© Rectangle Prod./Srab Films/France 3 Cinéma (aus „L’événement“)

Venedig 2021: Die Preise

Samstag, 11.09.2021

Die Preise der 78. Filmfestspiele von Venedig: „Goldener Löwe“ geht an „L’Événement“

Diskussion

Zum Abschluss der 78. Filmfestspiele von Venedig sind am 11. September die Preise verliehen worden. Die internationale Jury unter Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho zeichnete das Drama L’Événementder Französin Audrey Diwan aus. Auch die katholische SIGNIS-Jury ehrte mit Stéphane Brizés Un autre mondeeinen französischen Film. Eine Übersicht über die Preise der 78. Mostra.


Ein Jahr nach der ebenso wagemutig wie erfolgreich unter Corona-Bedingungen durchgeführten 77. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals von Venedig präsentierte sich die Nachfolgeausgabe zwar nicht befreit von Corona-Maßnahmen, aber wieder deutlich glamouröser und Star-durchsetzter. Auch bei der Verleihung der „Löwen“ am 11. September konnten daher weltbekannte Filmschaffende wie Penélope Cruz (beste Darstellerin), Maggie Gyllenhaal (bestes Drehbuch) und Jane Campion (beste Regie) ihre Auszeichnungen persönlich entgegennehmen. Die italienischen Vertreter im Wettbewerb waren bei der Preisverleihung ebenfalls gut vertreten: Der „Spezialpreis der Jury“ ging an Michelangelo Frammartinos „Il buco“, das autobiographische Drama „The Hand of God“ von Paolo Sorrentino gewann den „Marcello-Mastroianni-Preis“ für den besten Nachwuchsdarsteller und den „Großen Preis der Jury“.

Der „Goldene Löwe“ ging ebenfalls an einen autobiographischen Stoff: „L’Événement“ erzählt nach dem Roman der Schriftstellerin Annie Ernaux von einer ihr selbst nachempfundenen jungen Frau, die in den 1960er-Jahren in das Dilemma zwischen einer ungewollten Schwangerschaft und einer illegalen Abtreibung gerät. Erstmals seit 27 Jahren gewann damit wieder ein französischer Film in Venedig, nur wenige Monate nach dem Gewinn von Julia Ducournaus Titane beim Filmfestival Cannes ging auch der Hauptpreis beim zweiten der beiden wichtigsten Filmfestspiele ans Werk einer französischen Regisseurin.

Bereits am Nachmittag hatte die katholische SIGNIS-Jury ihren Favoriten des Festivals benannt. Auch sie entschied sich für einen französischen Film, den Wettbewerb-Beitrag Un autre monde von Stéphane Brizé. In ihrer Begründung erklärte die Jury: „Ein leitender französischer Manager am Gipfel seiner Karriere findet sich selbst in einer doppelten Krise wieder: zum einen geht seine Ehe gerade in die Brüche, zum anderen fordert ihn sein Unternehmen auf, harte Entlassungen durchzuführen. Während er den Entscheidungsprozess offenlegt, zeigt der Film, wie die Hauptfigur ihre Menschlichkeit zurückgewinnen kann, ihre Würde und einen Weg zurück zu ihrer Familie. Der Regisseur Stéphane Brizé komplettiert seine Filmtrilogie über die Arbeit und die sozialen Bedingungen in Frankreich und Europa und verbindet eine starke Anklage mit einer schönen Botschaft der Hoffnung.“

Außerdem vergab die Jury des katholischen Weltverbands SIGNIS eine Lobende Erwähnung an The Hand of God. Hierzu hieß es in der Begründung: „Auf wunderbare Weise bringt der Regisseur Paolo Sorrentino freudige, leidenschaftliche und dramatische Momente seiner eigenen Jugend auf die Leinwand, indem er Erinnerungen und Fiktion vermischt, während er darstellt, wie der tragische Verlust beider Eltern in einem Heranwachsenden das Bedürfnis wecken, sich dem Kino als Sinn seines Lebens zuzuwenden. Man kann die Hand Gottes in der Weise sehen, wie scheinbar zufällige Ereignisse sich als zusammenhängend erweisen, oder darin, wie gesetzlose Handlungen bestraft werden, am tiefgründigsten aber in der Art, wie man seinem innersten Ruf folgen und einfache menschliche Geschichten über einen Film erzählen muss, um Liebe, Glauben und Hoffnung in unsere alltägliche Realität zu bringen.“


Hier die Übersicht über die Hauptpreise im Wettbewerb:

Goldener Löwe für den besten Film: L’Événement von Audrey Diwan

Silberner Löwe – Großer Preis der Jury: The Hand of God von Paolo Sorrentino

Silberner Löwe – Preis für die beste Regie: Jane Campion für „The Power of the Dog“

Coppa Volpi für die beste Schauspielerin: Penélope Cruz für „Madres paralelas“

Coppa Volpi für den besten Schauspieler: John Arcilla für „On the Job: The Missing 8“

Preis fürs beste Drehbuch: Maggie Gyllenhaal für The Lost Daughter

Spezialpreis der Jury: „Il buco“ von Michelangelo Frammartino

„Marcello Mastroianni“ Preis für ein Nachwuchs-Schauspieltalent: Filippo Scotti in „The Hand of God“ von Paolo Sorrentino

Filippo Scotti gewann den Nachwuchsdarsteller-Preis für „The Hand of God“ (© The Apartment, Gianni Fiorito)
Filippo Scotti gewann den Nachwuchsdarsteller-Preis für „The Hand of God“ (© The Apartment, Gianni Fiorito)



„Löwe für die Zukunft“ – Luigi De Laurentiis Award für den besten Debütfilm: „Imaculat“ von Monica Stan, George Chiper-Lillemark


Orizzonti-Sektion

Bester Film: „Pilgrims“ von Laurynas Bareiša

Spezialpreis der Jury: „El gran movimiento“ von Kiro Russo

Beste Regie: Éric Gravel für „À plein temps“

Beste Schauspielerin: Laure Calamy für „À plein temps“

Bester Schauspieler: Piseth Chhun für „White Building“

Bestes Drehbuch: Peter Kerekes, Ivan Ostrochovský für „107 Mothers“

Bester Kurzfilm: „Los Huesos“ von Cristóbal León, Joaquín Cociña


Goldener Löwe für ein Lebenswerk: Roberto Benigni, Jamie Lee Curtis


SIGNIS Preis (Preis der World Catholic Association for Communication): Un autre monde von Stéphane Brizé
Lobende Erwähnung: The Hand of God von Paolo Sorrentino


FIPRESCI-Preis Wettbewerb: „L’Événement“ von Audrey Diwan

FIPRESCI-Preis Orizzonti und Parallelsektionen: „Zalava“ von Arsalan Amiri


Sämtliche offiziellen Preise des Festivals finden Sie hier.


Die Preise der unabhängigen Jurys finden Sie hier.


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