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Die Augen des Engels (Tele5)

Mittwoch, 05.01.2022

19.1., 20.15-22.15, Tele5

Diskussion

Die Ermordung der britischen Studentin Meredith Kercher im November 2007 in Perugia und die Indizien-Prozesse gegen drei ihrer Kommilitonen, darunter die Amerikanerin Amanda Knox, waren damals ein Medienspektakel. Der britische Regisseur Michael Winterbottom greift in „Die Augen des Engels“ diesen Fall auf. Gedreht wurde in Siena, die Namen der Protagonisten sind aus Gründen des Persönlichkeitsrechtes verändert, doch der Bezug ist eindeutig. Zudem hat der Regisseur dem Film der toten Kercher gewidmet. Dabei geht es ihm nicht darum, den Mordfall zu rekonstruieren; im Zentrum steht vielmehr die Frage, wie und wo Wahrheit und Aufklärung unter den Bedingungen einer modernen, von Hysterie und Paranoia geprägten Mediengesellschaft noch möglich sind, in der Fakten allzu schnell moralisiert werden und die öffentliche Performance allemal wichtiger erscheint als Individualität und Schuld.

Die Handlung kreist um einen jungen Filmregisseur (Daniel Brühl), der für einen an den Mordprozess angelehnten Spielfilm recherchiert und daher eine Weile in die Welt der Prozessberichterstatter eintaucht. Dort begegnet er verschiedenen Typen von Journalisten mit ihren je unterschiedlichen Perspektiven auf den Fall, ringt mit seinem eigenen Film und sucht Ablenkung im Partyleben der Stadt. All dies ergibt eine Art erzählerisches Prisma rund um die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit, mit den Mitteln des Spielfilms die Wirklichkeit zu erfassen. Auf diese Weise erscheint der Film selbst zwischen seinen Themen und Interessen zerrissen, andererseits aber gerade in dieser Vielfalt reizvoll.

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