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Dokumentarfilmwoche Hamburg

Freitag, 03.09.2021

Das Dokfilmfest in Hamburg findet vom 15. bis 19. September in den Kinos Metropolis, B-Movie und Lichtmess statt

Diskussion

Das Dokfilmfest in Hamburg ist 2021 vom Frühjahr in den Herbst gewandert und findet jetzt vom 15. bis 19. September in den Kinos Metropolis, B-Movie und Lichtmess statt.


„Ahoi“, heißt es bei der 18. „dokumentarfilmwoche hamburg“, die vom angestammten Frühjahrstermin in den Herbst ausgewichen ist und jetzt vom 15. bis 19. September 2021 in den Kinos B-Movie, Lichtmess und Metropolis stattfindet.

Das Festival versteht sich als Forum für den formal und inhaltlich anspruchsvollen Dokfilm, also für Werke, die nicht lediglich inhaltlich orientiert sind, sondern nach künstlerischen Formen suchen, um eingefahrene Codes zu hinterfragen und die Möglichkeiten des Dokumentarischen ästhetisch und politisch auszuloten.

Bei der Programmierung wurden die Filme so auf die Spielstätten verteilt, dass man (zumindest theoretisch) die Möglichkeit hätte, alle Filme besuchen zu können. Das finden die Festivalmacher zwar selbst auch „sportlich“, lohnt sich aber!


The Works and Days

Zwar gibt es weniger Filme als gewohnt und auch die Retrospektive muss erneut verschoben werden, doch dafür hat es ein 8-Stunden-Film in die Auswahl geschafft: „The Works and Days (of Tayoko Shiojiri in the Shiotani Basin)“ von C.W. Winter und Anders Edström (am 15.9., 10 Uhr, Metropolis) über ein winziges japanisches Dorf in der Kyoto-Präfektur. Der Film beschreibt die Jahreszeiten in der Landwirtschaft, den Kreislauf von Aussaat, Pflege und Ernte. Im Mittelpunkt stehen eine Bäuerin und ihre Familie, aber auch die ganze Region. Der Film gibt den Menschen Raum, hört ihnen in aller Ruhe zu und wird darüber selbst zu einer Art Landschaft, die sich der emsigen Gemeinde anpasst. Ein singuläres Werk, das tief in die Wirklichkeit der Menschen, aber auch in das Geheimnis der Zeit eindringt.

AA (Anders Edström/2020 General Asst.)
"The Works and Days" (© Anders Edström/2020 General Asst.)

Nahezu alle Filme sind noch vor den jeweiligen Lockdowns der Entstehungsländer gedreht worden. Viele der Filme stoßen sich an der dort vorgefundenen Wirklichkeit. Sie berichten von Rassismus und Kolonialismus, von Ausbeutung, Faschismus, sexuellem Missbrauch und Klassengewalt.

In den vergangenen Monaten ist zwar immer mal wieder davon die Rede gewesen, dass die Pandemie eine epochale Zäsur im menschlichen Denken bewirken würde. Die Menschheit, so die Hoffnung, sei zum Innehalten gezwungen worden, ein fundamentales Umdenken sei nicht mehr aufzuhalten.

Doch es steht zu befürchten, dass sich die Probleme in Luft auflösen. Es mehren sich sogar die Anzeichen, dass die postpandemische „Normalität“ an vielen Stellen zusätzlich an Härte gewinnt. Es könne, so die Veranstalter, also nicht schaden, die Sinne zu schärfen.


Ein Requiem für die Menschen in Wuhan

Zum Programm gehört auch der diesjährige Caligari-Filmpreisträger „A River Runs, Turns, Erases, Replaces“, in dem die Regisseurin Shengze Zu die Veränderungen in ihrer Heimatstadt Wuhan protokolliert und mit den Briefen von Angehörigen an ihre von der Pandemie dahingerafften Partner und Verwandten kontrastiert (16.9., 14.00, Metropolis).

Weiter zählt auch die lokale Dokumentarfilmszene zum festen Bestand der Filmwoche; in der Reihe „Dokland Hamburg“ werden acht neue Arbeiten präsentiert; im Foyer des Metropolis-Kinos erinnert eine Ausstellung an die Arbeiten von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub, und im Gängelviertel sind Gäste und Besucher von Mittwoch bis Freitag jeweils ab 21 Uhr zum „Après Film Austausch“ eingeladen.

Tickets gibt es für 8 Euro (ermäßigt: 6 Euro); der Festivalpass kostet 35 Euro (ermäßigt 25 Euro). Der Festivalpass ist nur im Kino erhältlich, Einzelkarten für das Metropolis und das B-Movie sind auch online auf den Webseiten der Kinos zu buchen.

Das vollständige Programm und viele weitere Hinweise finden sich auf der Seite der dokfilmwoche.

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