© European Film Awards 2021 (Beitrag fürs Weltkino: Susanne Bier)

Kultur endet nicht an Grenzen - Europäische Filmpreise 2021

Sonntag, 12.12.2021

Bericht über die Gala der 34. Europäischen Filmpreise 2021 und eine Übersicht über die Preisträger

Diskussion

Bei der Preisgala der 34. Europäischen Filmpreise unterstrichen die Laudatoren unisono die Bedeutung von Kooperationen und internationaler Zusammenarbeit. Die neue deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth bekräftigte, dass kulturelles Schaffen nicht an Grenzen Halt machen kann. Gewinner des Abends und bester europäischer Film ist „Quo vadis, Aida?“ von Jasmila Žbanić.


Wie steht es um den Kontinent Europa am Ende des Jahres 2021? Die Verleihung der Europäischen Filmpreise ist zwar keine politische Veranstaltung, doch die neue deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth bekräftigte bei ihrem ersten wichtigen Termin im neuen Amt, dass Kultur nicht an Grenzen aufhöre. Auch andere Stellungnahmen bei der 34. Ausgabe am 11. Dezember 2021 in Berlin hoben nachdrücklich den Wert internationaler Kooperation hervor, was durch die Corona-Einschränkungen der Veranstaltung noch unterstrichen wurde. Während nur einige der Preisträger in Berlin vor Ort sein konnten, nahmen die anderen Nominierten via Video-Schaltungen an der Verleihung teil. Der in der Corona-Zeit mittlerweile sattsam vertraute Notbehelf kam hier paradoxerweise der Preisgala zugute: So überzeugend international hat sich die Gala in anderen Jahren selten präsentiert.

Bester Animationsfilm, bester Dokumentarfilm: "Flee" (European Film Awards 2021)
Bester Animationsfilm, bester Dokumentarfilm: "Flee" (© European Film Awards 2021)

Dazu passten auch die beiden Filme, die mit den meisten Preisen im Zentrum der Zeremonie standen. In dem animierten Drama „Flee“ des dänischen Regisseurs Jonas Poher Rasmussen, der vom Trauma eines afghanischen Flüchtlings handelt, taucht Europa sowohl als Sehnsuchtsbild wie auch in der ernüchternden Realität auf; die Jury bedachte dies sowohl in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ wie auch in der des „Besten Dokumentarfilms“ mit Auszeichnungen. Außerdem gewann der Film den „European University Award“, und auch der „Eurimages Co-Produktionspreis“ ging mit der Norwegerin Maria Ekerhovd an eine von zahlreichen Co-Produzentinnen von „Flee“, an dessen Entstehung neben Dänemark neun weitere Länder beteiligt waren.


Ein Signal für das Erinnern

Damit befand „Flee“ sich in bester Gesellschaft zum Hauptpreisträger der 34. Europäischen Filmpreise: dem von Bosnien-Herzegowina und acht weiteren europäischen Staaten produzierten Drama „Quo vadis, Aida?“ das neben dem Preis als „Bester europäischer Film“ auch den für die beste Regie von Jasmila Žbanić und den der besten Darstellerin Jasna Duricic auf sich vereinen konnte.

Als Film über das Massaker von Srebrenica im Jugoslawienkrieg hatte „Quo vadis, Aida?“ durch seine kritische Beschäftigung mit der europäischen Vergangenheit schon unter den Nominierten hervorgestochen; die Auszeichnungen verstärkten so nun das Signal seiner filmischen Erinnerungsarbeit.

Neben der Internationalität war die Gala aber auch eine Feier, die speziell weibliche Filmschaffende ins Licht rückte. So konnte die ungarische Altmeisterin Márta Mészáros in einem vorab aufgezeichneten Beitrag den Ehrenpreis aus den Händen ihrer Landsfrau und Kollegin Ildikó Enyedi entgegennehmen, die dänische Regisseurin Susanne Bier wurde für ihren „Beitrag zum Weltkino“ geehrt. Und auch die Preise für die „Beste Komödie“, den „Besten Kurzfilm“ und eine „Europäische Entdeckung“ gingen mit „Ninjababy“, „My Uncle Tudor“ und „Promising Young Woman“ an Werke von Regisseurinnen; die deutsche Dokumentarfilmerin Maria Speth war mit ihrem außergewöhnlichen Lehrer- und Schülerporträt „Herr Bachmann und seine Klasse“ allerdings nicht unter den Preisträgerinnen.

Europäische Entdeckung: "Promising Young Woman" (UPI)
Europäische Entdeckung: "Promising Young Woman" (© UPI)

Keinen Preis gab es auch für Franz Rogowskis Interpretation eines homosexuellen Strafgefangenen in „Große Freiheit“. Bei den europäischen Darstellern konnte Anthony Hopkins für sein außergewöhnliches Porträt eines Demenzkranken in „The Father“ gewinnen, für den er bereits unter anderem bei den „Oscars“ ausgezeichnet worden war. „The Father“ gewann zudem auch den Drehbuchpreis. Trösten konnte sich „Große Freiheit“ mit den bereits zuvor verkündeten Auszeichnungen für Kamera und Musik, womit das deutsche Kino an diesem Abend zumindest nicht ganz außen vor blieb.


Die Europäischen Filmpreise 2021


Bester europäischer Spielfilm 2021

"Quo vadis, Aida?", Regie: Jasmila Žbanić


Beste europäische Komödie 2021

"Ninjababy", Regie: Yngvild Sve Flikke


Bester europäischer Dokumentarfilm 2021

"Flee", Regie: Jonas Poher Rasmussen


Europäische Entdeckung – Fipresci Preis

"Promising Young Woman", Regie: Emerald Fennell


Bester europäischer Animationsfilm

"Flee", Regie: Jonas Poher Rasmussen


Bester europäischer Kurzfilm

"My Uncle Tudor", Regie: Olga Lukownikowa


Beste europäische Regie

Jasmila Žbanić für „Quo vadis, Aida?“


Beste europäische Darstellerin

Jasna Duricic für „Quo vadis, Aida?“


Bester europäischer Darsteller

Anthony Hopkins in „The Father“


Bestes europäisches Drehbuch

Florian Zeller, Christopher Hampton für „The Father“


Beste europäische Kamera

Crystel Fournier für GroßeFreiheit


Bestes europäisches Szenenbild

Márton Ágh für „Das Licht in den Birkenwäldern“


Bestes europäisches Kostümbild

Michael O’Connor für Ammonite


Bester europäischer Schnitt

Mucharam Kabulowa für „Unclenching the Fists“


Bestes europäische Make-Up- und beste Frisurengestaltung

Flore Masson, Olivier Afonso, Antoine Mancini für Titane


Bester europäischer Filmkomponist

Nils Petter Molvaer, Peter Brötzmann für "Große Freiheit"


Bestes europäisches Sounddesign

Gisle Tveito, Gustaf Berger für „De Uskyldige“


Beste europäische Visuelle Effekte

Peter Hjorth, Fredrik Nord für Lamb


Europäischer Preis für innovatives Storytelling

Steve McQueen für Small Axe


Lebenswerk

Márta Mészáros


Europäischer Beitrag zum Weltkino

Susanne Bier


European University Award

Fleevon Jonas Poher Rasmussen


Eurimages Co-Produktionspreis

Maria Ekerhovd


Hinweis

Alle Gewinner und viele weitere Informationen finden sich auf der Website der Europäischen Filmpreise

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