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Festival-Auslese - Neue Kinder- und Jugendfilme

Freitag, 26.11.2021

Ein Streifzug durch die vier Kinder- und Jugendfilmfestivals „Lucas“, „Schlingel“, „Nordische Filmtage“ und „doxs“ plus jede Menge Filme, die die Fantasie anregen und wichtige Themen von Kindern und Heranwachsenden diskutieren

Diskussion

Der Herbst ist für die Kinder- und Jugendfilmfestivals in Deutschland die Zeit, in der die besten neuen Filme präsentiert werden. Die Saison beginnt mit dem „Lucas“ in Frankfurt am Main, wird vom „Schlingel“ in Chemnitz fortgesetzt, dann folgt das Kinder- und Jugendfilmprogramm im Rahmen der Nordischen Filmtage in Lübeck; eine ganz eigene Note steuert das Dokumentarfilmfestival doxs! in Duisburg bei. Ein Streifzug durch diese vier Festivals, mit mehreren Hintergrundberichten und ausgewählten Film-Entdeckungen.


In der zweiten Ausgabe der #ich sehe was-Kooperation von filmdienst.de und dem Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum Remscheid (KJF) dreht sich alles um die deutschen Kinder- und Jugendfilmfestivals, die sich im Herbst quasi die Klinke in die Hand geben. Unter dem Titel „Festival-Auslese“ geht es um die vier deutschen Kinder- und Jugendfilmfeste, um das „Lucas“- Festival in Frankfurt am Main, „Schlingel“ in Chemnitz, die „Nordischen Filmtage“ in Lübeck und „doxs!“ in Duisburg, auf denen die wichtigsten Filme für die jungen Zielgruppe vorgestellt werden.


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Wie bei den „großen“ Filmfesten geht es auch bei denen für die Heranwachsenden an erster Stelle natürlich um die neuen Filme, die hoffentlich bald auch im Kino oder über VoD und BD/DVD zu sehen sind. Die wichtigsten Beiträge haben die Autorinnen und Autoren schon einer eingehenden Würdigung unterzogen (siehe unten). Aber Festivals eignen sich über die vielen einzelnen Filme hinaus auch hervorragend, um Tendenzen und Themen nachzuspüren, die unter Kindern und Jugendlichen besonders aktuell sind, zumindest aus Sicht der Filmemacher und Produzenten. Dazu kommen Beobachtungen zu den Festivals selbst, die ihrerseits auch auf die sich wandelnden Ansprüche und Wünsche des jungen Publikums reagieren und sehr innovative Partizipationsmodelle entwickelt haben.

Beim 44. „Lucas‟-Festival, dem ältesten deutsche Kinderfilmfest, das seine Zielgruppe inzwischen längst auch für Jugendliche erweitert hat, fielen insbesondere dokumentarische Arbeiten ins Auge. Corona, der Kampf ums Klima und die gesellschaftlichen Diskussionen um Migration waren vor allem in Filmen für ältere Jugendliche dominant, wie Reinhard Kleber im seinem Festivalbericht über das „44. Lucas Filmfestival 2021“ analysiert. Kleber berichtet in „Wie ein junges Publikum und Dokumentarfilme zueinander finden“ auch über zwei Panels, auf denen Festivalmacher über ihre Erfahrungen im Zu- und Miteinander von Dokus und heranwachsenden Filmfans reflektierten.

Wie sehr das Verhältnis von jungem Publikum und Festivals in Bewegung geraten ist, lotet der Hintergrundtext „Raus aus der Konsumhaltung“ aus, in dem es um gelungene Formen von „Mitmachen“ und „Mitmischen“ geht, etwa wenn Jugendliche Filmreihen kuratieren und damit sehr selbstbewusst auch noch Brücken zu allgemeineren Themen schlagen.

Publikumspreis in Chemnitz: "A Brixton Tale" (Parkland Pictures)
Publikumspreis in Chemnitz: "A Brixton Tale" (© Parkland Pictures)

Chemnitz leuchtet“, schreibt Rochus Wolff begeistert über seinem Bericht vom Kinder- und Jugendfilmfestivals „Schlingel‟ und streift darin kursorisch einige Highlights. Holger Twele forscht in „Auf der schwierigen Suche nach dem Glück“ vor allem der herausragenden Jugendreihe nach, deren Beiträge sich durch eine ungewöhnliche emotionale und dramaturgische Dichte auszeichneten.

Bei den „Nordischen Filmtagen“ stachen im Kinder- und Jugendfilmprogramm zwei Themen hervor: die erste Liebe – und überraschenderweise jede Menge Weihnachtsfilme. Rochus Wolff zeichnete in „Weihnachten und Liebesdinge“ beide Schwerpunkte nach. Doch bei den Filmtagen dominierten auch insgesamt „junge“ Themen, vor allem auch als Auseinandersetzung mit sexuellen Identitäten. Holger Twele beleuchtet in „Wer du bist, wen du liebst“ drei dieser Produktionen.

Und auch beim doxs!-Festival drehten sich die kurzen und längeren Dokumentarfilme für junge und junggebliebene Filmenthusiasten um Identitätsfragen, aber auch um Herkunft, Flucht und Neuanfang. „Leben bedeutet nicht, nur zu funktionieren“, heißt es dazu in dem Bericht von Barbara Felsmann, die das 20. Doxs-Festival unter dem Motto „Noch immer neugierig und nah am Leben“ Revue passieren lässt.

Der nächste Themenschwerpunkt von #Ich sehe was erscheint kurz vor der „Berlinale“ und widmet sich der Frage, was Filme wie etwa „Ronja Räubertochter“ oder „Chihiros Reise ins Zauberland“ zu Klassikern des Genres macht, die immer wieder zitiert und als Beispiele für gute Kinder- und Jugendfilme herangezogen werden – und welche vielfältigen Folgen dies für das Publikum und die Filmbranche nach sich zieht.


Eine Festival-Auslese sehenswerter Kinder- und Jugendfilme


A Brixton Tale

Irland/Großbritannien. R: Darragh Carey, Bertrand Desrochers. - Ab 16.

Eine filmbegeisterte Engländerin aus reichem Haus angelt sich einen schwarzen Jungen von der Straße und zerrt ihn naiv-kaltblütig als Protagonisten vor ihre Kamera.


Ein Zirkus für mich allein

Kanada 2020. R: Miryam Bouchard. - Ab 10.

Die Tochter eines Clowns sehnt sich nach einem geordneten Leben.


Elise und das vergessene Weihnachtsfest

Norwegen 2019. R: Andrea Eckerborn. - Ab 6.

Ein Mädchen sucht den Weihnachtsmann und entdeckt ein Geheimnis.


Eva & Adam

Schweden 2021. R: Caroline Cowan. - Ab 12.

Ein Junge verliebt sich in seine Klassenkameradin. Klappt aber nicht auf Anhieb.


Folge dem Licht

Japan 2021. R: Yochi Narita. - Ab 14.

Eigenwillige Mischung aus Adoleszenz, Liebesgeschichte und Science Fiction auf dem Land in Japan, wo mysteriöse Erscheinungen drei junge Menschen nachhaltig beschäftigen.

Mysteriöse LIchtphänomene bewegen die Jugendlichen: "Folge dem LIcht" (GalaCollection))
Mysteriöse LIchtphänomene bewegen die Jugendlichen: "Folge dem LIcht" (© GalaCollection)

Horizont

Frankreich 2020. R: Emilie Carpentier. - Ab 14.

Eine Jugendliche aus den Banlieus um Paris verliebt sich in einen Umweltaktivisten und lernt darüber schmerzhaft einen anderen Blick auf die Welt kennen.


The Ape Star

Schweden 2021. R: Linda Hambäck. - Ab 6.

Ein Waisenkind wird von einer Gorilla-Dame adoptiert und findet ein neues Zuhause.


Kleiner Kämpfer

Russland 2020. R: Ilja Jermolow. - Ab 12.

Ein junger Russe will Sumo-Kämpfer werden, um seinen Vater in Japan wiedertreffen zu können.


Krawall

Kanada 2021. R: Neegan Trudel. - Ab 14.

Eine 13-Jährige muss ins Wohnheim, wo ihr eine Ziehschwester und ihre Gitarre Halt geben.


Lingui – Heilige Bande

Tschad 2021. R: Mahamat-Saleh Haroun. - Ab 14.

Eine 15-jährige Schülerin, die nach einer Vergewaltigung schwanger wurde, kämpft für eine Abtreibung.

Harte Kampf um die Wahrheit: "Lingui" (Pili Films)
Listiger Kampf um das Patriarchat: "Lingui - Heilige Bande" (© Pili Films)

Mica

Marokko 2020. R: Ismael Ferroukhi. - Ab 10.

Ein junger Marokkaner will Tennis lernen, um nach Frankreich emigrieren zu können.


Moon Rock für Monday

Australien 2020. R: Kurt Martin. - Ab 14.

Zwei Ausreißer, eine Neunjährige und ein 18-Jähriger, schließen sich auf ihrer Tour durchs Outback zusammen.


Shadow Game

Niederlande 2021. R: Eefje Blankevoort, Els van Driel. - Ab 14.

Doku über unbegleitete Jugendliche auf der Flucht nach Europa.


Sun Children

Iran 2020. R: Majid Majidi. - Ab 12.

Ein Straßenjunge und seine Freunde sollen im Auftrag von Gangstern einen Tunnel unter einer Schule graben.


The Reason I Jump

USA/Großbritannien 2020. R: Jerry Rothwell. - Ab 14.

Außergewöhnlicher Dokumentarfilm über fünf junge Menschen mit Autismus und ihre Sicht auf die Welt.


Uns geht’s doch gut

Südkorea 2021. R: Lee Ji-won. - Ab 10.

Ein koreanischer Schüler muss ohne seine Eltern zurechtkommen, weil seine Mutter schwer erkrankt ist.


Yuni

Indonesien/Singapur/Frankreich/Australien 2021. R: Kamila Andini. - Ab 14.

Eine junge Indonesierin verweigert sich einem Jungfräulichkeitstest und kämpft für ihre eigene Vorstellung vom Glück.

Auf der Suche nach dem eigenen Glück: "Yuni" ()
Auf der Suche nach dem eigenen Glück: "Yuni" (© trigon-film.org )

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