© Filmperlen (aus „Für Sama“)

„Für Sama“ gewinnt Menschenrechts-Filmpreis

Donnerstag, 29.10.2020

„Für Sama“ gewinnt den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis 2020; die Preisgala am 5. Dezember findet online statt und wird vom Bayerischen Rundfunk übertragen

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Der dokumentarische Debütfilm „Für Sama“ der syrischen Journalistin Waad al-Kateab ist der diesjährige Preisträger des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises 2020, der am 5. Dezember in einer Online-Zeremonie verliehen wird. Der in insgesamt fünf Kategorien ausgelobte Preis ehrt Filme, die sich in besonderer Weise mit den Menschenrechten auseinandersetzen. Mit den Auszeichnungen sollen Filmemacher wie Öffentlichkeit darin bestärkt werden, den Inhalt der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus dem 1948 für die Gegenwart fruchtbar zu machen.

In der Jurybegründung heißt es: „Für Sama“ brilliert durch seinen radikal weiblichen Blick sowie seine Erzählperspektive aus der Sicht einer Kleinfamilie, wie dies in Dokumentarfilmen über den Krieg in Syrien bisher noch nie zu sehen war. „Für Sama“ ist ein zeithistorisch enorm wichtiger, politisch außerordentlich relevanter und hochemotionaler Dokumentarfilm voller Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit. Der Film bezieht Stellung, berührt und rüttelt auf. „Für Sama“ tut weh, sollte aber dennoch von möglichst vielen gesehen werden.“

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Anfangs war es lediglich eine der vielen Formen des Protestes, als die Studentin Waad al-Kateab die fantasievollen Deklamationen gegen das Baath-Regime mit dem Smartphone filmte. Als die friedlichen Kundgebungen von der Assad-Regierung jedoch zunehmend militärisch erstickt zu werden drohten, drehte Waad al-Kateab einfach weiter und dokumentierte die Belagerung Aleppos mit der Videokamera. In dieser Zeit lernte sie ihren späteren Ehemann Hamza kennen, der sich als Arzt um Verletzte kümmerte. Beide heirateten und bekamen eine Tochter; im Dezember 2017 flohen sie Richtung Türkei, wo ihre zweite Tochter zur Welt kam. Mit Hilfe des britischen Senders Channel 4 News entstand aus dem Filmmaterial zunächst eine Serie mit dem Titel „Aleppo Inside“ (2017). Nach ihrer Emigration nach England stellte Waad al-Kateab zusammen mit dem englischen Dokumentaristen Edward Watts den Dokumentarfilm „Für Sama“ zusammen, der eine komplett andere Perspektive auf das Geschehen wirft. Denn „Für Sama“ ist eine Art Liebesbrief der jungen Mutter Waad al-Kateab an ihre Tochter. Über einen Zeitraum von fünf Jahren schildert sie darin ihr Leben im aufständischen Aleppo, wie sie sich verliebt, heiratet und Sama zur Welt bringt, während um sie herum der Bürgerkrieg immer verheerendere Zerstörung anrichtet. Ihre Kamera zeigt berührende Episoden von Verlust, Überleben und Lebensfreude inmitten des Leids.

Preisträgerin Waad al-Kateab (© Filmperlen)
Preisträgerin Waad al-Kateab (© Filmperlen)

Preisträger der weiteren Kategorien

Die Preisträger in den anderen Kategorien sind „Ab 18! – Die Tochter von…“ (Regie: Joakim Demmer, Verena Kuri, Chiara Minchio, bis 5.11. noch in der 3sat-Mediathek). Der Kurzfilm erzählt von einer jungen Frau aus Argentinien, die bei ihrer Oma und unter Polizeischutz aufwuchs, weil ihre Mutter entführt wurde. Erst als Heranwachsende gelingt es ihr, den behütenden Kokon zu verlassen und in der Universitätsstadt Córdoba ein eigenes Leben zu beginnen. Die Jury beeindruckte dabei vor allem die dokumentarische Machart des Films, „der sich der starken Protagonistin als Taktgeberin“ unterordnet.

In den Kategorien „Hochschule“ wie „Bildung“ wurde die Satire „Mazel Tov Cocktail“ (derzeit zu sehen in der arte-Mediathek) von Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch gleich doppelt ausgezeichnet, in der sich ein junger Jude bei einem anderen Jungen entschuldigen soll, weil er ihn geschlagen hat. Auf dem Weg dorthin gerät er ständig in Situationen, in denen es ein Problem auszuhandeln gibt. Der Preis in der Kategorie „Non Professional“ geht an „Just. Another. Month“ der Studentinnen Charlotte Weinreich und Rosa-Lena Lange, die sich in Namibia mit der Stigmatisierung der Menstruation und den daraus resultierenden Folgen beschäftigen.

Alle Preisträgerfilme werden – derzeit unter Corona-Bedingungen – in einer „Langen Nacht des Menschenrechtsfilms“-Tournee in den deutschsprachigen Ländern ins Kino kommen; nähere Informationen wie auch viele andere Hinweise finden sich auf der Website des Menschenrechts-Filmpreises. Die Zeremonie der Preisverleihung am 5. Dezember um 19 Uhr wird über die Internetkanäle des Bayerischen Rundfunks, BR-Kulturbühne und BR-Capriccio, live gestreamt.

Träger des Menschenrechts-Filmpreises sind aktuell 21 Organisationen der Zivilgesellschaft, zu denen nicht nur Amnesty International, Pro Asyl oder der Deutsche Anwaltsverein gehören, sondern auch konfessionelle Träger wie die Katholischen Medienzentralen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände.

„Mazel Tov Cocktail“ (© SWR/Filmakademie Baden-Württemberg)
„Mazel Tov Cocktail“ (© SWR/Filmakademie Baden-Württemberg)

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