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Neuer Kinotipp: „Adam“ von Miryam Touzani

Mittwoch, 08.12.2021

Beinahe ein Weihnachtsfilm: „Adam“ von Miryam Touzani über eine marokkanische Bäckerin, die sich widerwillig einer Schwangeren erbarmt, ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik.

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Beinahe ein Weihnachtsfilm: „Adam“ von Miryam Touzani über eine marokkanische Bäckerin, die sich widerwillig einer Schwangeren erbarmt, ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik. Der Film startet am 9. Dezember in den Kinos.


Samia ist schwanger. Mit dickem Bauch und niedergeschlagenen Augen schleppt sie sich durch die Gassen von Casablanca, auf der Suche nach Arbeit und einer Bleibe. Ihre Familie darf nichts von ihrer Schwangerschaft und der bald bevorstehenden Geburt erfahren. Gleich nach der Entbindung will sie das Kind zur Adoption freigeben. Erst dann kann sie sich zuhause wieder sehen lassen. Doch die Türen bleiben verschlossen. Niemand will sie aufnehmen, auch die verwitwete Bäckerin Abla nicht, die ohne Freude ihre Pfannkuchen formt. Doch Ablas Tochter reagiert auf die Fremde, die buchstäblich auf der Straße sitzt. Sie stellt den Kontakt her und überredet ihre Mutter, immer wieder und immer zu mehr.

Daraus entwickelt sich eine intensive, packende, ungeschminkte Annäherung, weil zwei annähernd gleich starke, von tiefem Leid und extremer Verzweiflung geprägte Persönlichkeiten aufeinandertreffen, die mit Mut und Courage an den seelischen Krusten der jeweils anderen kratzen. Samia, die sich als geschickte Helferin in Ablas kleiner Straßenbäckerei erweist, lockt Abla aus ihrer emotionalen Verhärtung; und Abla entwickelt eine Engelsgeduld, damit sich Samia auf ihr Neugeborenes einlässt.


Wie lassen sich Erstarrungen lösen

In malerischen, aber nie gebrochenen Nahaufnahmen von Händen, Gesichtern und Backwaren hält der von überflüssigen Dialogen und dramaturgischen Vorhersehbarkeiten entschlackte Film der marokkanischen Regisseurin Miryam Touzani bis zum Schluss die Fragen offen, ob sich die Erstarrungen der Protagonisten lösen lassen.

Unter den frauensolidarischen Filmen ragt „Adam“ allein schon deshalb heraus, weil er zunächst von der Unmöglichkeit von Solidarität erzählt, von den inneren Widerständen und den gegenseitigen Verdächtigungen der Frauen. In diesen Szenen, so die Jury der Katholischen Filmkritik, manifestieren sich die Folgen einer patriarchalen Gesellschaft, die Frauen keine Rechte und nur geringe Handlungsräume einräumt, ihnen dafür aber eine Überfülle an moralischen Verhaltensregeln auferlegt.

Das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern kristallisiert sich hier an der Frage nach Kindern heraus; Schwangerschaften markieren hier ein Höchstmaß an Bedrohung, im Falle von Adam droht einer ledigen Mutter sogar der radikale gesellschaftliche Ausschluss, weshalb sie lieber ihr Neugeborenes fortgibt, als verstoßen zu werden. „Durch seine Thematik ist ,Adam‘ damit beinahe ein Weihnachtsfilm“, heißt es in der Jurybegründung, „ob ein hoffnungsvoller oder eher doch hoffnungsloser, bleibt der Interpretation der Zuschauenden überlassen“.

Adam“ von Miryam Touzani läuft ab Donnerstag, 9. Dezember, in den deutschen Kinos.



Der Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ ist ein Qualitätssiegel, mit dem Filme hervorgehoben werden, die in besonderer Weise religiöse Themen aufgreifen, von menschlichen Nöten, Sorgen und Hoffnungen erzählen und Antworten auf existenzielle Fragen formulieren.

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