© imago images/Chris Emil Janßen (Kulturstaatsministerin Claudia Roth)

"Kultur ist der Kitt der Gesellschaft" - Das Filmjahr 2021 (II)

Sonntag, 02.01.2022

Auch im Herbst und Winter 2021 bestimmte die Corona-Pandemie weithin das Geschehen in der Filmbranche. Die Kino öffneten endlich wieder, die großen Festivals wie Cannes, Locarno oder Venedig fanden statt, doch eine verlässliche Planung ist noch lange nicht in Sicht

Diskussion

Der Regierungswechsel in Berlin beförderte die frühere „Ton Steine Scherben“-Managerin Claudia Roth auf den Sessel der Kulturstaatsministerin. Die Filmbranche hofft auf eine starke Streiterin an ihrer Seite, da COVID-19 weiterhin heftig an den Kinos rüttelt. Die zweite Jahreshälfte 2021 war erneut vom Auf und Ab der Pandemie geprägt. Eine Rückschau in sechs Kapiteln.


Zum ersten Teil des Jahresrückblicks 2021 über die Monate Januar bis Juni geht es hier.


Juli


Zum 1. Juli öffnete ein Großteil der deutschen Kinos nach langem Stillstand wieder die Tore. Das Publikum wusste das Comeback zu honorieren. In den ersten vier Tagen kamen 830.000 Besucher und generierten einen Umsatz 6,9 Millionen Euro. Dabei hatte etwa ein Drittel der Filmtheater den Betrieb noch gar nicht aufgenommen. Und auch die Kinos konnten wegen unterschiedlich hoher Hygiene-Vorschriften in den einzelnen Bundesländern und der Begrenzung der Sitzplätze auf teilweise nur 25 Prozent nur mit angezogener Handbremse operieren. Der erfolgreichste neu gestartete Titel war der US-Film „Godzilla vs. Kong“ mit 134.000 Zuschauern. Die Arthouse-Kinos konnten weit mehr als doppelt so viele Zuschauer begrüßen wie am ersten Juliwochenende 2020, als nach dem ersten Lockdown die Kinos wieder öffneten. Am besten schnitten der „Nomadland“ von Chloé Zhao und Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“ ab. „Besser hätten wir uns die Öffnung der Kinos kaum vorstellen können“, sagte Vorsitzende der AG Kino-Gilde, Christian Bräuer. „Die Sehnsucht der Menschen nach dem Kino ist offenkundig ungebrochen.“ Begleitet wurde der Re-Start an vielen Orten durch Begrüßungsaktionen für die Gäste. Alle fünf Kino- und Verleihverbände hatten im Mai den 1. Juli als gemeinsamen Termin für die Wiedereröffnung festgelegt, da es sich aus ihrer Sicht nur lohnt, neue Filme herauszubringen, wenn nahezu alle Spielstätten im Bundesgebiet geöffnet sind. Im Vorfeld hatte der Verband HDF Kino eine eigene Werbekampagne gestartet, um die Lust auf das Kino wieder zu wecken.

Kassenmagnet im zweiten Halbjahr: "Godzilla vs. Kong" (Warner Bros.)
Kassenmagnet im zweiten Halbjahr: "Godzilla vs. Kong" (© Warner Bros.)

Wegen der Corona-Pandemie ist der Kinomarkt in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich seit 2020 um 70,2 Prozent auf geschätzte 300 Millionen verkaufte Tickets eingebrochen. Das teilte die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle am 1. Juli in Straßburg anlässlich der Wiedereröffnung der Kinos in Deutschland mit. Im Jahr 2019 hätten die Kinobetreiber noch mehr als eine Milliarde Eintrittskarten abgesetzt; das sei der höchste Stand seit 2004 gewesen. Die Einspielergebnisse sackten in Folge der Coronakrise von 7,2 Milliarden Euro auf 2,13 Milliarden Euro ab. Auch wenn alle europäischen Länder Besucherrückgänge hinnehmen mussten, so fielen diese doch sehr unterschiedlich aus. In Dänemark gab es ein Minus von 44 Prozent und in Estland von 51 Prozent, während die Besucherzahlen in Zypern mit minus 79 Prozent und in Rumänien mit minus 77 Prozent besonders stark absackten. Der durchschnittliche Eintrittspreis in der EU konnte mit 7,10 Euro aber gehalten werden.


Einer der Wegbereiter des klassischen Actionfilms, der US-Regisseur Richard Donner, verstarb am 5. Juli mit 91 Jahren. Donner zählt zu den eher handwerklich orientierten Regisseuren, deren Filme mitunter auch Genre-Geschichte schrieben. Mit „Das Omen“ (1976), „Superman“ (1978), dem Kinder-Abenteuerfilm „Die Goonies“ (1985) und „Zwei stahlharte Profis“ schuf er wirkungsreiche Genre-Klassiker. Donner wurde 1930 als Richard D. Schwartzberg in der Bronx geboren und wuchs in New York auf, bevor er die New York University besuchte und anschließend zum Militär ging. Zwischen 1960 und 1975 drehte er zahlreiche Fernsehserien. Mit späteren Filmen wie „Fletchers Visionen“ (1997) oder „Timeline“ (2003) reichte er nicht mehr an seine früheren Erfolge heran. Zusammen mit seiner Frau Shuler Donner produzierte er in den 1990er- und 2000er-Jahren erfolgreiche Filme wie „Free Willy“ und „X-Men“. Donner war auch als Unterstützer der Tierschutzorganisation PETA bekannt.


Die Flutkatastrophe infolge des extremen Starkregens am 14. und 15. Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat auch etliche Kinos verwüstet oder beschädigt. Der Verband HDF Kino teilte mit, dass das Hochwasser etwa 50 Leinwände tangiert habe, auf denen vorerst keine Filme mehr gezeigt werden können. In Gemeinden wie Bad Neuenahr-Ahrweiler und Euskirchen sind Substanzschäden zu befürchten. Viele Kinobetreiber waren umso verzweifelter, da sie ihre Häuser nach der Corona-Schließung gerade erst wieder geöffnet hatten. Die Wasserfluten legten auch große Kinos in Wuppertal, Hagen und Düsseldorf lahm. In manchen Filmtheatern wurden nur Kellerräume geflutet wie in Altena, in anderen aber standen ganze Kinosäle unter Wasser. In einer ersten Reaktion kündigte die Filmförderungsanstalt FFA ein schnelles Soforthilfeprogramm an, wie es dies auch schon bei den Hochwasserkatastrophen in den Jahren 2002 und 2013 gab. „Jetzt kommt es darauf an, den Kinos, die ja gerade die Coronakrise überstanden haben, schnell und unbürokratisch zu helfen", erklärte der FFA-Vorstand.


Mit einer doppelten Überraschung ging das 74. Filmfestival in Cannes (6.-17.7.) das 2020 praktisch ausgefallen war und in diesem Jahr vom Mai auf den Juli verschoben wurde, zu Ende. Die Jury vergab die Goldene Palme an das bizarre französische Horrordrama von Julia Ducournau, das mit provozierenden Bildern und schockierenden Darstellungen traditionelle Geschlechtergrenzen in Frage stellt. Zu Beginn der Abschlusszeremonie beging Jurypräsident Spike Lee den Fauxpas, indem er versehentlich enthüllte, wer den Spitzenpreis gewinnt. Ducournau war damit erst die zweite weibliche Gewinnerin der Goldenen Palme nach Jane Campion mit „Das Piano“ (1993). Den Großen Preis der Jury teilten sich das Road Movie „Hytti No 6“ von Juho Kuosmanen und das iranische Gesellschaftsdrama „A Hero“ von Asghar Farhadi. Den Preis für die beste Regie gewann Léos Carax mit dem Musical „Annette“. Die 33-jährige Norwegerin Renate Reinsve wurde für ihre Leistung in „The Worst Person in the World“ von Joachim Trier als beste Schauspielerin ausgezeichnet, während Caleb Landry Jones in „Nitram“ von Justin Kurzel als bester Darsteller geehrt wurde. Den Preis für das beste Drehbuch ging an Ryusuke Hamaguchi für „Drive My Car“, das auch die FIPRESCI-Jury und Ökumenische Jury überzeugte. Zum Festivalauftakt wurde Jodie Foster mit der Ehrenpalme ausgezeichnet. Bei der Abschlussgala erhielt der 81-jährige Regisseur Marco Bellocchio aus Italien die Ehrenpalme.

Preis der Ökumenischen Jury in Cannes: "Drive My Car" (C&I Entertainment)
Preis der Ökumenischen Jury in Cannes: "Drive My Car" (© C&I Entertainment)

In der DDR war Herbert Köfer über Generationen hinweg ein Publikumsliebling. Rund 80 Jahre stand der Schauspieler auf der Bühne und vor der Kamera. Bekannt wurde der gebürtige Berliner vor allem mit seiner Rolle als Opa Paul Schmidt in der Fernsehserie „Rentner haben niemals Zeit“. Köfer spielte zudem in DEFA-Filmen wie „Nackt unter Wölfen“ mit und moderierte als Sprecher die Sendung „Aktuelle Kamera“. Der vielseitige Künstler war auch als Synchronsprecher tätig. Am 24. Juli starb Herbert Köfer ein knappes halbes Jahr nach seinem 100. Geburtstag. Seine Karriere hatte in den 1940er-Jahren am Theater begonnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er beim DDR-Fernsehen, wo er 1952 die ersten Nachrichten verlas. Nach 1989 war er auch im vereinten Deutschland als Darsteller gefragt. So trat er in Serien wie „SOKO Leipzig“ oder „Ein starkes Team“ auf. Noch vor wenigen Monaten stand Köfer für einen Gastauftritt bei der Serie „In aller Freundschaft“ anlässlich seines 100. Geburtstags vor der Kamera. Sein hohes Alter sah man ihm nicht an. Mit fast 90 Jahren hatte er sich am Seddiner See in Brandenburg noch ein neues Haus gebaut.


August


Der Filmverleiher, Kinobesitzer und Produzent Hanns Eckelkamp verstarb am 5. August im Alter von 94 Jahren in Berlin. Das Branchenmagazin „Blickpunkt: Film“ nannte ihn ein „Urgestein der deutschen Filmbranche“. Eckelkamp macht sich in den 1960er-Jahren vor allem als Gründer des Atlas Filmverleih einen Namen, der Filmklassiker wie „Kinder des Olymp“, „Das Schweigen“, „Goldrausch“, aber auch Meilensteine des Westernfilms sowie Arbeiten von Akira Kurosawa und Yasujiro Ozu zugänglich machte. Am 28. Februar 1927 geboren, gründete Eckelkamp 1946 in Münster sein erstes Kino. 1963 engagierte sich der studierte Jurist erstmals als Produzent bei Will TrempersDie endlose Nacht“. In den 1980er-Jahren agierte Eckelkamp als Förderer und Co-Produzent von Filmen von Rainer Werner Fassbinder. 2005 erhielt er für seine Verdienste um die Filmkunst in Deutschland das Bundesverdienstkreuz.


Das 74. Locarno Film Festival (4.-14.8.) ging nach der coronabedingten kleinen Online-Ausgabe im Vorjahr dieses Jahr wieder in physischer Form über die Bühne, wenn auch gleichsam mit angezogener Handbremse. Die erste Ausgabe des Schweizer A-Festivals unter der künstlerischen Leitung von Giona A. Nazzaro zeigte rund 200 kurze und lange Filme. Mehr als 75.000 Zuschauer pilgerten in die Kinos der Stadt am Lago Maggiore – nur halb so viel wie 2019 vor der Pandemie. Zum Abschluss vergab die Jury unter der Leitung der US-Regisseurin Eliza Hittman den „Goldenen Leoparden“ an das Historiendrama „Die Rache ist mein, alle anderen zahlen bar“ des indonesischen Regisseurs Edwin. Ein Spezialpreis wurde dem chinesischen Beitrag „Jiao Ma Tang Hui“ von Qiu Jiongjiong zuerkannt. Zum besten Regisseur wurde Abel Ferrara für den Politthriller „Zeros and Ones“ mit Ethan Hawke gekürt. Im Hauptwettbewerb gewann Anastasiya Krasovskaya den Preis als beste Schauspielerin für ihre Performance in der russischen Sozialstudie „Gerda“ von Natalya Kudryashova. Der Preis für den besten Hauptdarsteller ging ex aequo an Mohamed Mellali und Valero Escolar für die Arbeiterkomödie „Seis días Correntes“ von Neus Ballús. Im der Reihe „Cineasti del presente“ wurde Saskia Rosendahl als beste Darstellerin für ihre Leistung in „Niemand ist bei den Kälbern“ von Sabrina Sarabi ausgezeichnet. Zur Eröffnung war die französische Schauspielerin Laetitia Casta mit dem „Excellence Award“ geehrt worden.

Beste Darstellerin in Locarno: Saskia Rosendahl in "Niemand ist bei den Kälbern" (Filmwelt)
Beste Darstellerin in Locarno: Saskia Rosendahl in "Niemand ist bei den Kälbern" (© Filmwelt)

Das befürchtete große Kinosterben infolge der langanhaltenden Corona-Beschränkungen ist vorerst ausgeblieben. Das geht zumindest aus der Halbjahresbilanz der Filmförderungsanstalt (FFA) hervor, die am 28. August in Berlin veröffentlicht wurde. Die Zahl der Kinounternehmen sank demnach in den ersten sechs Monaten um vier auf 1223, das entspricht einem Minus von 0,3 Prozent. Die Zahl der Säle ging um 37 auf 4.892 zurück, ein Minus von 0,8 Prozent. Und die Zahl der Spielstätten nahm um 18 auf 1.716 ab, ein Rückgang von 1,0 Prozent. Alle diese Zahlen liegen laut FFA immer noch über denen des Vergleichszeitraums 2019. Etwas stärker fiel der Rückgang bei den Sitzplätzen aus, die um 13.631 oder 1,7 Prozent abnahmen. „Natürlich sind die Kinos noch längst nicht über den Berg, auch können durch die gesetzliche Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende April 2021 noch Ausfälle bekannt werden“, sagt FFA-Vorstand Peter Dinges. „Insgesamt aber scheinen die Kinos in ihrer Gesamtheit bis jetzt relativ unbeschadet durch die zuletzt siebenmonatige Schließungszeit gekommen zu sein. Es tut gut zu sehen, dass die Maßnahmen und Hilfsprogramme des Bundes, der FFA und der Länder gewirkt haben, so dass wir jetzt, bei wieder geöffneten Kinos, sagen können: Das Kino lebt.“


Auf dem 55. Internationalen Filmfestival Karlovy Vary (20.-28.8.), das im Vorjahr wegen Corona ausgefallen war, gewann das Flüchtlingsdrama „As far as I can walk“ des serbischen Regisseurs Stefan Arsenijević den Hauptpreis. Es handelt von einem Paar aus Ghana, das in Europa ein neues Leben aufbauen will. Der Film gewann auch den Preis der Ökumenischen Jury. Der französische Hauptdarsteller Ibrahim Koma wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet. Der deutsche Regisseur Dietrich Brüggemann errang mit der Tragikomödie „Nö“ den Preis für die beste Regie. Die Auszeichnungen des Festivalpräsidenten gingen an den US-Schauspieler Ethan Hawke sowie den tschechischen Regisseur Jan Svěrák; der britische Schauspieler Michael Caine wurde für sein Lebenswerk geehrt. Der Wettbewerbsbeitrag „The Exam“ des irakischen Regisseurs Shawkat Amin Korki erhielt den FIPRESCI-Preis. Die Schauspielerin Éléonore Loiselle wurde für ihre darstellerische Leistung in „Wars“ ausgezeichnet. Den Publikumspreis ging an den Film „Zátopek“ des Prager Regisseurs David Ondricek.


September


In seinem Heimatland galt Mikis Theodorakis als Volksheld und Aushängeschild der griechischen Musik. Theodorakis war jedoch nicht nur Komponist, sondern auch Schriftsteller und Politiker. Am 2. September verstarb der Künstler, der mit der Filmmusik zu „Alexis Sorbas“ (1964) Weltruhm errang, im Alter von 96 Jahren in Athen. Die Sirtaki-Titelmelodie zählt inzwischen zu den bekanntesten griechischen Musikstücken. Während der Militärdiktatur (1967-1974) wurde Theodorakis, der schon im Zweiten Weltkrieg gegen die deutschen Besatzungstruppen gekämpft hatte, für viele seiner Landsleute zur Ikone des politischen Widerstands. Seine letzte Ruhestätte fand der Komponist nach einer dreitägigen Staatstrauer in einem Vorort von Chania auf der Insel Kreta, wo sich auch die Gräber seiner Eltern und seines Bruders befinden.


Während andere Festivals infolge der Corona-Pandemie ausfielen oder ins Internet ausweichen mussten, erwiesen sich die 78. Filmfestspiele in Venedig (1.-11.9.) erneut als ein Fels in der Brandung. Das strikte Sicherheitskonzept mit digitalem Ticketing, Maskenpflicht, Tests und halber Auslastung der Kinosäle bewährte sich. Die Filmschau lockte wieder mit reichlich Glamour und vielen Premieren. Bemerkenswert war diesmal, dass nach dem „Oscar“ für Chloé Zhao und der Goldenen Palme für Julia Ducournau nun auch in Venedig der Hauptpreis an eine Regisseurin ging. Die 40-jährige Französin Audrey Diwan errang mit dem Abtreibungsdrama „L'événement“" den Goldenen Löwen. Auch in anderen Bereichen setzten sich weibliche Filmschaffende durch: Die Neuseeländerin Jane Campion gewann für den Neo-Western „The Power of the Dog“ den Silbernen Löwen für die beste Regie, die US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal den Drehbuchpreis für ihr Regiedebüt „Frau im Dunkeln“. Penelópe Cruz wurde als beste Schauspielerin in „Parallel Mothers“ ausgezeichnet, John Arcilla für seine Rolle in „On the Job: The Missing 8“. Der Große Preis der Jury ging an „The Hand of God“ von Paolo Sorrentino. Filippo Scotti wurde für seinen Part in „The Hand of God“ als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet.


Mit einer offiziellen Trauerzeremonie im Ehrenhof des Invalidendoms in Paris verabschiedete sich Frankreich am 9. September von dem Schauspieler Jean-Paul Belmondo. Die Trauerrede hielt Staatspräsident Emmanuel Macron, der Belmondo als Ausnahmekünstler würdigte. Belmondo starb am 9. September im Alter von 88 Jahren. In seiner langen Karriere war „Bébel“ in mehr als 80 Filmen vor der Kamera gestanden und hatte mehr als 40 Theaterrollen gespielt. Berühmt wurde er durch Jean-Luc Godards Gangsterfilm „Außer Atem“ (1960). Mit dieser Antiheldenfigur avancierte er zum zentralen Gesicht der Nouvelle Vague und wurde zum Symbol für Draufgängertum und Rebellion. Der Sohn eines Bildhauers und einer Tänzerin wirkte in Klassikern wie „Elf Uhr nachts“, aber auch in zahlreichen Komödien und Actionfilmen wie „Das As der Asse“ oder „Angst über der Stadt“ mit. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2001 brauchte er Jahre, um wieder sprechen zu lernen. 2017 wurde Belmondo mit dem „César“, dem wichtigsten französischen Filmpreis, für sein Lebenswerk geehrt.

Abschied von Jean-Paul Belmondo (imago/IP3press)
Abschied von Jean-Paul Belmondo (© imago/IP3press)

Der Streaminganbieter Netflix will sein Engagement in Deutschland, Österreich und in der Schweiz verstärken. Bis 2023 soll eine halbe Milliarde Euro in 80 deutschsprachige Serien, Filme und Shows investiert werden. Das gab Netflix-Co-Chef Reed Hastings am 15. September bei der Eröffnung eines neuen Büros in Berlin bekannt. Dort sollen künftig alle Aktivitäten der Plattform in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) koordiniert werden. Aktuell zählt Netflix elf Millionen zahlende Kunden in dieser Region. „Deutschsprachige Inhalte werden auf der ganzen Welt gesehen, weshalb Deutschland, Österreich und die Schweiz für uns eine der wichtigsten Regionen weltweit ist“, sagte Hastings. Zwischen 2018 und 2020 habe man über 40 Eigenproduktionen aus der DACH-Region veröffentlicht. „Nun werden wir unser Investment in deutschsprachige Inhalte in den nächsten drei Jahren verdoppeln.“ Nach Amsterdam, London, Madrid und Paris ist Berlin das fünfte europäische Büro des US-Unternehmens.


Paul Verhoevens neuer Film „Benedetta“ wurde in Russland Opfer der Zensur. Das Kulturministerium in Moskau erteilte keine Vertriebserlaubnis, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass am 18. September meldete. Der Spielfilm über eine Nonne, die im Italien des 17. Jahrhunderts eine lesbische Beziehung zu einer anderen Nonne unterhält, hätte Anfang Oktober in den russischen Kinos starten sollen. Der Film enthalte eine provokante Szene, die gegen russische Gesetze zum Schutz der Gläubigen und der Religionsausübung verstoße. Filme mit homosexueller Thematik erregen in Russland oft Widerspruch und tun sich schwer, eine Zulassung für die öffentliche Vorführung zu erhalten.


Im Zeichen starker Frauen stand die Preisverleihung des 69. Internationalen Filmfestivals in San Sebastian (17.-25.9.). Mit der „Goldenen Muschel“ wurde das rumänische Sozialdrama „Blue Moon“ von Alina Grigore. Sie erzählt von zwei jungen Frauen, die aus familiären Traditionen und sexueller Unterdrückung ausbrechen wollen. Damit ging der Hauptpreis des größten Festivals der spanischsprachigen Welt zum ersten Mal nach Rumänien. Die Silberne Muschel für die beste Hauptrolle wurde zwischen Jessica Chastain für ihre Rolle in „The Eyes of Tammy Faye“ und der 16-jährigen Flora Ofelia Hofmann Lindahl in „As in Heaven" aufgeteilt, dessen Regisseurin Tea Lindeburg die Silberne Muschel für die beste Regie gewann. Den Nebendarstellerpreis sicherte sich das Ensemble von „Who’s Stopping Us“. Den Spezialpreis der Jury gewann Lucile Hadzihalilovic für die britisch-französisch-belgische Co-Produktion „Earwig“.


Oktober


Noch vor einem Jahr war der Deutsche Filmpreis online ohne Publikum vergeben worden. Dieses Jahr fand die 71. Verleihung wieder vor 1200 Gästen im Palais unter dem Funkturm in Berlin statt. Die Gala war wegen der Corona-Pandemie vom Frühjahr auf den 1. Oktober verschoben worden. Als Überraschungssieger entpuppte sich die Tragikomödie „Ich bin dein Mensch“: Die Produzentin Lisa Blumenberg erhielt den Filmpreis in Gold für den besten Spielfilm, Maria Schrader gewann den Regiepreis und teilte sich den Drehbuchpreis mit Jan Schomburg, während Maren Eggert als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Ebenfalls vier Preise erhielt der Science-Fiction-Thriller „Tides“ von Tim Fehlbaum, der in den technischen Nebenkategorien abräumte. Dominik Grafs Historiendrama „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ war mit zehn Nominierungen als Favorit in die Verleihung gegangen. Es erhielt aber nur die Silberne Lola in der Kategorie Bester Spielfilm. Bronze ging an die Politiksatire „Curveball - Wir machen die Wahrheit“ von Johannes Naber. Als bester Hauptdarsteller wurde Oliver Masucci für seine Leistung in „Enfant terrible“ gekürt, bester Dokumentarfilm wurde „Herr Bachmann und seine Klasse“ und bester Kinderfilm „Die Adern der Welt“. Die Komödie „Nightlife“ von Simon Verhoeven wurde als besucherstärkster Film ausgezeichnet. Verhoevens Mutter, die 80-jährige Schauspielerin Senta Berger, erhielt den Ehrenpreis für ihre Verdienste um den deutschen Film. Der Deutsche Filmpreis ist mit knapp 3 Millionen Euro die höchstdotierte Kulturauszeichnung in Deutschland und wird nach einer dreistufigen Wahl durch die Mitglieder der Deutschen Filmakademie vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in bis zu 18 Kategorien vergeben.

Simon Verhoeven und das Team von "Nightlife" (Eventpress Radke)
Simon Verhoeven und das Team von "Nightlife" (© Eventpress Radke)

Kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit ehrte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 14 Bürgerinnen und Bürger mit dem Bundesverdienstkreuz, die sich um das Kulturleben in Deutschland verdient gemacht haben. Kultur sei Grundbedingung für das Gelingen der Demokratie, sagte Steinmeier bei der Verleihung am 1. Oktober. Angesichts der sozialen Nöte, in die viele Künstler und Freiberufler während der Corona-Pandemie gerieten, sprach sich Steinmeier für stärkere Hilfen aus. Ausgezeichnet wurden unter anderem der Schauspieler Burghart Klaußner und der Filmregisseur Christian Petzold. Klaußner verkörpere in vielen Rollen „sehr eindringlich Charaktere, an denen sich die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderung zeigt“, heißt es in der Begründung. Mit Blick auf den Auftritt als Fritz Bauer in „Der Staat gegen Fritz Bauer" wurde betont: „Dass heute auch jungen Menschen bekannt ist, wie in der Bundesrepublik die Aufarbeitung der NS-Verbrechen unter großen Schwierigkeiten begann, dazu hat auch Burghart Klaußner beigetragen.“ Christian Petzold wurde als Mitbegründer der „Berliner Schule“ und „herausragender Kulturbotschafter Deutschlands“ geehrt. Mit Filmen wie „Barbara“ hat er, „den Puls unserer Gesellschaft“ erkundet. Seine Filme zeigten am Beispiel von Einzelschicksalen gesellschaftspolitische Zustände und Entwicklungen auf und wiesen stets auch auf die deutsche Geschichte zurück.


Bund, Länder und Fördereinrichtungen haben zur Eindämmung der Folgen der Corona-Krise mehrere Hilfspakete geschnürt. Dazu gehört das „Zukunftsprogramm Kino II. Der Bewilligungszeitraum für dieses Programm wurde bis zum 31. Dezember verlängert, wie die Filmförderungsanstalt im Oktober mitteilte. Die Verwendungsnachweise der geförderten Maßnahmen müssen bis Ende September 2022 vorgelegt werden. Für das „Zukunftsprogramm Kino II“ stehen 20 Millionen Euro zur Unterstützung von Kinos bei der Wiedereröffnung und dem Weiterbetrieb nach ihrer pandemiebedingten Schließung zur Verfügung. Es ist Teil des Konjunkturprogramms "Neustart Kultur" und dient dem Ziel, die Kinoinfrastruktur in Deutschland nachhaltig zu stärken und damit einen Beitrag zur Sichtbarkeit insbesondere des deutschen und europäischen Kinofilms in der Fläche zu leisten. Das „Zukunftsprogramm Kino II“ ergänzt das „Zukunftsprogramm Kino I“, das sich an kleinere Kinos im ländlichen Raum und Arthouse-Kinos richtet.


Beim Filmfest München prägte Eberhard Hauff eine ganze Ära. Unter seiner Leitung ging 1983 die erste Ausgabe des Festivals über die Bühne. Zwei Jahrzehnte lang stand Hauff an der Spitze des Filmfestes, ehe er den Posten an Andreas Ströhl übergab. Im Alter von 89 Jahren ist Hauff am 13. Oktober verstorben. „Er war einer der treibenden Motoren einer Gruppe Filmschaffender, die es sich Anfang der Achtziger zum Ziel gesetzt hatten, vor allem für den deutschen Film eine Plattform mit überregionaler Strahlkraft zu schaffen“, erinnerte das Filmfest an den Gründervater. Hauff war in den 1960er- und 1970er-Jahren als Autor, Regisseur und Produzent tätig. Auch in zahlreichen Gremien und Verbänden setzte er sich mit großer Leidenschaft für den deutschen Film und die Filmkultur ein. So gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Bundesverbands Regie, den er 33 Jahre leitete. Zudem war er viele Jahre lang im Vorstand der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und im Verwaltungsrat der Filmförderungsanstalt tätig.


Bei der Vergabe der Studenten-Oscars waren neben 15 Studierenden aus aller Welt auch zwei deutsche Nachwuchsregisseure erfolgreich. Der jordanische Regisseur Murad Abu Eisheh, Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, gewann für „Tala’vision“ in der Rubrik „Narrative (International Film Schools)“ den Student Academy Award in Gold. Sein halbstündige Kurzspielfilm erzählt, wie ein fußballbegeistertes achtjähriges Mädchen im Bürgerkriegsland Syrien Trost und Freiheit allein im Fernseher findet, auf dem sie Fußballspiele sehen kann. Die Trophäe in Silber in der gleichen Kategorie sicherte sich Simon Denda mit „Adisa“, seinem Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Der 1987 in Karlsruhe geborene Filmemacher realisierte den Kurzspielfilm in Kenia nach einer wahren Begebenheit in einem Dorf an der somalischen Grenze, das Ziel eines Terrorangriffs wurde. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Preise in einer Online-Zeremonie vergeben. In diesem Jahr hatten 210 US-amerikanische und 126 internationale Hochschulen mehr als 1400 Beiträge eingereicht. Die Gewinnerfilme nehmen auch am Oscar-Wettbewerb 2022 teil.


November


Rheinland-Pfalz hat als letztes deutsches Bundesland eine eigene Film- und Medienförderung eingeführt. Bei der Eröffnung des Mainzer Filmfestivals „Filmz“ sagte Kulturministerin Katharina Binz am 5. November im Mainzer Staatstheater: „Ein lang gehegter Traum geht endlich in Erfüllung: Es gibt jetzt auch eine Medien- und Filmförderung in Rheinland-Pfalz.“ Für die erste Runde wurden Fördergelder von 380.000 Euro in Aussicht gestellt. Ab 2022 steigt die Fördersumme auf mehr als eine Million Euro. Das noch immer von einer studentischen Initiative getragene „Filmz“-Festival (4.-13.11.) konnte im November seinen 20. Geburtstag feiern. Anders als 2020 wurden diesmal 100 Filme nicht nur online, sondern trotz Corona-Pandemie auch im Kino gezeigt.


Die Regisseurin Jeanine Meerapfel bleibt für drei weitere Jahre Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin. Die Mitgliederversammlung bestätigte die Filmemacherin am 13. November mit großer Mehrheit im Amt. Ebenfalls mit großer Mehrheit wurde die Schriftstellerin wiedergewählt. Beide leiten die Akademie der Künste seit 2015. Meerapfel gehört der Akademie seit 1998 an. Die 78-jährige Filmemacherin ist seit 2021 auch Ehrenpräsidentin des Bundesverbands Regie. Auch die Direktor/innen und Vize-Direktor/innen der sechs Sektionen dwww.googer Akademie wurden von den Mitgliedern neu gewählt. In der Sektion Film- und Medienkunst bleiben Thomas Heise als Direktor und Helke Misselwitz als stellvertretende Direktorin im Amt. Die Akademie der Künste zählt derzeit in ihren sechs Sektionen Bildende Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst sowie Film- und Medienkunst 398 internationale Mitglieder.


Erfreulicher Besucherzuwachs beim Europäischen Kinotag. Nachdem der „European Art Cinema Day“ wegen der Corona-Pandemie 2020 ausfallen musste, lockte er dieses Jahr deutlich mehr Zuschauer an als 2019. Die Mitglieder der AG Kino Gilde zeigten am 14. November 165 Filme aus Europa, davon 20 aus Deutschland, und konnten rund 32.000 Zuschauer - und damit 18 Prozent mehr als im Jahr 2019 - begrüßen. Insgesamt beteiligten sich am 6. Europäischen Kinotag in 38 Ländern mehr als 650 Filmtheater, 144 davon in Deutschland. Ziel der Aktion ist es, die Vielfalt des Filmschaffens in den Ländern Europas sichtbar zu machen. „Der Zuspruch ist für uns ein Zeichen, dass Kino auch und gerade in schwierigen Zeiten eine große Bedeutung für die Menschen hat“, sagte der AG Kino – Gilde Vorsitzende Christian Bräuer.

Trailer zum "European Art Cinema Day" (EACD)
Trailer zum "European Art Cinema Day" (© EACD)

Bereits mit 14 Jahren gelang ihm der Durchbruch: Seine Rolle in dem berühmten Antikriegsfilm „Die Brücke“ (1959) öffnete Volker Lechtenbrink viele Türen. Danach stand er zwischen München und Hamburg auf vielen deutschen Theaterbühnen. Nach einer langen Karriere in Film, Fernsehen und Theater verstarb der Schauspieler, Regisseur, Intendant, Synchronsprecher und Schlagersänger am 22. November im Alter von 77 Jahren. Für sein Schaffen erhielt der Wahl-Hamburger, der 1944 im ostpreußischen Cranz geboren wurde, viele Preise; zuletzt nahm er in diesem Jahr am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater den renommierten Gustav-Gründgens-Preis entgegen. An diesem Theater war Lechtenbrink regelmäßig tätig, unter anderem als Intendant von 2003 bis 2006. Am Hamburger Schauspielhaus arbeitete Lechtenbrink von 1969 bis 1983, dort führte er auch Regie. Im Fernsehen trat Lechtenbrink seit 1962 auf; er wirkte in Serien von „Derrick“, „Eine glückliche Familie“ oder „Großstadtrevier“ mit. Dazu kamen Auftritte in Verfilmungen wie den „Rosamunde Pilcher“- und „Inga Lindström“-Reihen. Bekannt wurde Lechtenbrink auch durch seine unverwechselbare sonore Stimme: Als Synchronsprecher lieh er sein rauchiges Timbre unter anderem Kris Kristofferson und Burt Reynolds.


In der Nacht zum 29. November 2021 ist die Dokumentaristin Helga Reidemeister im Alter von 81 Jahren verstorben. Die Filmemacherin, die seit 2001 Mitglied der Akademie der Künste war, galt als wichtige Stimme des politisch engagierten Kinos. In den fast 40 Jahren ihres Schaffens befasste sie sich vor allem mit sozialen Themen, der Rolle der Frau in der bundesrepublikanischen Gesellschaft und zuletzt mit Afghanistan. Ihre filmischen Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und auf internationalen Festivals gezeigt. 1940 in Halle an der Saale geboren, studierte Reidemeister von 1961 bis 1965 zunächst freie Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin; von 1973 bis 1977 folgte ein Regie-Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Schon in ihren ersten Filmen zeigt sich die Beschäftigung mit konkreten Problemen der Arbeiterschaft, vor allem der Frauen, die in Filme wie „Wohnste sozial, haste Qual“ (1971) und „Von wegen ‚Schicksal‘“ (1979) mündete. In „DrehOrt Berlin“ (1987) erkundete sie Mentalitäten in Ost und West. Ihre letzten drei Filme bilden eine Trilogie über Afghanistan. So begleitet sie in „Splitter“ (2012) den Kampf eines Jungen, der mit Hilfe von Prothesen wieder laufen lernt. In „Mein Herz sieht die Welt schwarz – Eine Liebe in Kabul“ (2009) porträtiert sie zwei junge Menschen, die ihre Liebe verteidigen, welche im patriarchalen Gefüge nicht existieren darf. 2004 realisiert sie „Texas – Kabul“ über Frauen, die sich kritisch zu den politischen Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 äußern.


Dezember


Das „Zukunftsprogramm Kino I, das den Filmtheatern bei der Überwindung der Corona-Pandemie helfen soll, wird ins Jahr 2022 verlängert. Im neuen Jahr stehen für das Hilfspaket erneut 30 Millionen Euro für Fördermaßnahmen bereit, wie die Filmförderungsanstalt Anfang Dezember mitteilte. Neu ist, dass die Hälfte der Mittel aus dem Regierungsprogramm „Neustart Kultur“ stammt. Die vor dem Hintergrund der Pandemie im Mai 2020 angepassten Fördergrundsätze gelten auch in 2022. Die maximale Höhe des Bundesanteils an der Zuwendung beträgt daher weiterhin bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Förderberechtigt sind Kinos mit bis zu sieben Leinwänden, die entweder in einem Ort mit maximal 50.000 Einwohnern stehen, einen hohen Anteil an deutschen und europäischen Filmen zeigen oder innerhalb der letzten drei Jahre mit einem Kinoprogrammpreis ausgezeichnet wurden. Anträge können bis zum 7. Januar 2022 eingereicht werden. In den Jahren 2020 und 2021 waren die Fördermittel aus diesem Programm jeweils schnell ausgeschöpft. Mit der Förderung sollen Kinos in ganz Deutschland, insbesondere auch außerhalb von Ballungsgebieten, als Kulturorte gestärkt und die Sichtbarkeit des kulturell anspruchsvollen Kinofilms in der Fläche gesichert werden.


Mit nur 52 Jahren ist am 3. Dezember der Komiker Mirco Nontschew in Berlin gestorben. Der gebürtige Ost-Berliner war 1993 einem breiten Publikum bekannt geworden, als er Ensemble-Mitglied der Comedy-Show „RTL Samstag Nacht“ wurde. In den 2000er-Jahren trat er neben anderen deutschen Comedians in den Otto Waalkes-Kinofilmen „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ und „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ sowie „Otto's Eleven“ (2010) auf. Nach einer ruhigeren Phase feierte Nontschew zuletzt mit der Sendung „LOL – Last One Laughing“ auf dem Streamingportal Amazon Prime ein Comeback.


Neue Staatsministerin für Kultur und Medien ist die Grünen-Politikerin Claudia Roth. Die Vizepräsidentin des Bundestages und zweimalige Co-Vorsitzende der Grünen übernahm das Amt von Monika Grütters (CDU), die es acht Jahre innehatte. Roth hatte im Vorfeld für ihre Partei die Verhandlungen in der Arbeitsgruppe Kultur- und Medienpolitik geleitet, die die Inhalte zum Koalitionsvertrag des Ampelbündnisses vorbereitete. Kurz nach ihrer Ernennung kündigte die 1955 in Ulm geborene Politikerin an, im neuen Amt einen umfassenden Kulturbegriff zu befördern. Sie verstehe ihre Arbeit als Dienst an der Demokratie. Dabei habe sie sowohl Plattenläden als auch Philharmonien, Clubs und Staatstheater im Blick. Kultur in Deutschland lebe vor allem auch in den Bundesländern und Kommunen. Sie setzte sie auch dafür ein, Kultur als Staatsziel im Grundgesetz festzuschreiben. Zu filmkulturellen Fragen äußerte sie sich als Kulturstaatsministerin zunächst nicht. Roth gilt als ausgesprochen kulturaffin. In ihren jungen Jahren arbeitete sie als Dramaturgin und managte ab 1982 drei Jahre lang die Rockband „Ton Steine Scherben“ um den Sänger Rio Reiser.


Die italienische Regisseurin Lina Wertmüller schrieb Filmgeschichte, als sie als erste Frau für den Regie-„Oscar“ nominiert wurde. Das geschah 1975 mit dem bizarren Skandalfilm „Sieben Schönheiten“, in dem ein Kleinkrimineller aus Neapel in einem Konzentrationslager dadurch zu überleben versucht, dass er sich einer unförmigen Lagerchefin sexuell andient. In den 1970er-Jahren erlangte Wertmüller mit ihren Filmen in Italien und darüber hinaus Kultstatus, etwa mit der Groteske „Liebe und Anarchie“ (1973). Die gebürtige Römerin, die mit ihren auffälligen Brillen bei nur 1,50 Meter Körpergröße stets auffiel, arbeitete in jungen Jahren zunächst als Journalistin, Schauspielerin, Autorin und Bühnenbildnerin. Zum Filmgeschäft stieß sie, als sie 1963 als Regieassistentin von Federico Fellini bei dessen Klassiker „8 ½“ fungierte. Ein Jahr später realisierte Wertmüller ihren Debütfilm „Die Basilisken“ über das Leben im verarmten Süditalien. Ihr letzter Film „Too Much Romance… It’s Time for Stuffed Papers“ mit F. Murray Abraham und Sophia Loren erschien 2004. Im Jahr 2019 wurde die 91-jährige Wertmüller mit dem Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk und einen Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles geehrt. Am 9. Dezember verstarb die Filmemacherin in ihrer Heimatstadt Rom.


Das bewegende Filmdrama „Quo Vadis, Aida?“ ist der große Gewinner bei den Europäischen Filmpreisen 2021. Das Werk wurde nicht nur als bester europäischer Film des Jahres ausgezeichnet, sondern die Regisseurin Jasmila Žbanić und die Schauspielerin Jasna Đuričić erhielten auch die Auszeichnungen für die beste Regie und die beste Darstellerin. Đuričić verkörpert in dem Film vor dem Hintergrund des Massakers von Srebrenica im Jahr 1995 eine Dolmetscherin, die in der damaligen UN-Schutzzone ihren Mann und ihre beiden Söhne zu retten versucht. Wegen der Corona-Pandemie gab es am 11. Dezember in Berlin keine große Feier, sondern nur eine Live-Übertragung mit wenigen Gästen. Žbanić bedankte sich in einem Videostreaming und widmete den Film den Frauen und Müttern von Srebrenica sowie den getöteten Söhnen, Ehemännern und Vätern. Als bester Darsteller setzte sich der Brite Anthony Hopkins für seine Rolle in dem Demenzdrama „The Father“ durch. Den Preis fürs beste Drehbuch gewannen Florian Zeller und Christopher Hampton ebenfalls für „The Father“. Als bester Dokumentarfilm wurde der Film „Flee“ geehrt, der zugleich als bester Animationsfilm gewann. Zur besten Komödie kürte die Europäische Filmakademie „Ninjababy“ der norwegischen Regisseurin Yngvild Sve Flikke. Den Preis für innovatives Geschichtenerzählen sicherte sich Steve McQueen für die fünfteilige BBC-Reihe „Small Axe“ über karibische Einwanderer in London. Den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk nahm die ungarische Regisseurin Márta Mészáros entgegen. Die dänische Regisseurin Susanne Bier wurde für europäische Verdienste um das Weltkino gewürdigt.

Live-Übertragung mit Gästen: Die Preisgala der "Europäischen Filmpreise" (EFA)
Live-Übertragung mit Gästen: Die Preisgala der "Europäischen Filmpreise" (© EFA)


Zum ersten Teil des Jahresrückblicks 2021 über die Monate Januar bis Juni geht es hier.

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