© Verband der deutschen Filmkritik (Porträts von Esther Buss & Dietmar Dath)

Siegfried Kracauer Preis 2020

Donnerstag, 12.11.2020

Esther Buss und Dietmar Dath sind die Gewinner des Siegfried Kracauer Preis 2020

Diskussion

Die Verleihung der Siegfried Kracauer Preis 2020 schrumpfte in diesem Pandemie-Jahr auf eine Presseerklärung mit Podcast. Preisträger sind Esther Buss (Stipendium 2020/21) und Dietmar Dath (Beste Filmkritik). Der vom Verband der deutschen Filmkritik ins gerufene und von der Film- und Medienstiftung NRW sowie der MFG Filmförderung Baden-Württemberg gestiftete Preis wurde in diesem Jahr erstmals auch von der Mitteldeutschen Medienförderung unterstützt.


Als der Verband der deutschen Filmkritik (VdFK) die beiden Filmförderer aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg 2014 dafür gewann, den Siegfried Kracauer Preis für die „Beste Filmkritik“ und ein Jahresstipendium auszuloben, hatten nur die wenigsten daran geglaubt, dass sich aus dieser Initiative ein nachhaltiger Fokus für die öffentliche Wahrnehmung von Filmkritik entwickeln würde. Doch die Preise strahlen über die Branche im engen Sinne hinaus und rücken die Filmkritiker für Momente ins Scheinwerferlicht, damit ihre Wortkunst einmal nicht den bewunderten oder kritisierten Werken gilt, sondern ihrerseits bewundert, bejubelt und wertgeschätzt wird.

Eines der herbstlichen Filmfestivals in den beteiligten Bundesländern, zu denen künftig durch die Mitteldeutsche Medienförderung als neuer Förderer auch das Land Sachsen hinzukommt, präsentiert normalerweise die beiden Preisträger und gibt dem Preis einen festlichen Rahmen. Doch in dem Jahr hat die Pandemie alle Planungen über den Haufen geworfen; statt einer Feier im Rahmen des Filmfest Lünen gibt es einen schmucklosen Verwaltungsakt aus der Pressemittteilung und einem Podcast zusammenschnurren lässt.

Das ist nicht schön, tut der Freude und der Würdigung aber keinen Abbruch. Der Siegfried-Kracauer-Preis 2020 für die „Beste Filmkritik“ geht demnach an den Journalisten Dietmar Dath für seine Rezension zu „Terminator: Dark Fate“, die unter dem Titel „Killermaschinistinnen vor!“ in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschienen ist. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Das Siegfried Kracauer Stipendium für das Jahr 2020/21 in Höhe von 12.000 Euro erhält die Filmkritikerin Esther Buss, die eine sechsteilige Artikelserie zum Thema „Zukunft des Kinos“ sowie einen regelmäßigen Blog verfassen wird, die beim Medienpartner filmdienst.de erscheinen.

In der Kategorie „Beste Filmkritik“ waren 2020 auch die Beiträge der Filmkritik Robert Lorenz („All About Eve“, Philipp Stadelmeier („Synonymes“), Daniel Eschkötter („Roubaix, une lumíere“) und Andreas Busche („Gitarrensolo für Johanna“) nominiert.

Insgesamt hatten sich über 100 Filmkritiker*innen für den Siegfried Kracauer Preis 2020 beworben. Die Nominierungen zur „Besten Filmkritik“ erfolgten nach einer anonymen Auswertung der eingereichten Texte. Die Jury bestand in diesem Jahr aus der Produzentin Melanie Andernach, dem Regisseur Jan Bonny und dem Filmkritiker Till Kadritzke, dem Gewinner des Siegfried Kracauer Stipendiums 2019/20.

Der Gewinner der „Besten Filmkritik“ Dietmar Dath beeindruckte die Jury „durch eine besondere sprachliche und sinnliche Qualität, die einen bleibenden Eindruck des Films „Terminator: Dark Fate“ vermittelt und gleichzeitig über die politische Gegenwart nachdenken lässt“. Dies gelänge Dath nicht nur durch die „gleichermaßen souveräne wie waghalsig subjektive Einordnung des Werks in gesellschaftliche und filmhistorische Zusammenhänge“, sondern auch durch den Charakter einer eigenen literarischen Form, so die Jurybegründung. Durch sein Stakkato, seine Rissigkeit, seine Ellipsen, Assoziationen und Sprünge nähere sich die Filmkritik dem Dramatischen und dem Körperlichen des Films.

Mit der künftigen Stipendiatin Esther Buss würdigte die Jury eine „erfahrene und versierte Filmkritikerin, die stets einen sensiblen Blick für die Eigenheiten eines Films an den Tag legt, und deren Sprache so elegant wie uneitel ist.“ In ihrer Essayreihe zum Thema „Das Kino, die Wirklichkeit und ich: Autobiografisches und -fiktionales filmisches Erzählen“ erkennt die Jury „ein ebenso cinephiles wie zeitkritisches Vorhaben, das ganz im Geiste Siegfried Kracauers einen genauen Blick auf das Kino für eine Auseinandersetzung mit der Welt fruchtbar machen will“.

Die nach dem Filmtheoretiker Siegfried Kracauer benannte Auszeichnung wird jährlich vergeben. Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg, die Film- und Medienstiftung NRW und die Mitteldeutsche Filmförderung MDM stiften den Preis gemeinsam.

Die meisten Texte der im Rahmen der Siegfried-Kracauer-Stipendiums entstandenen Essays und Blogs finden sich auf film-dienst.de


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