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Ganz Kind. Ganz Herz. Zum Tode von Richard Donner

Dienstag, 06.07.2021

Am 5. Juli ist der Hollywood-Regisseur Richard Donner verstorben, der mit Erfolgsfilmen wie „Superman“, „Die Goonies“ und „Lethal Weapon“ das Blockbusterkino mit aus der Taufe hob

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Der Fernseh- und Filmemacher Richard Donner hat sich zu Lebzeiten durch die Etablierung zukunftsweisender Arbeitsweisen in Film und Fernsehen wie auch mit populären Superhelden- oder Actionfilmen einen Namen gemacht. Nun ist der als „bester Handwerker Hollywoods“ prämierte Filmemacher am 5. Juli 2021 im Alter von 91 Jahren verstorben.


Als Richard Donner in den 1970er-Jahren anfing, Filme für das Kino zu drehen, war er schon ein erfahrener Serien-Regisseur im US-amerikanischen Fernsehen. Er hatte Krimi-Episoden von „Perry Mason“, „Die Straßen von San Franzisco“, „Kojak“, vor allem aber für die fantastischen Fälle aus den Grenzbereichen der menschlichen Wahrnehmung in „The Twilight Zone“ inszeniert. Und so machte er 1976 weiter, mit dem Gruselklassiker „Das Omen“, in dem ein kleiner Junge kein geringerer als der Sohn des Teufels ist, der am Ende vielversprechend in die Kamera grinst. Dieser ebenso umstrittene wie extrem erfolgreiche Film blieb in Donners Werk ein Einzelstück; er drehte die anvisierte Fortsetzung nicht mehr. Denn als erster und vor allen anderen hatte er entdeckt, dass die überaus beliebten Superhelden-Comics ein idealer Stoff sind, aus dem publikumsaffine Realfilme gemacht werden können.


Inspiration einer ganzen Filmemacher-Generation

Heute ist das der erfolgreiche Mainstream unter den Kassenknüllern; so sehr, dass man glauben könnte, etwas anderes gibt es gar nicht mehr. Doch 1978 markierte „Superman mit Christopher Reeves in der Titelrolle und Marlon Brando als dessen Urvater Jor-El nicht nur die Geburt des Genres, sondern war neben „Der weiße Hai“ und „Krieg der Sterne“ einer der Filme, die das Konzept des Blockbusters in Hollywood etablierten.

Dabei stand Donner, das Kind des Fernsehens, mit seinen familienfreundlichen Grundregeln und seiner sanften, allgemeinverständlichen Action-Dramaturgie Seite an Seite mit der neuen Generation von Filmemachern wie Steven Spielberg und George Lucas, die damals die Form des Unterhaltungsfilms neu definierten. „Mit ihm Zeit zu verbringen war, als arbeite man mit seinem Lieblingstrainer, dem klügsten Professor, dem wildesten Motivator, dem liebenswertesten Freund und treusten Verbündeten zusammen“, sagte Spielberg. Als Freund und Verbündeter drehte Donner nach einer Geschichte von Spielberg 1985 einen seiner größten Erfolge, den Jugendabenteuerfilm „Die Goonies", der heute noch wie eine kinderfreundliche Variante von „Jäger des verlorenen Schatzes“ wirkt. Zu dieser Zeit muss ihm der Grundansatz seiner tatsächlich größten Erfolgsserie schon im Kopf herumgespukt haben: „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis.

Kultfilm: "Die Goonies" (© Warner)
Kultfilm: "Die Goonies" (© Warner)

Weichensteller des modernen Buddy-Actionfilms

Mel Gibson und Danny Glover bilden in vier Filmen ein ungewöhnlich verrücktes, knallhartes Kumpelduo im Polizeidienst. Gibsons „Riggs“ kugelt sich manchmal absichtlich die Schulter aus, um umso gestählter zurückzukommen, während Glovers „Murtaugh“ noch familienfreundlich an der nächsten Dachkonstruktion seines Hauses herumhämmert. Sie nehmen es mit der Mafia und anderen skrupellosen Killern auf und hauen zugleich die Oneliner-Scherze im Sekundentakt heraus.

Die im Comic-Stil übertriebene Gewalt des Films ist nur deshalb denkbar, weil sie mit Humor abgefedert wird, was zu einer Grundregel künftiger Actionfilme wurde. Für Mel Gibson definierte diese Rolle außerdem seine Kinopersönlichkeit als verletzlicher, aber gewitzter Held so sehr, dass Donner 1994 mit „Maverick – den Colt am Gürtel, ein Ass im Ärmel - einer Paraphrase auf die gleichnamige Fernsehserie, an der Donner noch mitgearbeitet hatte - diese Figur noch einmal in ein völlig anderes Ambiente versetzen konnte.

Richard Donner sah sich nie als Filmkünstler, aber er war einer der besten Handwerker der Filmmetropole Hollywood seit den 1970er-Jahren. Schließlich kam er aus der Bronx. Da galten Weisheiten ohnehin nicht viel. Weniger jedenfalls als Freundschaften. Die besonders freundschaftlichen Bande zu Steven Spielberg hat er beispielsweise bis zuletzt gepflegt. Weswegen gerade Spielberg die prägnanteste Zusammenfassung seines Lebens gelungen ist. Seine Trauer bekundend, schreibt er: „Er war ganz Kind. Ganz Herz. Die ganze Zeit.“

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