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Sehen und gesehen werden - Alberto Lattuada

Freitag, 06.08.2021

Zur Retrospektive für Alberto Lattuada beim Locarno Film Festival 2021

Diskussion

Als Regisseur war Alberto Lattuada (1914-2005) einer der wichtigen Vertreter des Neorealismus, hatte eine über 40-jährige Karriere und bereicherte das italienische Kino um zahlreiche populäre Werke. Trotzdem blieb der Filmemacher vor allem mit seinen späteren Arbeiten außerhalb seiner Heimat weitgehend unbekannt und ist noch wiederzuentdecken.


Schon der Beginn des Films könnte aufregender nicht sein. Ernesto (Amedeo Nazzari) kehrt kurz nach dem Krieg aus deutscher Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt Turin zurück. Zunächst steht er eingezwängt mit vielen anderen im Waggon eines Güterzuges und schaut gespannt durch das vergitterte Fenster, während der Zug die Grenze von Österreich nach Italien überquert, später hockt er mit einem Kameraden hinten auf einem vollbeladenen Laster, niemand heißt ihn in Turin willkommen, seine Mutter ist tot, das Zuhause zerbombt. „Der Anfang ist atemlos und schmerzhaft, mit überfüllten Bahnhöfen, übervollen Zügen, Menschen auf der Suche nach einem Ziel, Ansichten von Turin bei Nacht mit zerstörten Häusern, verlassenen, von Armut gezeichneten Straßen, wo das einzige Lebenszeichen eine Jazzmelodie ist oder das schnelle Spiel von Ganoven, die auf leicht verdientes Geld aus sind“, schrieb der Regisseur und Filmhistoriker Carlo Lizzani.

Ernesto folgt einem hübschen Mädchen in ein Bordell – und muss feststellen, dass es seine eigene Schwester ist. Im nun folgenden Gerangel stürzt sie zu Tode, Ernesto tötet ihren Zuhälter. Von nun an ist er auf der Flucht, hineingezogen ins Verbrechen, angezogen von einer verführerischen Frau (Anna Magnani), die ohne Skrupel eine Gangsterbande anführt. Mit einem Mal hat sich der harsche Realismus des Beginns in ein Krimi-Melodram gewandelt, das an den poetischen Realismus im Frankreich der 1930er-Jahre erinnert. Die Rede ist von Der Bandit (1946), einem der wichtigen Werke des italienischen Neorealismus, gedreht von Alberto Lattuada (1914-2005), dem das Filmfestival von Locarno in diesem Jahr eine komplette Retrospektive widmet. Die Nachkriegswirklichkeit veranlasst ihn, nach einem authentischen Stil zu suchen. Doch noch wichtiger ist ihm die populäre Erzählung, die dramatische Forcierung, die tragische Klimax. Lattuada ist ein Regisseur, der sich sicher innerhalb der kommerziellen Strukturen des Filmgeschäfts bewegte. Er wollte, dass seine Filme von vielen Menschen gesehen werden.

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Das bestgehütete Geheimnis des italienischen Kinos

Für Giona A. Nazzaro, den neuen künstlerischen Leiter von Locarno, ist der Fall klar: Alberto Lattuada sei nicht nur ein oftmals unterschätzter Regisseur, sondern auch „das bestgehütete Geheimnis des italienischen Kinos“. Das erscheint zunächst paradox, vielleicht sogar übertrieben. Immerhin war Lattuada über vier Jahrzehnte, von 1942 bis 1986, in der italienischen Filmindustrie tätig. Er gehört zu den wichtigen Regisseuren des Neorealismus, er dreht in den 1950er-Jahren wunderschöne Dramen wie Der Skandal, Meine Lausejungs und Der Mantel, er arbeitete mit den größten italienischen Stars zusammen und förderte die Karrieren solch junger Schauspielerinnen wie Jacqueline Sassard, Catherine Spaak, Nastassja Kinski und Clio Goldsmith.

„Der Bandit“ (1946) (© IMAGO / Allstar)
„Der Bandit“ (1946) wurde zu Alberto Lattuadas erstem Erfolg (© IMAGO / Allstar)

Doch seine Filme der 1960er- und 1970er-Jahre sind außerhalb Italiens vielen Cineasten nicht mehr bekannt, und das ist – angesichts solch ungewöhnlicher Filme wie Süße Begierde (1960), Mandragola (1965) oder Schwestern teilen alles (1970) – bedauerlich. Lattuadas Passion für das Kino begann als Teenager. Während des Studiums der Architektur schreibt er Filmkritiken, er arbeitet als Setdesigner, Drehbuchautor und Regieassistent. Mehr noch: Wie ein Besessener sucht er nach alten Filmen, 1940 gründet er gemeinsam mit Mario Ferrari und Luigi Comencini die Cineteca Italiana in Mailand, das erste Filmarchiv Italiens. Lattuada – ein Cinephiler durch und durch. Bis er 1942 endlich seinen ersten Film inszenieren kann: „Giacomo l’idealista“. Interessant: Sein Vater Felice Lattuada schreibt die Musik, der erste Score von vielen, die er für seinen Sohn komponierte. Nach „La freccia nel fianco“ (1944) dann der erste Erfolg mit Der Bandit. Darin spielt auch Carla del Poggio mit, Lattuadas Ehefrau und Hauptdarstellerin in mehreren Filmen.


Neorealismus mit rauer Authentizität

Lattuada widmet sich weiter dem Neorealismus. Mit Ohne Gnade kehrt er 1948 zur unmittelbaren Nachkriegszeit zurück, er dreht an Originalschauplätzen in Livorno, in Bars, Straßen, am Hafen, auf dem Schwarzmarkt. Eine junge Frau kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um ihren Bruder zu suchen – vergeblich. Ohne Geld, ohne ein Zuhause gleitet sie rasch in die Prostitution ab. Die Liebe zu einem schwarzen GI könnte ihr Halt geben. Doch das tragische Ende kann auch er nicht verhindern. Wie schon „Der Bandit“ ist auch dieser Film bemerkenswert für seine raue Authentizität, für seine Wucht und seinen schnellen Rhythmus, für seine Menschlichkeit und Lebendigkeit, für seine Mischung aus Melodram und Realismus. Die irritierendste Figur des Films ist der Gangsterboss Pier Luigi, ein bedrohlich wirkender Mann im weißen Leinenanzug und mit weißem Hut, der das Paar für seine Zwecke einspannt und so das tragische Ende einleitet. Lattuada zeigt sich hier vom amerikanischen Gangsterfilm, den er als Cinephiler gut kennt, von der Gewalt und der Action beeinflusst, und diese Mischung aus Neorealismus und Genrekino macht seinen Film so besonders.

Auch die Die Mühle am Po (1949) zählt zum Neorealismus, obwohl die Handlung im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Es geht um Bauern in einem norditalienischen Dorf, die aufgrund hoher Steuerabgaben und skrupelloser Großgrundbesitzer zum Streik aufrufen. Vor diesem Hintergrund erzählt der Film die unmögliche Liebesgeschichte zwischen der bürgerlichen Tochter eines Müllers und dem sozialistischen Sohn eines Bauern. „Die Mühle am Po“ ist einer von Lattuadas beeindruckendsten Filmen. Immer wieder findet er Bilder, die den Zuschauer staunen lassen. Das beginnt schon mit der Konstruktion der Mühle, die mitten im Po steht und nur über Boote zu erreichen ist. Das Mühlrad ähnelt dabei in seiner Breite dem Schaufelrad eines Mississippi-Dampfers. Nach einem Sturm muss es mühsam von Unrat und Schlamm befreit werden, nach einer Brandstiftung scheint es das Feuer mit seiner Drehung zu zerschneiden. Aufregend auch jene Massenszene, in der sich die Bäuerinnen den schwer bewaffneten, streikbrechenden Soldaten entgegenstellen. Doch bei einem Fest entlädt sich die Lebensfreude, dutzende Paare drehen sich im Kreis – ein Taumel ohnegleichen. Und dann ist da noch der majestätische Fluss selbst, der den Anrainern seine Launen aufzwingt und sogar die Liebenden zu trennen scheint: Der Mann kann nicht schwimmen.

1953 beteiligt sich Lattuada am Episodenfilm „Liebe in der Stadt“ (© Locarno Film Festival)
1953 beteiligt sich Lattuada am Episodenfilm „Liebe in der Stadt“ (© Locarno Film Festival)

1953 gehört Albert Lattuada zu jenen Regisseuren, die gemeinsam den Episodenfilm Liebe in der Stadt gestalten. Sein 14-minütiger Beitrag heißt „Gli italiani si voltano“ – „Die Italiener drehen sich um“. Und wonach drehen sie sich um? Nach Frauen natürlich. Von nun an zeigen Lattuada und sein Kameramann Gianni di Venanzo schöne Frauen, die aus Hauseingängen treten, rasch über Bürgersteige flanieren, vorübereilen, an anderen Passanten vorbei, über die Kreuzung. Die Kamera lässt sie auf sie zukommen, sieht ihnen dann hinterher, auf die Beine und den Po, sie zeichnet Körper und Linien nach, sie schaut und bewundert, wieder und immer wieder. Die Kamera ahmt den männlichen Blick nach. „Eine stumme Studie des Schauens, Nachschauens, Begehrens und darüber hinaus, und im begrifflich schwerer zu fassenden Dazwischen liegt die Brisanz des Films,“ schreibt Matthias Dell.

Irgendwann fängt der Film an, kleine Geschichten zu erzählen. Da ist der schwitzende, dicke Kerl, der einer schönen Frau im aufregenden Einteiler, der ihre Figur perfekt nachzeichnet, nachläuft und sich ihretwegen sogar eine nicht enden wollende Treppe hochschleppt. Bis sie, oben angekommen, schon erwartet wird, von einem anderen. Der Verfolger bleibt allein zurück, frustriert wischt er sich den Schweiß von der Stirn. Ein zweiter Mann folgt einer jungen Frau sogar in den Bus, wo er sie im Gedränge wie unabsichtlich betatscht. Doch der Bus fährt immer weiter, bis in die Vorstadt, wo die Frau schnell in einem Haus verschwindet, bevor er sie ansprechen kann. Doch wollte er das überhaupt? Denn im Moment des Kennenlernens wäre die Verfolgung und somit die Faszination des Schauens, dieser Moment der Sehnsucht, auch schon vorbei. Heutzutage könnte man solch einen Film nicht mehr machen. Die Frau ist hier eindeutig als Objekt abgebildet, das ist die Bedingung für den Blick und das Handeln der Männer, weibliche Beschämung, Abscheu und Angst sind nur Randnotiz. Für die männliche Gewalt, für das Stalken und das Übergriffige, hatte man 1953 noch keine Worte. Und trotzdem wird sie bestraft: Die Männer bleiben allein.


Seine Filme verehren das weibliche Geschlecht

Lattuada verehrt in seinen Filmen das weibliche Geschlecht geradezu, vor allem seiner Schönheit und Sinnlichkeit wegen. Die Männer betrachten Frauen bei jeder Gelegenheit. Alles dient als Vorwand, um ungestört einen Blick zu erhaschen und ihre Schönheit anzubeten. Die Frau ist unnahbare Göttin und Objekt der Begierde zugleich. Dieser Blick auf die Frauen, auf ihre Körper und ihre erotische Ausstrahlung, ihre Freundlichkeit und Natürlichkeit findet sich in vielen Filmen Lattuadas, zum Beispiel in Mandragola (1965), der im Florenz der Renaissance spielt. Männer sehen in einer öffentlichen Badeanstalt durch verschließbare Gucklöcher dabei zu, wie sich Frauen in einem großen Becken waschen. Dabei ist der Andrang der lüsternen Spanner so groß, dass schließlich die Holzwand unter dem Gewicht einkracht, die Männer fallen ins Wasser, die Frauen nehmen Reißaus, ein riesiges Tohuwabohu ist die Folge.

Filme wie „Der Skandal“ (1954) stellen männliche Blicke auf Frauen auch kritisch dar (© IMAGO / Allstar)
Filme wie „Der Skandal“ (1954) stellen männliche Blicke auf Frauen auch kritisch dar (© IMAGO / Allstar)

In Schwestern teilen alles (1970) steigt eine Frau auf eine Leiter, um auf Bitten des Mannes etwas aus einem hohen Regal zu holen. Dabei schaut er ihr unverblümt unter den Rock. Nicht ganz so lüstern geht es in Das Verbrechen des Giovanni Episcopo (1947) zu. Der Titelheld schaut in einer Szene ängstlich und doch neugierig durch das Fenster eines Nachtclubs und sieht, wie spärlich bekleidete Frauen auf der Bühne tanzen. Er traut sich nicht hineinzugehen – bis ihn vergnügungssüchtige Bekannte am Türsteher vorbei in den Club zerren. Es ist übrigens der traurigste Film von Alberto Lattuada, weil Aldo Fabrizi sich in der Titelrolle so klag- und willenlos in sein Schicksal fügt. Dem fordernden, hinterlistigen Kleinganoven und der geldgierigen, lieblosen Frau hat er nichts entgegenzusetzen.


Kritik an der Doppelmoral

In Der Skandal (1954), einem der Meisterwerke Lattuadas, macht eine Prostituierte aus Mailand gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Ferien in einem ligurischen Badeort. Im Luxushotel gibt sie sich als Witwe aus und erobert so den Respekt blasierter Industrieller, gelangweilter Damen und sogar des Bürgermeisters. Als sie zum ersten Mal im Badeanzug am Strand entlanggeht, sehen ihr die Männer unverfroren hinterher. Ein Millionär in weißem Anzug und weißem Hut zoomt sie sich aus sicherer Distanz mit dem Fernglas heran. Er ist so etwas wie der heimliche Herrscher über den Ort, weil er so viel Geld besitzt und jeder mit ihm Geschäfte machen will oder sich eine Gefälligkeit erhofft. Am Ende wird er mit einer erstaunlichen Geste die Ehre der Frau, durch ihren Beruf sozial ausgestoßen, wiederherstellen. Übrigens ist dies ein Film, der kein Blatt vor den Mund nimmt. „Nehmen Sie eine kalte Dusche!“, sagt Martine Carol, die Hauptdarstellerin, zu einem aufdringlichen Kerl, während sich andere Frauen in ihren Hotelzimmern für die abendliche Passeggiata zurechtmachen. Sehen und gesehen werden. So entstand eine beißende Kritik an der italienischen Bourgeoisie und ihrer Doppelmoral.

In Die Wölfin von Kalabrien (1953), einer missglückten Adaption einer Novelle von Giovanni Verga, schauen die Männer der sinnlichen Titelheldin dabei zu, wie sie hüftschwingend und stolz durch den Ort flaniert. Sie ist sich der Blicke der Männer bewusst, Blicke, die auch später, bei der Auswahl des Mädchens für die Prozession der Heiligen Agata, eine große Rolle spielen werden. In Anna (1951), einem der kommerziell erfolgreichsten Filme Lattuadas, singt Silvana Mangano in einer Bar „Arriva il negro Zumbon“. Dabei trägt sie eine figurbetonende Capri-Hose und ein knappes, rückenfreies Oberteil, das vorne nur notdürftig von einem Knoten zusammengehalten wird. Eine sehr sinnliche Darstellung: Kopf, Augen, Beine, sogar die Hände, sind in ständiger abrupter Bewegung und scheinen den Zuschauer zu einem Pas de deux zu verführen. Eine Rückblende ist das im Übrigen, denn eigentlich ist Anna eine Nonne, die ihrem alten Leben als Geliebte zwischen zwei Männern abgeschworen hat. Die Nonnentracht kann die Schönheit der Mangano aber nicht verstecken, im Gegenteil: Der Schleier und die enganliegende Haube lenken erst die Aufmerksamkeit auf ihr makelloses Gesicht.

Auch unter der Nonnentracht (hier in „Die Nacht vor dem Gelübde“) bleibt die weibliche Schönheit unverkennbar (© Locarno Film Festival)
Auch unter der Nonnentracht (hier in „Die Nacht vor dem Gelübde“, 1960) bleibt die weibliche Schönheit unverkennbar (© Locarno Film Festival)

In Lichter des Varieté, 1950 in Co-Regie mit Federico Fellini entstanden, verliert Carla del Poggio auf der Bühne ihre Haremshose. Plötzlich steht sie im schwarzen Body da – und wird erst dadurch zur eigentlichen Attraktion der Truppe, ihr Erfolg ist nicht mehr aufzuhalten. In Der Mantel (1952) sieht der Hauptdarsteller einer Nachbarin in der Wohnung gegenüber dabei zu, wie sie spärlich bekleidet zu tanzen beginnt. Dabei zerschneidet er versehentlich seinen alten Mantel, weil sein Blick abgelenkt war. In Bleib wie du bist (1978) erliegt Marcello Mastroianni völlig dem Charme der damals 17-jährigen Nastassja Kinski. Er könnte ihr Vater sein – eine Überlegung, die der Film durchaus ernst nimmt. Kinski hatte erst zwei Jahre zuvor mit dem Tatort - Reifezeugnis für großes Aufsehen in Deutschland gesorgt und startete mit diesem Film ihre internationale Karriere, Roman Polanskis Tess folgte im Jahr darauf. Die Kamera ist geradezu verliebt in die Schauspielerin, in das Gesicht, die langen blonden Haare, in ihre Ausstrahlung und Natürlichkeit, aber auch den offenen Sex und die lockende Versuchung. Nicht einmal Tränen können ihrer Schönheit etwas anhaben. „Wie sonst nur noch die Dietrich hat sie ein Jahrhundertgesicht“, schreibt Simone Mahrenholz, und das lässt sich in Lattuadas Film am nachhaltigsten überprüfen.


Lattuadas vielleicht schönster Film: „Der Mantel“

Lattuadas vielleicht schönster Film ist Der Mantel, nach Nikolai Gogols berühmter Novelle. Im Mittelpunkt dieser fast schon kafkaesken Version steht der bescheidene, geflissentliche Amtsschreiber Carmine De Carmine (dargestellt von dem Komiker Renato Rascel), der sich allerdings durch seine Dummheit immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Die Szenen, in denen er seine Vorgesetzten zur Weißglut treibt, sind große Komödie, durchaus eines Chaplin würdig. Als er sich einen neuen Mantel schneidern lässt, wandelt er sich zu einem nonchalanten Wichtigtuer, der sich durch seine Einbildung, endlich wer zu sein, noch lächerlicher macht – bis ihm der Mantel in der Neujahrsnacht von einem Dieb entrissen wird. Mit dem Mantel ist auch das Emblem seines Stolzes dahin, Carmine ist all seiner Illusionen beraubt. Das kann in diesem Zusammenhang nur zur Tragödie führen. „Der Mantel“ ist eine anrührende, aber auch komische Hommage an die Bescheidenheit, eine Kritik am materiellen Besitz. „Ein großer Film, komplex, bewegend, satirisch“, lobte Pierre Leprohon.

Robert Turigliatto, Kurator der Retrospektive, schreibt über Lattuada: „Sinnlichkeit, Schönheit, Ambiguität, formale Kontrolle, Perfektionismus und Experimente sind nur einige der Zutaten dieses erstaunlich diversen Outputs eines freien, neugierigen und anti-konformistischen Mannes, der es heute mehr denn je verdient hat, vom Publikum wiederentdeckt zu werden.“ Auf die Retrospektive in Locarno darf man sich vorbehaltlos freuen.

„Der Mantel“ ist vielleicht Lattuadas schönster Film (© Locarno Film Festival)
„Der Mantel“ ist vielleicht Lattuadas schönster Film (© Locarno Film Festival)

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