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Mit Pulver und Blei

Freitag, 28.01.2022

Ungewöhnlich komplexes Drama um Liebe und Enttäuschung - bis 1.6. in der arte Mediathek

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In den 1990er-Jahren trat die französische Regisseurin Laetitia Masson mit Filmen über unangepasst-eigensinnige, die Welt vor den Kopf stoßende Protagonistinnen hervor, deren Verhalten immer auch Formen der Sozialkritik waren. Außerdem zeichnete Filme wie Haben (oder nicht)stets auch die Mischung aus kühler Beobachtung und traumnahe Reflexion aus.

Daran knüpft auch „Mit Pulver und Blei“ an, Massons neueste Arbeit, die für das Fernsehen entstand, sich aber von TV-Konventionen deutlich abhebt: Im Mittelpunkt stehen der verwitwete bretonische Fischer Pierre (Rafi Pitts), der mit seinen zwei Söhnen in der Bretagne lebt, und Laura (Élodie Bouchez), die alleinerziehende Mitarbeiterin einer Arztpraxis. Nachdem sie sich kennengelernt haben, verlieben sich und ziehen bald zusammen. Die Erinnerung an seine verstorbene Frau lässt den Mann allerdings nicht los, dem es vor allem darum geht, seinen Kindern Stabilität zu bieten. Laura dagegen hat ein verträumtes Wesen, künstlerische Ambitionen und den Drang, sich von einer konventionellen Existenz abzuheben. Spannungen zwischen ihr und ihrem Mann sowie allen drei Kindern sind vorprogrammiert. Als sie eine weitere Tochter zur Welt bringt, scheint das die Beziehung retten zu können, doch Laura sieht sich auch angesichts des Mädchens nicht zu einem Verharren in der braven Mutterrolle verpflichtet.

Masson erzählt auf mehreren Zeitebenen, sodass ihr Film sowohl eine Romanze erzählt als auch durchweg von der Desillusionierung der Liebesgeschichte handelt. In der zeitlich am spätesten angesiedelten Spanne des Films sind Jahre vergangen, die Kinder erwachsen und haben den Kontakt zu Pierre im Grunde abgebrochen; Laura ist bereits seit Jahren verschwunden. Der mit einer verheerenden Diagnose konfrontierte Pierre dagegen wird von der Erinnerung an Laura heimgesucht. Vielschichtig und selbstsicher umkreist die Regisseurin ihre Figuren, arbeitet mit atmosphärischen Bildern und wechselt geschickt die Perspektiven, während Psycho- und sogar Krimielemente en passant einfließen. – Ab 16.

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