© missingFilms

Neuer Kinotipp: "Maternal" von Maura Delpero

Mittwoch, 10.11.2021

Das Drama „Maternal“ um eine junge Nonne, die in einem argentinischen Kloster zur Bezugsperson für ein kleines Mädchen wird, ist neuer Kinotipp der Katholischen Kinokritik. Der Film startet am 11. November in den deutschen Kinos

Diskussion

Das facettenreiche Drama „Maternal“ von der italienischen Filmemacherin Maura Delpero ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik für den Monat November. Der Film um eine junge Nonne, die in Buenos Aires den letzten Abschnitt ihres Noviziats absolviert und sich in einem altertümlichen Kloster um junge alleinerziehende Frauen und deren Kinder kümmert, startet am 11. November in den deutschen Kinos. Die Novizin, die ihre ewigen Gelübde ablegen will, wird dabei zur Bezugsperson eines kleinen Kindes, dessen Mutter nach einer nächtlichen Tour in die Stadt nicht mehr ins Heim zurückkehrt. Die enge Beziehung zu dem aufgeweckten Mädchen löst bei der Nonne unbekannte Gefühle und Irritationen aus.

Der Film zeigt beispielhaft, wie Verantwortung, Zuneigung, Güte und im guten Sinne eine christliche Barmherzigkeit mit gesellschaftlichen Anforderungen und auch einer gewissen Strenge zusammengehen, ohne einfache Lösungen zu präsentieren. Mit dokumentarischer Aufmerksamkeit wird ein rein weiblicher Mikrokosmos zwischen strenger Klosterordnung und dem quirligen Alltag zwischen Liebe, Schwangerschaft und Kindererziehung beobachtet.

Ein Heim für jungen Mütter: "Maternal" (missingFilms)
Ein Heim für junge Mütter: "Maternal" (© missingFilms)

Die Jury des Kinotipps hob insbesondere den differenzierten Umgang mit unterschiedlichen Formen von Mütterlichkeit hervor. „Der Gegensatz von jugendlichen, alleinerziehenden Müttern und Ordensfrauen, die Keuschheit gelobt haben, löst sich bei genauer Betrachtung durch die Sorgen füreinander weitgehend auf. Denn die überwiegend älteren Schwestern erscheinen als Erziehungsberechtigte oder „Mütter“ für die meist noch minderjährigen Frauen, die sich damit auseinandersetzen müssen, selbst Mutter zu sein und einer ungewissen Zukunft entgegenzugehen.

Der eindringliche, oft dokumentarisch wirkende Film ist durchgängig realistisch inszeniert und vermeidet allzu viel Pathos oder die Zuspitzung auf ein (kirchenkritisches) Berufungsdrama. Der Realitätsbezug setzt sich auch schauspielerisch fort: Während die Schwestern von Schauspielerinnen verkörpert werden, sind die jugendlichen Mütter durchgängig mit Laiendarstellerinnen besetzt. Der Film konzentriert sich auf die Novizin und zwei junge Frauen und zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinander existieren, sich aber in gemeinsamen Sorgen und der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit dennoch verbinden. Dazu kommen eindrückliche Bilder, insbesondere von der jungen Novizin, die mal an Rembrandt, mal an Caravaggio erinnern und in enger Verbindung zur ästhetisch pointiert herausgearbeiteten klösterlichen Spiritualität stehen.

„Maternal“ lädt dazu ein, über christliche Werte wie Liebe, Gemeinschaft und Beziehung, aber auch über patriarchale Strukturen und ihre lebensfeindlichen Deformationen zu sprechen.

Filmdetails
Kommentar verfassen

Kommentieren