© SWR/ORF/Lotus Film/Zeitsprung Pictures/Felipe Kolm

Einer wie Erika

Freitag, 13.11.2020

Die Lebensgeschichte von Ski-Ass Erika/Erik Schinegger - bis 2.12. in der ARD Mediathek

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Das österreichische Drama von Reinhold Bilgeri greift eine reale Geschichte auf: 1966 wurde die 18-jährige Österreicherin Erika Schinegger Ski-Weltmeisterin im Abfahrtslauf – doch nur ein Jahr später bestätigte sich im Vorfeld der Olympischen Winterspiele, was Erika selbst längst vermutete: Er ist genetisch gesehen ein Mann, geboren mit einer seltenen Anomalie: Penis und Hoden sind nach innen gewachsen; deswegen wurde er nach der Geburt von der Hebamme als Mädchen eingestuft und von den Eltern – Bauern aus Kärnten - auch so erzogen. In einer Zeit, in der ein binäres Geschlechterverständnis noch in allen Köpfen ist, wird es ihm freilich nicht leicht gemacht, seine Identität, nachdem diese entdeckt ist, zu leben – schon gar nicht in der Welt des Leistungssports.

Der Film, der mittels Rückblenden Schineggers Leben von der Kindheit an aufrollt, beleuchtet sensibel den Kampf eines intersexuellen Menschen, dessen Selbstentfaltung angesichts ignoranter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen massiv gestört wird. Im Sport findet Erika/Erik zunächst ein Ventil, um die Verunsicherung angesichts des eigenen Körpers zu verdrängen, später nach der Entdeckung der wahren sexuellen Identität droht allerdings gerade der sportliche Erfolg bzw. das Rampenlicht, in das er ihn katapultiert hat, Erik in neue Nöte zu bringen, weil der Skiverband versucht, ihn in eine Rolle zurück zu drängen, die er nicht länger spielen will. Ein spannend-ergreifender Beitrag zum Thema Intersexualität und zu Intoleranz, Bigotterie und Sprachlosigkeit im gesellschaftlichen Umgang damit.

Hier geht es zum Film in der ARD Mediathek

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