© UNA NOCHE LA PELICULA A.I.E (Plakat zu "Un año, una noche")

„Berlinale“-Preise der Ökumenischen Jury

Donnerstag, 17.02.2022

Die Ökumenische Jury bei der 72. „Berlinale“ vergibt drei Preise und zeichnet im Wettbewerb das Drama „Un año, una noche“ von Isaki Lacuesta aus

Diskussion

Die Ökumenische Jury bei der 72. „Berlinale“ vergibt drei Preise und zeichnet im Wettbewerb das Drama „Un año, una nochevon Isaki Lacuesta aus. Darin geht es um ein junges Paar, das den Terroranschlag auf das Bataclan-Theater 2015 in Paris überlebt hat.


Die von den kirchlichen Filmorganisationen Interfilm und SIGNIS berufene Ökumenische Jury hat ihre Preise bei den 72. Internationalen Filmfestsielen in Berlin verliehen. Es sind insgesamt drei Preise aus den Festivalsektionen „Wettbewerb“, „Panorama“ und „Forum“.

Der Preis für den besten Film im Wettbewerb geht an den spanisch-französischen Film Un año, una noche von Isaki Lacuesta. Der Film handelt von einem jungen Paar, das beim Terroranschlag auf das Bataclan-Theater in Paris am 17. November 2015 mit dem Leben davonkam, seither aber mit den seelischen Folgen zu kämpfen hat. Als Drehbuchvorlage diente der autobiografische Bericht „Paz, amor y Death metal“ des Spaniers Ramón González.


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Die Jury würdigte „Un año, una noche“ mit den Worten: „In intensiver Balance von präziser Darstellung der menschlichen Schicksale und hervorragender künstlerischer Intensität in allen Dimensionen von Filmsprache und Schauspielkunst zeigt der Film den lang dauernden Trauerprozess eines jungen Paares nach dem Anschlag. Der innere Kampf des tragenden Charakters in einem Leben mit dem Toten („Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“, Markus 12,27) ist so intim und intensiv, dass der Tod erst nach Monaten realisiert werden kann. Von Anbeginn wird Gewalt nicht mit Hass beantwortet, sondern mit Liebe (Matthäus 5,44f). Nach Monaten des Rückzugs wird eine Öffnung des Herzens für lebensvolle Beziehungen wieder möglich.“


Ein Riss mitten durch die Familie

In der Sektion „Panorama“ vergab die Jury ihren von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz mit 2500 Euro dotierten Preis an den ukrainisch-türkischen Spielfilm „Klondike“ von Maryna Er Gorbach. „Klondike spielt im Sommer 2014 an der russisch-ukrainischen Grenze. Der Film beginnt mit dem Einschlag einer Bombe, welche die Wand des Wohnhauses von Irka und Tolik zerstört. Die durchbrochene Wand gibt den Blick frei auf die umliegende Landschaft. Das Dorf wird zum Kriegsschauplatz, und Irka und Tolik werden zu Zeugen des abgeschossenen Passagierflugzeugs MH17. Der russisch-ukrainische Konflikt zieht einen Riss mitten durch die Familie, da Irkas Bruder ihren Mann Tolik verdächtigt, ein russischer Separatist zu sein. Die schwangere Irka weigert sich zu fliehen, während Tolik alles tut, um seine Frau und das ungeborene Kind zu beschützen. Auf eindrucksvolle Weise zeigt „Klondike“, wie das private Glück durch Krieg und Gewalt aus den Fugen gerät. Der Film ist herausragend in seiner Inszenierung, konzentriert sich ganz auf seine Figuren, deren Handlungsspielräume durch den Konflikt immer weiter minimiert werden. Diese agieren wie auf einer Bühne. Dadurch lenkt der Film unseren Blick auf die existenzielle Frage, was wichtiger ist: sich in Sicherheit zu begeben oder an der Heimat festzuhalten, und wo eine Aussicht auf neues Leben besteht.“


Über Schönheit und Gefährdung der Natur

In der „Forums“-Sektion vergab die Jury ihren von der Evangelischen Kirche in Deutschland mit 2500 Euro dotierten Preis an den kanadischen Dokumentarfilm „Geographies of Solitudevon Jacquelyn Mills. Die Jury begründete ihr Votum: „Der Film dokumentiert die Arbeit von Zoe Lucas, die ihr Leben dem Sammeln und Archivieren der Flora und Fauna auf Sable Island gewidmet hat, einer kleinen Insel weit vor der Küste von Nova Scotia. Mit bemerkenswerten filmischen Mitteln taucht „Geographies of Solitude“ in die Tiefenstrukturen des Lebens auf der Insel ein und schafft Bilder und Klang von großer Schönheit. Mills zeigt die Natur auf dieser entlegenen Insel als einen Ort der Stille und des fortwährenden Werdens und Vergehens des Lebens. Die Entdeckung, dass Zoe Lucas im Zuge ihrer Arbeit die gewaltigen Mengen von Plastikmüll im Nordatlantik entdeckt, ist ein Schockmoment und erzeugt so ein Bewusstsein für dieses dramatische ökologische Problem.“

Preis der Ökumenischen Jury: "Geographies of Solitude" (Jacquelyn Mills)
Preis der Ökumenischen Jury: "Geographies of Solitude" (© Jacquelyn Mills)

Mitglieder der Ökumenischen Jury bei der 72. „Berlinale“ waren für die Sektion „Wettbewerb“ Magali van Reeth (Frankreich), Hans-Martin Gutmann (Deutschland), Timea Kókai-Nagy (Ungarn), für die Sektion „Panorama“ Margrit Frölich (Deutschland), Roland Kauffmann (Frankreich), Martin Ostermann (Deutschland), für das „Forum des Jungen Films“ Adriana Racasan (Rumänien), Markus Leniger (Deutschland) und Roland Wicher (Deutschland).

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