egomane Homelander an, mit „White Supremacy“-Tendenzen (durchaus wortwörtlich) ins Bett zu steigen.

Ein Volk, das Helden braucht, traut sich selbst nicht mehr: Demo-Szene aus "The Boys" (© Amazon Inc.)
Ein Volk, das Helden braucht, traut sich selbst nicht mehr: Demo-Szene aus "The Boys" (© Amazon Inc.)

Das Sagen hat, wer die Social-Media-Kanäle am besten manipuliert

Es ist grundsätzlich etwas faul in den USA, in denen die auf den gleichnamigen Comics von Garth Ennis basierende Serie spielt. In Staffel 2 zielt die Gesellschaftskritik sogar noch etwa direkter mitten ins Herz von „Trumpland“. Das um Homelander versammelte Superhelden-Team „The Seven“ und ihre Gegner, die ruppige Vigilanten-Truppe „The Boys“, agieren in einem Land, dessen demokratische Ordnung zu zerfallen droht angesichts der zunehmenden Radikalisierung und einer Medienlandschaft, in der diejenigen das Sagen haben, die die Social-Media-Kanäle am besten zu manipulieren verstehen.

Wie soll man in dieser Welt das tun, wofür „The Boys“ eigentlich stehen – nämlich für Gerechtigkeit zu sorgen? Billy Butcher (Karl Urban), der Anführer der „Boys“, zieht sich nach dem spektakulären Twist, mit dem Staffel 1 endete, von der Truppe und ihrer Mission etwas zurück und arbeitet sich am Schicksal seiner Frau und ihres kleinen Sohnes ab, das auf unselige Weise mit Homelander verknüpft ist. Sein Schützling Hughie (Jack Quaid) und die anderen „Boys“, die durch die mit außergewöhnlichen Kräften begabte Kimiko und die sich mehr und mehr von den „Seven“ abwendende Superheldin Annie alias Starlight ergänzt werden, versuchen derweil, illegale Machenschaften von Vought Industries rund um die künstliche Genese von Superhelden aufzudecken und öffentlich zu machen – wobei es, sobald Billy sich wieder mehr einbringt, zu Reibereien um die Methoden der Truppe kommt.

Die "Boys" in Action (© Amazon Inc.)
Die "Boys" in Action (© Amazon Inc.)

Ein schillerndes Spektrum menschlicher Abgründe

Auch in Staffel 2 fesselt nicht zuletzt das schillernde Spektrum menschlicher Abgründe, die die Drehbuchautoren den verkorksten Superhelden und insbesondere Homelander andichten. Anthony Starr tariert seine Figur, die bei allem Narzissmus und aller Skrupellosigkeit etwas Kindlich-Naives besitzt, haarscharf zwischen Monstrosität und bemitleidenswert-komischer Erbärmlichkeit aus. Mit Stormfront kommt außerdem ein faszinierender Neuzugang hinzu, bei dem es zunächst so aussieht, als würde sie den vom Konzern als menschliche Barbies vermarkteten Superheldinnen Starlight und Maeve emanzipatorische Rückendeckung geben – bis sich dann die wahre Agenda der Figur enthüllt.

Gleichzeitig tut es der Serie gut, dass sie auch die „Boys“ und ihre Verbündeten weiter entfaltet und mit interessanten Brüchen versieht, nicht zuletzt durch die Vorgeschichten einiger Figuren und einer Infragestellung der Führungsrolle von Billy Butcher, wodurch die Positionen der anderen Mitglieder schärfer konturiert werden. Herz bekommt die Serie einmal mehr vor allem durch die Figuren von Hughie und Starlight, die als traurig-desillusionierte Kinder des „American Dream“ schwer an der Verkommenheit und Brutalität der Zustände tragen und um die letzten Reste ihres ramponierten Idealismus ringen.

Hier noch an der Seite von Homelander, aber eigentlich längst dabei, eigene Wege zu gehen: Starlight (© Amazon Inc.)
Hier noch an der Seite von Homelander, aber eigentlich längst dabei, eigene Wege zu gehen: Starlight (© Amazon Inc.)

Die Zeiten sind hart, die Action ist noch härter

Für Zartbesaitete ist die Welt von „The Boys“ auch in Staffel 2 der falsche Ort. Da wird mal eben so ein Häuserblock samt Zivilisten niedergemacht, wenn Stormfront hinter einem Superterroristen her ist, oder kommen neue Figuren ins Spiel, die Köpfe platzen und Menschen in Flammen aufgehen lassen können; und sogar ein unschuldiger Wal muss auf splatter-mäßige Weise dran glauben, als das Tier einem Motorboot der Boys in die Quere kommt. Es sind eben harte Zeiten! Die Qualität von „The Boys“ beruht indes darauf, es nicht beim „Deadpool“-mäßigen Vergnügen einer zynisch-drastischen Dekonstruktion des Superhelden-Genres zu belassen, sondern durchs Genre hindurch den maroden Zuständen eines in der Realität gespaltenen Landes einen kräftigen Tritt zu verpassen.

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