© Svenska Filminstitutet / SF Studios (aus "Mädchen im Frack")

Stummfilmtage Bonn

Donnerstag, 05.08.2021

Vom 12. bis zum 22. August startet das Bonner Stummfilmfestival einmal mehr als hybride Ausgabe sowohl als Freiluft-Event vor Ort als auch digital im Netz

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Zum zweiten Mal gehen diesen August die Internationalen Stummfilmatge Bonn als Hybrid-Edition an den Start: Vom 12. bis zum 22. August startet das Festival sowohl als Freiluftkino-Event mit Livemusikbegleitung im Innenhof der barocken Bonner Universität als auch als digitales Event im Netz – eine Strategie, die gerne auch zum Dauerzustand in Post-Corona-Zeiten werden kann, weil so auch Stummfilmfans jenseits des Bonner Einzugsgebiets (oder diejenigen, die wegen des oft sehr großen Andrangs keinen Platz ergattern!) in den Genuss des Programms kommen können.

Dieses Programm verantwortet dieses Jahr eine neue künstlerische Leitung: In die Fußstapfen von Stefan Drössler vom Filmmuseum München tritt für die Ausgabe 2021 erstmals eine junge Doppelspitze, bestehend aus Eva Hielscher – Medienwissenschaftlerin, Filmarchivarin und Kuratorin u.a. für das Eye Filmmuseum in Amsterdam, die Universität Zürich und die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung – und Oliver Hanley, der als Kurator u.a. fürs Österreichische Filmmuseum tätig war und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Filmuniversität Konrad Wolf im Masterstudiengang Filmerbe unterrichtet. Als neuer Kooperationspartner nach dem Filmmuseum München fungiert nun das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum.

© Internationale Stummfilmtage Bonn/Förderverein Filmkultur Bonn e.V.
© Internationale Stummfilmtage Bonn/Förderverein Filmkultur Bonn e.V.

An der inhaltlichen Ausrichtung der Stummfilmtage ändert sich dadurch nichts. Nach wie vor geht es darum, den Zuschauern ein breites Spektrum des frühen Kinos zu erschließen, wobei neben Stars (dieses Jahr zum Beispiel einmal mehr der Stummfilmtage-„Stammgast“ Harold Lloyd in der Komödie „Los, Harold, los“) und bekannten Klassikern (dieses Jahr: Paul Lenis „Das Wachsfigurenkabinett“) immer auch Unbekannteres präsentiert wird. Zu solchen Entdeckungen gehören dieses Jahr die Arbeiten von Regie-Pionierinnen. Mit dem schwedischen Eröffnungsfilm „Mädchen im Frack. Eine sommerliche Filmgeschichte“ (1926), der am 12.8. die Stummfilmtage eröffnet, präsentiert das Festival die letzte Regiearbeit der 1873 geborenen schwedischen Künstlerin Karin Swanström, die in den 1890er-Jahren zunächst als Theaterschauspielerin reüssierte, sich mit einer eigenen Theatertruppe selbstständig machte und schließlich auch ins junge Filmgeschäft einstieg und als Schauspielerin, aber auch als Produzentin und Regisseurin tätig war. In „Mädchen im Frack“ spielt die Veränderung alter Genderrollen, das Streben von Frauen nach mehr Entfaltungsspielraum, auch inhaltlich eine Rolle: Im Zentrum steht eine jugendliche Heldin, deren Vater sich einzig für die Förderung ihres Bruders interessiert, was sich auch in der Garderoben-Ausstattung spiegelt, weswegen sich das Mädchen kurzerhand den Frack des Bruders schnappt, als es gilt, sich für einen Abschlussball herauszuputzen.

Außerdem ist mit „Das große Licht“ ein Film der 1884 geborenen deutschen Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Johanna Julie Adelheid von Koblinski alias Hanna Henning im Programm, die ihre Künstlerinnen-Karriere zunächst als Sängerin begann, in den 1910er-Jahren zum Film wechselte und zur vielbeschäftigten Regisseurin wurde. In der Theater-Adaption „Das große Licht“ arbeitete sie mit einem der wichtigsten Stars des deutschen Stummfilms, Emil Jannings, zusammen. Der Film, der nur in Teilen erhalten ist, wird im Rahmenprogramm des Festivals am letzten Spieltag präsentiert, begleitet von einer Einführung der Restauratorin Anke Mebold.

Das Spektrum des Festivals reicht ansonsten vom deutschen „Sensationsfilm“ „Die Jagd nach Millionen“ über ein Dokumentarfilm-Doppelprogramm bis hin zu einer sowjetischen Komödie von Lew Kuleschow („Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki“). Dafür, dass der Funke von der Leinwand aufs Publikum überspringt, wird einmal mehr die Live-Musik sorgen, die jedes Screening begleitet. Auch hier schließen die Veranstalter an die Stummfilmtage-Tradition an: Zu den Musikern gehören alte Bekannte wie Stephen Horne, Richard Siedhoff und Günter A. Buchwald, die das Festival schon oft bereichert haben. Aber auch musikalisch gibt es Neuland zu entdecken, zum Beispiel mit einem Auftritt der DJane Angie Taylor, deren Klangwelten die tschechoslowakische Krimikomödie „Die Entführung des Bankiers Fux“ begleiten werden.


Hier geht es zum kompletten Programm der Stummfilmtage

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