© Mubi (aus „Tideland“)

MUBI im November

Mittwoch, 04.11.2020

Das Programm des Arthouse-Streamingdienstes im November 2020

Diskussion

Ein „Spotlight on G.W. Pabst“ würdigt einen der großen Regisseure des Kinos der Weimarer Republik; außerdem zeigt der Arthouse-Streamingdienst mit „The Juniper Tree“ einen frühen Filmauftritt von Sängerin Björk und mehrere Filme, die sich in engerem und weiterem Sinn mit Tod und Sterben befassen.


Mit Allerseelen am 2.11. und dem Volkstrauertag am 15.11. ist der November traditionell mit dem Totengedenken verbunden; der sich anbahnende Winter und die dunkler werdenden Tage befördern offensichtlich, dass sich der Blick auf die Endlichkeit des Daseins richtet. MUBI hat passend dazu einige Filme unter seinen November-Neustarts, die das Thema umspielen. Der wahrscheinlich seltsamste darunter ist „Cemetery“, eine Arbeit des spanischen Künstlers und Filmemachers Carlos Casas: Ein Elefant und sein Elefantenführer sind auf dem Weg zu einem sagenhaften Friedhof der Dickhäuter; Wilderer, die hinter Elfenbein her sind, sind ihnen auf der Spur – doch dann nimmt die Reise immer mehr metaphysische Züge an; die festen Konturen und Grenzen von Pflanzen, Tieren und Landschaft verschwimmen.

Ähnlich vom Konkreten ins Anderweltliche changiert ein Film von Terry Gilliam aus dem Jahr 2005, der mit im MUBI-Angebot ist: In „Tideland“ bleibt ein kleines Mädchen nach dem Tod seiner Eltern allein in einer kargen Landschaft zurück, die mitsamt ihren wunderlichen Bewohnern mehr und mehr (alb-)traumhafte Züge annimmt. Konventioneller in der Thematisierung von Trauer und Verlust geht da der Film „Die Zeit, die uns noch bleibt“ (2007) zu Werk, den MUBI ebenfalls im November zeigt: Regisseur Anand Tucker inszeniert ein Drama um ein Vater-Sohn-Gespann (Jim Broadbent, Colin Firth), das sich dem nahenden Krebstod des Vaters stellen muss.

Außerdem kommen bei MUBI einmal mehr die Klassiker nicht zu kurz. Ein „Spotlight“ gilt diesmal dem deutschen Regisseur G.W. Pabst, dem neben Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang und Ernst Lubitsch wohl prominentesten Regisseur des Weimarer Kinos. MUBI zeigt seine Variation von „Die Dreigroschenoper“ sowie das Drama „Kameradschaft“, beides entstanden 1931.


        Das könnte Sie auch interessieren:

Eine der abseitigeren Wiederentdeckungen, die MUBI im November präsentiert, ist der Film „The Juniper Tree“ aus dem Jahr 1990 der isländischen Regisseurin Nietzchka Keene: Das in Schwarz-weiß gedrehte, in einem fiktiven Mittelalter spielende düstere Märchen um Hexerei, zwei Schwestern und einen unglückseligen Todesfall war der erste Filmauftritt der Sängerin Björk, die damals noch nicht ihre Solokarriere gestartet hatte, sondern erst wenige Jahre zuvor mit der Band Sugarcubes bekannt geworden war.

„Kameradschaft“ (© Neue Filmkunst)
„Kameradschaft“ (© Neue Filmkunst)

An „Exclusives“ zeigt MUBI im November u.a. einen Kurzfilm des griechischen Filmemachers Yorgos Lanthimos: „Nimic“ feierte in Locarno Premiere und rollt in nur 12 Minuten eine Art Micro-Thriller auf: Die Begegnung eines Cellisten mit einem Fremden in einer U-Bahn hat weitreichende Folgen. Der Film ist prominent besetzt mit Matt Dillon.

Und damit in der November-Dunkelheit die Stimmungsaufheller nicht zu kurz kommen, sind auch einige Komödien bei MUBI am Start. So zum Beispiel ein skurriler Fall von „Seelenwanderung“, den Carl Reiner 1984 mit der Steve-Martin-Komödie „Solo für 2“ inszenierte: Eine zum Tod verdammte exzentrische Millionären rettet ihre Seele in den Körper eines Architekten hinüber, der indes seine körperliche Hülle auch noch in Anspruch nimmt, sodass ihm nun im wahrsten Wortsinn zwei Seelen in der Brust wohnen, was natürlich zu allerlei Chaos führt.


Die MUBI-Starts für den Monat November im Überblick:

1.11.: Trockenschwimmen (2016; R: Susanne Kim)

2.11.: RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit (2018; R: Betsy West & Julie Cohen)

3.11.: Profit Motive and the Whispering Wind (Doku; 2007; R: John Gianvito)

4.11.: Ganze Tage zusammen (Kurzfilm; 2019; R: Luise Donschen)

5.11.: Kameradschaft (1931; R: G.W. Pabst)

6.11.: Die Zeit, die uns noch bleibt (2007; R: Anand Tucker)

7.11.: Tideland (2005; R: Terry Gilliam)

8.11.: Bronson (2008; R: Nicolas Winding Refn)

9.11.: Nova Lituania (2019; R: Karolis Kaupinis)

10.11.: In Gefahr und höchster Not bringt der Mittelweg den Tod (1974; R: Alexander Kluge, Edgar Reitz)

11.11.: Null Motivation – Willkommen in der Armee! (2014; R: Talya Lavie)

12.11.: Die Dreigroschenoper (1931; R: G.W. Pabst)

13.11.: Romance & Cigarettes (2005; R: John Turturro)

14.11.: The Producers (1967; R: Mel Brooks)

„The Producers“ (© StudioCanal)
„The Producers“ (© StudioCanal)

15.11.: The Place Beyond the Pines (2012; R: Derek Cianfrance)

16.11.: Solo für 2 (1984; R: Carl Reiner)

17.11.: Menschen am Sonntag (1930; R: Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer)

18.11.: Cemetery (2019; Carlos Casas)

19.11.: Schau mich nicht so an (2015; R: Uisenma Borchu)

20.11.: Locke (2013; R: Steven Knight)

21.11.: The Juniper Tree (1990; R: Nietzchka Keene)

22.11.: Der ewige Gärtner (2005; R: Fernando Meirelles)

23.11.: Marlina – Die Mörderin in vier Akten (2017; R: Mouly Surya)

24.11.: La Lisière – Am Waldrand (2010; R: Géraldine Bajard)

25.11.: Overseas (2019; R: Yoon Sung-A)

26.11.: Deutschland im Jahre Null (1948; R: Robert Rossellini)

„Deutschland im Jahre Null“ (© StudioCanal)
„Deutschland im Jahre Null“ (© StudioCanal)

27.11.: Nimic (Kurzfilm; 2019; R: Yorgos Lanthimos)

28.11.: Nichts zu verzollen (2010; R: Dany Boon)

29.11.: Micmacs (2009; R: Jean-Pierre Jeunet)

30.11.: Der Perlmuttknopf (2015; R: Patricio Guzmán)

Kommentar verfassen

Kommentieren