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Agatha Christie's Zeugin der Anklage (Servus TV)

Freitag, 07.01.2022

15.1., 20.15-22.35, ServusTV

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Schlammbraune und giftgrüne Nebelschwaden steigen von dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs auf. Die tödliche Luft, die über den großen Verwüstungen auf dem europäischen Festland liegt, verschont in der BBC-Adaption von Agatha Christies „Zeugin der Anklage“ scheinbar auch London nicht. Eine Stimmung wie im amerikanischen Film noir prägt hier die britische Hauptstadt zu Beginn der 1920er-Jahre. Für den ehemaligen Soldaten Leonard Vole (Billy Howle) ist die Begegnung mit einer reichen älteren Dame der erste Hoffnungsstrahl nach den Enttäuschungen der Heimkehr, weshalb er die Beziehung trotz Alters- und Standesunterschied vorantreibt. Doch dann liegt seine Gönnerin eines Abends erschlagen in ihrem Haus und Leonard wird wegen Mordes verhaftet. Auf Verständnis oder Gnade kann der vermeintliche Mitgiftjäger nicht rechnen und seine Aussichten wirken anfangs nur bedingt besser, als er in dem wenig erfolgreichen Anwalt John Mayhew (Toby Jones) einen Rechtsbeistand findet, der ebenfalls versehrt aus dem Krieg zurückgekommen ist. Dieser setzt sich mit ganzer Kraft für seinen Mandanten ein - doch scheint sein der Fall verloren, als Voles eigene Frau ihn vor Gericht schwer belastet.

Regisseur Julian Jarrold („A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“) und Drehbuchautorin Sarah Phelps setzen mit der eindeutigen zeitlichen Verankerung des Geschehens auf einen Aspekt, der in der Masse der anderen Verfilmungen des Agatha-Christie-Stoffs bislang erstaunlich kurzgekommen ist: Ihre Adaption ist ebenso sehr Krimi wie Zeitporträt, das Verhalten aller Figuren untrennbar mit den Gegebenheiten der 1920er-Jahre und des exakt gezeichneten Milieus verbunden. Auch dank der hervorragenden Darsteller eine packende Interpretation.

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