Gefangen in unseren Instinkten

Interview mit dem Regisseur Ruben Östlund zu „The Square“

Diskussion

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund gewann 2017 für seine Gesellschaftssatire „The Square“ die „Goldene Palme“ in Cannes und heimste sechs Europäische Filmpreise ein. Ein Gespräch über die Notwendigkeit frischer Provokationen.


Was war die anfängliche Inspiration für „The Square“?

Östlund: Grundsätzlich interessieren mich die gleichen Gefühle und emotionalen Reaktionen, die mich schon immer in meinen vorherigen Filmen interessiert haben: das Komische und das Unbequeme, verbunden mit dem dauernden Gefühl, dass irgendetwas peinlich ist. Mit solchen Gefühlen will ich die Zuschauer auf Fragen stoßen, mit denen sie selbst, ebenso wie die Figuren im Film, schwer umgehen können. Mein Film „Play“ (2011) wurde von zwei realen Ereignissen inspiriert, in denen relativ junge Kinder aufeinanderprallten und andere Gleichaltrige ausraubten – mitten in Shopping Malls. Die beraubten Kinder baten nicht um Hilfe, und die Erwachsenen machten auch keine Anstalten zu helfen. Das ist der „Bystander Effekt“. Wir sind Herdentiere und haben Angst, wenn etwas passiert. Wir brauchen die Erinnerung: Ich selbst bin verantwortlich. Dieses Geschehen ist für mich auch ein Indiz dafür, dass Kinder und Erwachsene heute in völlig parallelen Welten leben. Das war früher anders. Von meinem Vater kenne ich die Geschichte, die auch in „The Square“ erzählt wird: In den 1950er-Jahren liefen Kinder unbegleitet in schwedischen Großstädten herum mit einem kleinen Adressschild um den Hals – man erwartete und vertraute darauf, dass Erwachsene sich verantwortlich fühlen und den Kindern helfen würden. Es war wie ein Gesellschaftsvertrag über Leben und Verhalten im öffentlichen Raum. Dieser Vertrag hat sich heute komplett ins Gegenteil verkehrt. Man sieht andere Menschen zunächst einmal nicht als Partner, sondern als potenzielle Bedrohung. So kam ich auf die Idee zu „The Square“. Das gleichnamige Kunstwerk im Film ist vielleicht gar nicht in erster Linie ein Kunstwerk, sondern eine Art Verkehrskreuzung.



Dieses Kunstwerk stammt von Ihnen selb

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