© Sein+Hain-Film (aus „Die Karte der Schönheit“)

Die 19. Dokumentarfilmwoche Hamburg 2022 (20.-24.4.)

Montag, 11.04.2022

Ein Ausblick auf das Festival für formal anspruchsvolle Dokumentarfilme

Diskussion

Die Dokumentarfilmwoche Hamburg setzt auch in der 19. Ausgabe vom 20. bis 24. April 2022 auf formal anspruchsvolle Werke. Neben Filmen zu den Themen Krieg, Vertreibung und Migration steht eine Retrospektive der vietnamesischen Filmkünstlerin Trinh T. Minh-ha auf dem Programm.


Zum 19. Mal findet vom 20. bis 24. April die Dokumentarfilmwoche Hamburg statt, die nach zwei Ausgaben im Herbst an den altangestammten Platz im Frühling zurückkehrt. Eröffnet wird die Dokumentarfilmwoche Hamburg am 20. April mit der Uraufführung des Films Die Karte der Schönheit von Marco Kugel. Vor dem Hintergrund von Energiewende und Netzausbau geht der Landschaftsplaner und Wissenschaftler Michael Roth im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz daran, eine neue Deutschlandkarte zu erarbeiten, die dem bislang unberücksichtigten Faktor der „Naturschönheit“ Rechnung trägt. Bis zum 24. April folgen 35 weitere Veranstaltungen in den Hamburger Kinos Metropolis, B-Movie und Lichtmeß.

Dem Selbstverständnis des Filmfestivals entspricht dabei, dass die gezeigten Werke nicht allein dokumentarische Aufklärung bieten, sondern auch ambitionierte künstlerische Formen haben. Die Auswahl reicht dabei von experimentellen, ohne öffentliche Fördermittel produzierten Filmen bis zu aufwändigen internationalen Koproduktionen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Themen Krieg, Vertreibung und Migration; das ist nicht allein dem Ukrainekrieg geschuldet, sondern entspricht traditionell der Ausrichtung des Festivals.


An der russisch-ukrainischen Grenze

Gleichwohl gibt es Werke, die vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens besondere Aktualität erhalten. Neben mehreren Beiträgen aus Ländern des früheren Jugoslawiens, die auf die unüberwindbaren psychischen Folgen der Balkankriege eingehen, gilt das besonders für den österreichischen Film Krai von Aleksey Lapin. Darin reist eine Filmcrew aus Wien in ein russisches Dorf nahe der ukrainischen Grenze und erhält unter dem Vorwand, einen „historischen Film“ drehen zu wollen, Einlass in die Dorfgesellschaft. Neben dem Arbeitsalltag und Festen wird diese von märchenhaften und unerklärlichen Begebenheiten geprägt.

Die Retrospektive ist der 1952 geborenen vietnamesischen Filmemacherin und Autorin Trinh T. Minh-ha gewidmet und sollte ursprünglich bereits 2020 stattfinden, musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Das Festival zeigt alle acht Filme von Trinh T. Minh-ha, die zwischen 1982 und 2015 entstanden sind und sie als bedeutende Stimme in postkolonialen und feministischen Debatten etablierten. Dabei geht es der Regisseurin stets auch um die körperliche Wahrnehmung des Publikums, dessen Seh- und Hörerfahrungen sie mit ihren Filmen herausfordert.


Das Robert-Koch-Institut anno 1969

Ein Special innerhalb des Programms ist zudem dem langjährigen NDR-Dokumentarfilmer Klaus Wildenhahn vorbehalten. Am 24. April, 10.30 Uhr, wird im „Metropolis“-Kino der Dokumentarfilm Institutssommer von 1969 gezeigt. Dafür beobachtete Wildenhahn 1969 Forschungseinheiten des Robert-Koch-Instituts nach dem Hepatitis-Erreger, was insbesondere schwer erträgliche Tierversuche beinhaltete. Der Regisseur fängt auch Szenen der Meinungsverschiedenheiten unter den Wissenschaftlern ein, die bei Investitionen und Perspektiven unterschiedliche Ansichten vertreten. Was seinerzeit der exklusive Einblick in eine Institution ohne große Außenwahrnehmung war, ist noch immer erhellend; denn auch wenn das RKI im Zuge der Corona-Pandemie seine Bekanntheit erheblich steigern konnte, äußert man nach wie vor nicht zu den weiterhin praktizierten Tierversuchen.


Infos:

www.dokfilmwoche.com

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