© Netflix (aus „The Power of the Dog“)

79. „Golden Globes“ verliehen

Montag, 10.01.2022

Jane Campions Drama „The Power of the Dog“ und Steven Spielbergs „West Side Story“-Remake waren die Favoriten der Hollywood Foreign Press Association

Diskussion

Die Vergabe der 79. „Golden Globes“ in Los Angeles verlief ohne Zeremonie und Zuschauer, in der Wahl der Preisträger unterschied sich die „Hollywood Foreign Press Association“ aber wenig von der in früheren Jahren. Mit je drei Preisen waren Jane Campions Drama „The Power of the Dog“ und Steven Spielbergs „West Side Story“-Remake die Sieger der Veranstaltung.


Es war eine Veranstaltung hinter verschlossenen Türen, mit der die 79. Verleihung der „Golden Globes“ zelebriert wurde. Zum ersten Mal seit dem Drehbuchautoren-Streik 2008 gab es 2022 keine Gala und keinen roten Teppich, im Gegensatz zu damals aber noch nicht einmal eine Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Gewinner. Die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante in den USA sowie harte Kritik an Organisation und Vergabekriterien der „Hollywood Foreign Press Association“ im vergangenen Jahr hatte diese bewogen, auf jede Übertragung zu verzichten. Von diesen Problemen verrät die Siegerliste der 79. „Golden Globes“ allerdings nichts: Ganz wie in früheren Jahren zeigt sie den Versuch, das populäre Kino etwas mehr zu feiern als andere US-Filmpreisvergaben, dabei aber zugleich auch anspruchsvolle Filme mitzubedenken und sich weiterhin als wichtigster Indikator für die „Oscar“-Verleihung Ende März zu bewähren.

   

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Kritiker- und Publikumslieblinge werden vergoldet

Dementsprechend konnten mit „The Power of the Dog“, in dem die neuseeländische Regisseurin Jane Campion mit den Männlichkeitsbildern des Westerns abrechnet, und mit Steven Spielbergs „West Side Story“-Remake zwei Filme die meisten Trophäen einstreichen, die zwar an der Kinokasse kaum eine Rolle gespielt hatten, aber von der US-Kritik gefeiert worden waren: Der von Netflix ausgewertete „The Power of the Dog“ gewann als bestes Drama, für die Regie und Nebendarsteller Kodi Smit-McPhee, „West Side Story“ in der Musical-/Komödien-Kategorie, für Hauptdarstellerin Rachel Zegler und Nebendarstellerin Ariana DeBose. Das wie Campions Film gleichfalls mit sieben Nominierungen ins Rennen gegangene teil-autobiographische Drama „Belfast“ von Kenneth Branagh gewann lediglich in der Drehbuch-Kategorie, dürfte im „Oscar“-Rennen aber weiterhin vorne dabei sein. Ihren Favoritenstatus unterstrich auch die Haruki-Murakami-Adaption „Drive My Car“ des Japaners Ryusuke Hamaguchi als bester „Nicht-englischsprachiger Film“.

West Side Story (© 20th Century Studios/Walt Disney)
West Side Story (© 20th Century Studios/Walt Disney)

Mehr auf den populären Film schielten die „Golden Globes“ dagegen mit Preisen für zwei der kassenstärksten Filme eines Jahres, in dem die Kinos lange gezittert hatten, ob sie nach den Corona-bedingten Schließungen wieder würden öffnen und ihr Publikum zurückgewinnen können. Keine Überraschung gab es beim Animationsfilm-Gewinn des Disney-Musicals „Encanto“. Der deutsche Filmkomponist Hans Zimmer gewann seinen insgesamt dritten „Golden Globe“ für die wuchtige Musik zu Denis Villeneuves Science-Fiction-Epos „Dune“, der James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ siegte mit seinem Titelsong „No Time to Die“. Auch die übrigen Darsteller-Preise gingen an beliebte Stars: So setzte sich Will Smith mit „King Richard“, dem Filmporträt des ehrgeizigen Vaters der Tennis-Schwestern Venus und Serena Williams, gegen Benedict Cumberbatch in „The Power of the Dog“ durch. Nicole Kidman bestätigte ihre Beliebtheit bei den „Globes“-Entscheidungsträgern und erhielt für ihre Interpretation der legendären Komikerin Lucille Ball in „Being the Ricardos“ bereits den fünften „Golden Globe“ ihrer Karriere. Der Brite Andrew Garfield gewann fürtick, tick… BOOM!über den früh verstorbenen Musical-Komponisten Jonathan Larson in der Musical-/Komödien-Sparte.


Preise für herausragende Serien

Einen ähnlichen Spagat wie bei den Kino-Auszeichnungen legten die „Golden Globes“ auch in den Fernseh-Kategorien hin, allerdings waren sie hier weniger Trendsetter als Nachläufer der beiden letzten „Emmy“-Verleihungen: So gewann Jeremy Strong nach dem „Emmy“ für die Serie „Succession“ über die zerstrittene Familie eines Medien-Tycoons nun auch bei den „Globes“, ebenso wie Jean Smart für die Comedy-Serie „Hacks“, Kate Winslet (wie bei Nicole Kidman auch sie zum 5. Mal insgesamt) für die Miniserie „Mare of Easttown“ und Jason Sudeikis einmal mehr für seinen Fußballtrainer in „Ted Lasso“. „Succession“ siegte überdies als beste Drama-Serie und für Sarah Snook als Nebendarstellerin, „Hacks“ als Comedy-Serie. Hinzu kamen Auszeichnungen für Michaela Jaé Rodriguez in der letzten Staffel der Tanz-Musical-Serie „Pose“ und für die historische Miniserie „The Underground Railroad“, ebenfalls frühere „Emmy“-Favoriten. Lediglich zwei Preise gingen an jüngere Fernsehproduktionen: Michael Keaton wurde für seine Rolle als Kleinstadt-Arzt in der Miniserie „Dopesick“ über die US-Opioid-Krise geehrt, der Südkoreaner Oh Young-su für die Nebenrolle eines todkranken Teilnehmers der makabren Spiele in der Skandalserie „Squid Game“ – in den TV-Kategorien zugleich die einzige Auszeichnung für den Streaming-Dienst Netflix, der sich diesmal aber mit den Filmpreisen etwas trösten konnte.

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