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Wir werden nicht zusammen alt (arte)

Dienstag, 05.10.2021

18.10., 20.15-21.55, arte

Diskussion

1973 wurde Ingmar Bergmans bahnbrechende Miniserie Szenen einer Ehe erstmals ausgestrahlt, bereits ein Jahr zuvor hatte sein französischer Kollege Maurice Pialat allerdings eine weniger bekannte, aber vergleichbar schonungslose Beziehungsanalyse vorgelegt, die man als „Szenen einer Affäre“ beschreiben könnte. Pialat verfilmte mit „Wir werden nicht zusammen alt“ seinen eigenen autobiographischen Roman und ließ den Darsteller Jean Yanne sein Quasi-Alter-Ego spielen: Der neurotisch veranlagte und zu heftigen verbalen Ausbrüchen neigende Regisseur Jean unterhält seit sechs Jahren eine Affäre mit der jüngeren Catherine (Marlène Jobert), immer wieder unterbrochen von Phasen der Trennung. Zugleich besteht seine Ehe mit Françoise (Macha Méril) fort, die zwar keine Liebe mehr enthält, aber auf freundschaftlicher Basis harmonischer verläuft als seine Affäre – Françoise ist ohnehin von ihrer Selbstverwirklichung eingenommen und beobachtet die Entwicklung in der Beziehung zu Catherine eher mit Neugier als mit Ablehnung. Am Ende des Tages allerdings – der Titel lässt daran auch keinen Zweifel – läuft es auf eine stationsweise Trennung hinaus. Pialat inszeniert das als nüchternen, überzeugenden Bericht, der psychologische Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen beleuchtet. – Ab 16.

Mehr zu Maurice Pialat ist im Anschluss in der Dokumentation „Maurice Pialat – Außenseiter der französischen Filmwelt“ (21.55-22.50) von William Karel zu erfahren. Neben Filmausschnitten, Setaufnahmen und Interviews geht es dabei auch um den mühseligen Einstieg von Pialat ins Filmgeschäft, sein spätes Debüt Nackte Kindheit mit 43 Jahren, seine filmischen Verdienste und seine selbstzerstörerischen Züge.

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