© imago/UPI Photo (Abderrahmane Sissako)

Konrad-Wolf-Preis für Abderrahmane Sissako

Freitag, 03.09.2021

Die Akademie der Künste ehrt den mauretanischen Regisseur Abderrahmane Sissako mit dem Konrad-Wolf-Preis

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Der mauretanische Regisseur Abderrahmane Sissako wird von der Akademie der Künste in diesem Jahr mit dem Konrad-Wolf-Preis ausgezeichnet. Sissako ist einer der wichtigsten afrikanischen Filmemacher. Er wurde 1961 in Kiffa, Mauretanien, geboren, wuchs aber in Mali auf. Von 1983 bis 1989 studierte er am Gerassimow-Institut für Kinematographie (WGIK) in Moskau. Seit Anfang der 1990er-Jahre lebt Sissako in Paris.

In seinen Filmen erweitert Sissako die filmisch dargestellte Realität durch verschiedene Erzählebenen und die Erfindung neuer dramaturgischer Formate. Sein erster Langfilm, der Dokumentarfilm „Rostov – Luanda“ (1997), lief auf der „Documenta X“. Mit dem dokumentarischen Spielfilm „Bamako (2006) etablierte er sich als ein Regisseur, der das Politische mit dem Poetischen zu verschränken weiß. In einem fiktiven Gerichtsprozess wird darin die Zukunft des afrikanischen Kontinents verhandelt: Angeklagt sind der Internationale Währungsfonds und die Weltbank, die das Gemeinwohl dem Diktat ausländischer Investoren unterwerfen. Parallel zu den Gerichtsszenen skizziert Sissako Alltagsszenen, in denen er die politischen Verhältnisse in teils absurde, teils tragische Geschichten übersetzt.

Abderrahamane Sissako bei den Dreharbeiten zu "Bamako" (Kairos)
Abderrahamane Sissako bei den Dreharbeiten zu "Bamako" (© Kairos)

In „Timbuktu“ (2014) erzählt er von der Besetzung der titelgebenden Oasenstadt durch radikale Dschihadisten. Facettenreich zeigt der lakonische Film, wie die Fundamentalisten den Alltag der Stadt verändern: Kleidungsvorschriften, Zwangsheiraten, Steinigungen oder das Verbot von Musik werden mit Gewalt durchgesetzt. Auch in „Das Leben auf Erden (1999) und in „Warten auf das Glück (2001) thematisiert Sissako ökonomisch-kulturelle Aspekte des afrikanischen Kontinents, der immer noch mit den Folgen des Kolonialismus zu kämpfen hat.

Der nach dem Filmregisseur Konrad Wolf benannten Preis ist mit 5.000 Euro dotierte und wird jährlich für herausragende künstlerische Leistungen auf den Gebieten der Darstellenden Kunst oder der Film- und Medienkunst vergeben. Zuletzt ging er an den Regisseur und Schauspieler Alexander Lang, die Dokumentarfilm-Regisseurin Heidi Specogna (2019) und die Kulturzeitschrift „Lettre International (2018).

Der Preis wird am 5. Oktober in der Akademie der Künste in Berlin verliehen. Die Laudatio hält Ulrich Gregor. Im Anschluss an die Vorführung von „Bamako“ findet ein Filmgespräch mit Dorothee Wenner und Abderrahmane Sissako statt.

Weitere Infos finden sich auf Website der Akademie der Künste.

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