© Shayne Laverdière/Sons of Manual

Einfach das Ende der Welt (arte)

Donnerstag, 10.06.2021

23.6., 20.15-21.50, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

Diskussion

Ein Mann kehrt heim. Zwölf Jahre hat Louis (Gaspard Ulliel) niemanden von seiner Familie gesehen, der Kontakt war auf Postkarten beschränkt. Nun aber hat sich der erfolgreiche Schriftsteller auf den Weg nach Hause gemacht, „dorthin, wo es wehtut“, wie es im Song der französischen Musikerin Camille zu Anfang des Films heißt. Die Distanz zu seinen Wurzeln ist bei dem Mittdreißiger offensichtlich. „Ich reise, um meinen Tod anzukündigen“, ist seine Offenbarung, die verrät, dass ein Autor hier versucht, auch in seinem Leben die Dramaturgie zu bestimmen. Es gilt, den Anschein von Kontrolle zu bewahren. Doch man kann sich in den Werken des jungen Kanadiers Xavier Dolan stets darauf verlassen, dass ein allumfassender Kontrollverlust nur eine Frage der Zeit ist.

Zuhause angekommen, muss Louis seine Pläne, der Familie von seiner tödlichen Krankheit zu erzählen, erst einmal aufschieben, als er zum Spielball zänkischer Streitereien wird: Auch die anderen Familienmitglieder haben reichlich unausgesprochene Gefühle angestaut, die nun peu à peu nach außen dringen. Xavier Dolan gelingt ein intensives, auf wenige Stunden konzentriertes Drama, das sich am brodelnden innerfamiliären Konfliktpotenzial spannungsvoll abarbeitet und die hitzigen Dialogwechsel in fragmentarische Einstellungen auflöst. Bei aller Wucht der Auseinandersetzungen und der Intensität von Inszenierung und Darstellern (u.a. Natalie Baye, Marion Cottilard, Léa Seydoux und Vincent Cassel) hält der Film aber auch Momente der Entspannung und des Trostes bereit. - Sehenswert ab 16.

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