© El Deseo (aus "Madres paralelas")

Die Stars kehren an den Lido zurück

Mittwoch, 01.09.2021

Heute eröffnet das 78. Filmfestival in Venedig. Die Stars kehren an den Lido zurück

Diskussion

Beim 78. Filmfestival in Venedig (1.-11-9.), das heute startet, konkurrieren neue Filme von Pedro Almodóvar, Jane Campion, Paul Schrader und Paolo Sorrentino um den „Goldenen Löwen“. Das Wettbewerbsprogramm ist deutlich Star-lastiger aus im Corona-Jahr 2020. Außer Konkurrenz feiern Prestige-Filme wie Ridley Scotts „The Last Duel“, Denis Villeneuves „Dune“ und Edgar Wrights „Last Night in Soho“ Premiere.


Vor einem Jahr hatte viele Filmstars das Festival in Venedig gemieden, auch weil die Hollywood-Studios viele Prestige-Projekte auf Eis gelegt hatten. Am Lido fehlten deshalb die Filme, die für den Glamour auf den roten Teppich sorgen. 2021 ist die Pandemie zwar noch nicht überwunden, doch es ist damit zu rechnen, dass viele namhafte Schauspieler bei den Premieren ihrer Filme anwesend sind: Benedict Cumberbatch und Kirsten Dunst, Penélope Cruz und Antonio Banderas, Tim Roth und Charlotte Gainsbourg, Kristen Stewart und Olivia Colman, Oscar Isaac und Willem Dafoe – die 78. „Mostra internationale dell‘arte cinematografico“ verspricht sich einmal mehr mit einem Who’s Who der Stars zu schmücken.

Star-Power: Außer Konkurrenz läuft am Lido auch "Dune" mit Jungstar Timothée Chalamet (© Warner Bros.)
Star-Power: Außer Konkurrenz läuft am Lido auch "Dune" mit Timothée Chalamet (© Warner Bros.)

Neue Werke von Almodóvar, Sorrentino, Schrader und Larraín

Auch was die bekannten Regie-Namen angeht, zieht die „Mostra“ lässig mit dem dieses Jahr in den Sommer verschobenen Festival in Cannes gleich. Pedro Almodóvar eröffnet das Festival am 1. September mit dem Film „Madres paralelas“, der Geschichte zweier Frauen, die am selben Tag ein Kind auf die Welt bringen – laut Festival-Chef Albert Barbera „ein intensives und sensibles Porträt zweier Frauen, die mit einer Schwangerschaft mit unvorhersehbaren Konsequenzen kämpfen; ein Film über Solidarität unter Frauen und Sexualität, die völlig freizügig und ohne Heuchelei gelebt wird“.

Neben ihm wird unter anderem der legendäre Drehbuchautor und Regisseur Paul Schrader an den Lido zurückkehren, nachdem er zuletzt 2017 mit dem Drama „First Reformed“ einen der stärksten Wettbewerbsbeiträge des Festivals geliefert hatte. Im Zentrum seines neuen Films „The Card Counter“ steht ein ehemaliger Soldat und jetziger Pokerspieler (Oscar Isaac), der zusammen mit einem Nachwuchsspieler (Tye Sheridan) anvisiert, die „World Series of Poker“ in Las Vegas zu gewinnen.

Der Chilene Pablo Larraín kehrt nach „Jackie“ über Jackie Kennedy mit einem weiteren Film um eine prominente Frauenfigur des 20. Jahrhunderts in den Wettbewerb zurück; „Spencer“ kreist um Lady Di (Kristen Stewart) und einen Weihnachtsurlaub im Jahr 1991, in dem die Prinzessin beschließt, ihre Ehe mit Prinz Charles zu beenden. Besonders reichlich vertreten sind – da ist die „Mostra“ wieder ganz patriotisch, die italienischen Filmemacher (Mario Martone, Gabriele Mainetti, Paolo Sorrentino, Fabio & Damiano D’Innocenzo und Michelangelo Frammartino); aber auch Frankreich ist mit Stéphane Brize, Audrey Diwan und Xavier Giannoli gut vertreten.

Italienischer löwen-Anwärter: "The Hand of God" von Paolo Sorrentino (© Netflix)
Italienischer Löwen-Anwärter: "The Hand of God" von Paolo Sorrentino (© Netflix)

Regisseurinnen im Wettbeweb

Audrey Diwan, eine der nur fünf Regisseurinnen im Wettbewerb – 21 Filme sind es insgesamt – legt mit „L’événement“ einen Film hin, der sich mit dem nach wie vor heftig umstrittenen Thema Abtreibung auseinandersetzt, in Form eines in die 1960er zurückschauenden Dramas um eine junge Studentin (Anamaria Vartolomei), die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet. Außerdem ist die iranisch-stämmige US-Regisseurin Ana Lily Amirpour, die zuletzt mit dem krassen Endzeit-Film „The Bad Batch“ in Venedig war, mit einer neuen Arbeit zurück: „Mona Lisa and the Blood Moon“ bewegt sich einmal mehr in Amirpours bevorzugtem Genre, dem Horresk-Fantastischen, und erzählt von einer jungen Frau mit besonderen Kräften, die aus einem Irrenhaus ausbricht.

Mit einem Langfilm-Regiedebüt ist Hollywoodstar Maggie Gyllenhaal dabei; ihr Film „The Lost Daughter“ ist eine Adaption des Romans „Die Geschichte des verlorenen Kinds“ von Erfolgsautorin Elena Ferrante, des Abschlusses ihrer „Neapolitanischen Saga“. Die russische Regisseurin Natascha Merkulowa, die zuletzt 2018 zusammen mit ihrem Regie-Partner Alexej Tschupow mit „The Man Who Surprised Everyone“ in der Orizzonti-Sektion in Venedig für Aufsehen sorgte, steuert (wieder in Zusammenarbeit mit Tschupow) den Film „Captain Volkonogov Escaped“ bei, einen Film um einen Offizier der berühmt-berüchtigten Sowjet-Staatssicherheitsbehörde NKVD, der Ende der 1930er-Jahre Buße tun muss, als er selbst zum Verbrecher erklärt wird, vor der Verhaftung fliehen muss und obendrein von einem jenseitigen Boten in Aussicht gestellt bekommt, dass er nur noch einen Tag zu leben habe und danach schnurstracks in die Hölle zu fahren droht.


Netflix einmal mehr mit Löwen-Chancen

Die wohl prominenteste der Regie-Damen im Wettbewerb ist die Australierin Jane Campion. Sie wird mit dem Drama „The Power of the Dog“ am Lido sein, einem Neo-Western um zwei Brüder (Benedict Cumberbatch, Jesse Plemons), denen eine große Ranch in Montana gehört und die zu Rivalen werden. Der Film wird von Netflix vertrieben; der Streamingdienst, der mit „Roma“ 2018 den Preisträger des „Goldenen Löwen“ lieferte, ist also einmal mehr prominent vertreten, zumal er außerdem den prestigeträchtigsten der italienischen „Löwen“-Anwärter präsentiert, Paolo Sorrentinos neuen Film „È stata la mano di Dio“. Was genau die titelgebende Hand Gottes in dem Film anstellt, lässt der Regisseur bisher im Vagen; es soll aber, wie Sorrentino verlauten ließ, ein „sehr intimer, persönlicher Film“ werden. Mit dabei ist einmal mehr Schauspieler Toni Servillo, der auch in Sorrentinos „La grande bellezza“ spielte.

Auch außer Konkurrenz wartet die „Mostra“ mit diversen Highlights auf. So präsentiert das Festival einige der derzeit wohl meisterwarteten Hollywood-Highlights, Denis Villeneuves Science-Fiction-Epos „Dune“, Ridley Scotts „The Last Duel“ (in dem Matt Damon und Adam Driver vor der Kamera stehen) sowie „Last Night in Soho“ von „Baby Driver“-Regisseur Edgar Wright, der kurz vorher beim Filmfestival in Toronto seine Premiere hat und eine Zeitreise ins London der Swinging Sixties unternimmt. Und „Scream Queen“ Jamie Lee Curtis, die neben Regisseur Roberto Benigni Preisträgerin des „Goldenen Löwen“ für ein Lebenswerk sein wird, wird einmal mehr in einem neuen „Halloween“-Teil – „Halloween Kills“ von David Gordon Green – Killer Michael Myers Paroli bieten.


Serienspecial

Im einzigen Serien-Special der „Mostra“ gibt es außerdem ein neues Projekt des renommierten israelischen Showrunners Hagai Levi zu sehen, der mit „Be Tipul“ und „In Treatment“ Fernsehgeschichte geschrieben hat: Die HBO-Serie Scenes From a Marriage wagt sich an eine Neuadaption von Ingmar Bergmans legendären „Szenen einer Ehe“; in den Hauptrollen sind Oscar Isaac und Jessica Chastain zu sehen.

"Scenes From a Marriage" (© HBO)
"Scenes From a Marriage" (© HBO)

Die „Mostra“ kämpft also wie schon das diesjährige Filmfestival in Cannes darum, 2021 wieder zu alter Form aufzulaufen – zumindest was das Programm betrifft. Ob vom 1. bis 11. September am Lido der gleiche Trubel herrschen wird wie sonst, darf allerdings bezweifelt werden; auch mit Hygiene-Regeln und Einschränkungen werden die wachsenden Corona-Zahlen das Festival und seine Gäste in Atem halten.


Das Filmprogramm im Überblick:


VENEZIA 78 – Wettbewerb

Madres Paralelas (Regie: Pedro Almodovar)

Mona Lisa And The Blood Moon (Regie: Ana Lily Amirpour)

Un Autre Monde (Regie: Stéphane Brizé)

The Power Of The Dog (Regie: Jane Campion)

America Latina (Regie: Damiano D’Innocenzo, Fabio D’Innocenzo)

L’Evénement (Regie: Audrey Diwan)

Competencia Oficial (Regie: Gaston Duprat, Mariano Cohn)

Il Buco (Regie: Michelangelo Frammartino)

Sundown (Regie: Michel Franco)

Illusions Perdues (Regie: Xavier Giannoli)

The Lost Daughter (Regie: Maggie Gyllenhaal)

Spencer (Regie: Pablo Larrain)

Freaks Out (Regie: Gabriele Mainetti)

Qui Rido Io (Regie: Mario Martone)

On The Job: The Missing 8 (Regie: Erik Matti)

Leave No Traces (Regie: Jan P Matuszynski)

Captain Volkonogov Escaped (Regie: Natasha Merkulova, Alexej Tschupow)

The Card Counter (Regie: Paul Schrader)

The Hand Of God (Regie: Paolo Sorrentino)

La Caja (Regie: Lorenzo Vigas)

Reflection (Regie: Valentyn Vasyanovych)


Außer Konkurrenz - Spielfilme

Il Bambino Nascosto (Regie: Roberto Ando)

Les Choses Humaines (Regie: Yvan Attal)

Ariaferma (Regie: Leonardo Di Costanzo)

Halloween Kills (Regie: David Gordon Green)

La Scuola Cattolica (Regie: Stefano Mordini)

Old Henry (Regie: Potsy Ponciroli)

The Last Duel (Regie: Ridley Scott)

Dune (Regie: Denis Villeneuve)

Last Night In Soho (Regie: Edgar Wright)


Außer Konkurrenz – Dokumentarisches

Life Of Crime 1984-2020 (Regie: Jon Alpert)

Tranchées (Regie: Loup Bureau)

Viaggio Nel Crepuscolo (Regie: Augusto Contento)

Republic Of Silence (Regie: Diana El Jeiroudi)

Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song (Regie: Daniel Geller, Dayna Goldfine)

Deandré#Deandré – Storio Di Un Impiegato (Regie: Roberta Lena)

Django & Django (Regie: Luca Rea)

Ezio Bosso. Le Cose Che Restano (Regie: Giorgio Verdelli)


Außer Konkurrenz – Serie

Scenes From A Marriage (Episodes 1-5) (Regie: Hagai Levi)


Außer Konkurrenz- Kurzfilme

Plastic Semiotic (Regie: Radu Jude)

The Night (Regie: Tsai Ming-liang)

Sad Film (Regie: Vasili)


Orizzonti

Les Promesses (Regie: Thomas Kruithof)

Atlantide (Regie: Yuri Ancarani)

Miracle (Regie: Bogdan George Apetri)

Pilgrims (Regie: Laurynas Bareisa)

Il Paradiso Del Pavone (Regie: Laura Bispuri)

The Falls (Regie: Chung Mong-Hong)

El Hoyo En La Cerca (Regie: Joaquin Del Paso)

Amira (Regie: Mohamed Diab)

A Plein Temps (Regie: Eric Gravel)

107 Mothers (Regie: Peter Kerekes)

Vera Dreams Of The Sea (Regie: Kaltrina Krasniqi)

White Building (Regie: Kavich Neang)

Anatomy Of Time (Regie: Jakrawal Nilthamrong)

El Otro Tom (Regie: Rodrigo Pla, Laura Santullo)

El Gran Movimento (Regie: Kiro Russo)

Once Upon A Time In Calcutta (Regie: Aditya Vikram Sengupta)

Rhino (Regie: Oleg Sentsov)

True Things (Regie: Harry Wootliff)

Inu-Oh (Regie: Yuasa Masaaki)


Orizzonti Extra

Land Of Dreams (Regie: Shirin Neshat, Shoja Azari)

Costa Brava (Regie: Mounia Akl)

Mama I’m Home (Regie: Vladimir Bitokov)

Ma Nuit (Regie: Antoinette Boulat)

La Ragazza Ha Volato (Regie: Wilma Labate)

7 Prisoners (Regie: Alexandre Moratto)

The Blind Man Who Did Not Want To See Titanic (Regie: Teemu Nikki)

La Macchina Delle Immagini Di Alfredo C (Regie: Roland Sejko)



BIENNALE COLLEGE – CINEMA

Al Oriente (Regie: José Maria Aviles)

Nuestros Dias Mas Felices (Regie: Sol Berreuzo Pichon-Rivière)

La Santa Piccola (Regie: Silvia Brunelli)

The Cathedral (Regie: Ricky D’Ambrose)

Mon Pere, Le Diable (Regie: Ellie Foumbi)

La Tana (Regie: Beatrice Baldacci)


BIENNALE COLLEGE CINEMA – VIRTUAL REALITY

Lavrynthos (Regie: Fabito Rychter, Amir Admoni)

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