© Final Cut for Real (aus "Misha und die Wölfe")

arte-Dokumentarfilm-Festival 2021

Dienstag, 23.11.2021

Eine Filmreihe mit bemerkenswerten Dokumentarfilmen - aktuell in der arte-Mediathek

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Zum fünften Mal präsentiert der Sender arte im Spätjahr sein Dokumentarfilm-Festival, eine Filmreihe, in der bemerkenswerte, teilweise preisgekrönte Dokumentarfilme vorgestellt werden, viele davon als Erstausstrahlungen. Dabei decken die Werke dieses Jahr wieder eine enorme thematische Bandbreite ab.

Das außergewöhnlichste Werk der Reihe ist ein Mammut-Projekt des chinesischen Regisseurs Wang Bing, eines der derzeit renommiertesten Dokumentaristen Chinas, dessen Werke regelmäßig bei internationalen Festivals laufen: „Die Seelen der Toten – Mingshui“, bei arte eingeteilt in drei Teile und insgesamt über acht Stunden lang, kreist um ein düsteres Kapitel der chinesischen Geschichte, um die Gräuel in den chinesischen „Umerziehungslagern“, in denen nach der Gründung der Volksrepublik vermeintliche Abweichler vom neuen kommunistischen Regime auf Linie gebracht werden sollten, de facto allerdings oft dem Hungertod ausgesetzt wurden. Nachdem Wang Bing das Thema bereits 2010 in dem Spielfilm „Das Erdloch“ aufgegriffen hatte, fokussiert er in dem Dokumentar-Epos aus dem Jahr 2018 auf das ehemalige Umerziehungslager von Jiabiangou in der Wüste Gobi, bei dem die Gebeine unzähliger Gefangener gefunden wurden, und versucht unter anderem auf Basis von Opferberichten die Schicksale derer zu rekonstruieren, die damals in dem Lager interniert waren.

Teil des Dokumentarfilmfestivals ist auch die Premiere der Doku „Misha und die Wölfe“ um einen veritablen Skandal: 1997 veröffentlichte die Belgierin Misha Defonseca ein Buch, in dem sie davon berichtete, wie sie als Kind jüdischer Eltern während des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht vor den Nazis quer durch Europa wanderte und unter anderem mit Hilfe von Wölfen überlebte. Das Buch avancierte zum Bestseller, bis Zweifel an der Authentizität aufkamen und schließlich bewiesen wurde, dass die Geschichte erfunden war. Der Film arbeitet diese Enthüllung auf.

Spannend und höchst aktuell ist der Dokumentarfilm „Our Memory Belongs to Us“, in dem es um die Traumata des Bürgerkriegs in Syrien geht. Ein Theaterregisseur konfrontiert drei miteinander befreundete Männer aus Syrien mit den Aufnahmen, die diese fast ein Jahrzehnt zuvor zu Beginn des Bürgerkriegs gemacht haben. Auf einer bis auf die Leinwand leeren Bühne in einem dunklen Raum stehend, wecken die Bilder bei ihnen die Erinnerungen an schreckliche Kriegserlebnisse und den Tod von Freunden.

Im Programm von arte läuft das Dokumentarfilmfestival vom 23. bis zum 29.11.2021; in der Mediathek sind bereits jetzt schon zahlreiche der Arbeiten verfügbar und werden auch noch nach den TV-Ausstrahlungen verfügbar sein.

Hier geht es zur Reihe in der arte-Mediathek

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