© Alamode (aus "Und morgen die ganze Welt")

Der deutsche „Oscar“-Anwärter steht fest

Donnerstag, 29.10.2020

„Und morgen die ganze Welt“ von Julia von Heinz geht ins Rennen um einen „Oscar“ als bester internationaler Film bei den „Academy Awards“ 2021

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2020 war Corona-bedingt ein verheerendes Jahr für die Filmwirtschaft; auf Eis gelegte Produktionen, verschobene Kinostarts und Kino-Lockdowns beutelten und beuteln die Branche. Trotzdem sind auch unter erschwerten Bedingungen herausragende deutsche Filme erschienen. Von ihnen galt es nun wieder einen zu küren, der als Repräsentant des hiesigen Filmschaffens um einen „Oscar“ als bester internationaler Film konkurrieren soll. Die Jury, der die Entscheidung oblag, entschied sich für „Und morgen die ganze Welt“ von Julia von Heinz. Das Polit-Drama um eine Jurastudentin, die sich in Mannheim einer Antifa-Gruppe anschließt und für die sich bald die Frage stellt, mit welchen Mitteln man rechtsextremer Gewalt begegnen kann, muss und darf, hatte Deutschland im September bereits im Wettbewerb von Venedig vertreten. Die neunköpfige Jury verwies in ihrer Begründung auf die aktuelle Brisanz des Stoffs: „In einer Zeit, in der die Demokratie zunehmend unter Druck gerät, stellt Julia von Heinz die Frage, ob und wenn ja, wann Gewalt gerechtfertigt oder sogar notwendig ist. Getragen von einer herausragenden Hauptdarstellerin, gefilmt in präzisen Bildern, konfrontiert ‚Und morgen die ganze Welt‘ den Zuschauer mit Konflikten und Entscheidungsprozessen, denen wir uns alle nicht entziehen können. Ein persönlicher Film von großer, emotionaler Wucht.“ Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences, die die Preise vergibt, wird nun darüber entscheiden, ob „Und morgen die ganze Welt“ zu den fünf internationalen Filmen gehören wird, die eine Nominierung in der Kategorie „Bester internationaler Film“ bekommen.

Bittere Ironie fürs deutsche Publikum: Der Film startet einen Tag nach seiner Wahl zum deutschen „Oscar“-Anwärter am 29.10. in den Kinos – und wird damit fürs erste nur wenige Tage zu sehen sein, da am Montag, den 2.11., angesichts verschärfter Lockdown-Bedingungen die deutschen Kinos schließen müssen.

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Ins Rennen um die Ehre, Deutschland bei der Konkurrenz um die „Academy Awards“ 2021 zu vertreten, waren zehn Filme gegangen. Zu diesen gehörten u.a. Christian Petzolds „Undine“ sowie Burhan Qurbanis „Berlin Alexanderplatz“, die beide im Wettbewerb der „Berlinale“ 2020 Premiere hatten. Außerdem war mit „Fritzi - Eine Wendewundergeschichte“ auch ein Animationsfilm mit in der Auswahl. Dass nun „Und morgen die ganze Welt“ als deutscher „Oscar“-Anwärter ausgewählt wurde, könnte den Präferenzen der Academy of Motion Picture Arts & Sciences: Der letzte deutsche Film, dem es gelang, einen „Oscar“ als bester nicht-englischsprachiger Film einzuheimsen, war 2007 der Politthriller „Das Leben der Anderen“; und unter den deutschen Filmen, die es immerhin zu einer Nominierung in der Kategorie brachten, waren auffällig oft politische Stoffe wie „Der Untergang“, „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ und „Der Baader Meinhof Komplex“.


Hier die Liste aller Filme, die zur Auswahl standen:

Berlin Alexanderplatz

Crescendo #makemusicnotwar

Curveball

Enfant Terrible

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte

Ich war noch niemals in New York

„Ein nasser Hund“

Undine

Und morgen die ganze Welt“.

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