© AppleTV+ (aus "Die Schlange von Essex")

Neue Serien im Mai 2022

Donnerstag, 28.04.2022

Mysteriöses in „Die Schlange von Essex“ & „Stranger Things – Staffel 4“, Krimi-Stoffe in „Tokyo Vice“ & „The Staircase“ sowie ein Spin-off um die „Star Wars“-Kultfigur „Obi-Wan Kenobi“: Neue Serien quer durch Streamingdienste und Mediatheken.

Diskussion

Die 1979 geborene Autorin Sarah Perry hat sich in den letzten Jahren zu einem Shooting-Star der britischen Literaturszene entwickelt; ihre drei Romane „Nach mir die Flut“, „Die Schlange von Essex“ und „Melmoth“ begeisterten Kritik wie Publikum und heimsten diverse Auszeichnungen ein. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die erste Verfilmung folgen würde, und nun ist es so weit: AppleTV+ wartet ab 13. Mai mit der Miniserien-AdaptionDie Schlange von Essex auf. In die Geschichte einer jungen Witwe, die in den 1890er-Jahren London verlässt, mit ihrem kleinen Sohn in einem Küstenort in Essex nach einem Neuanfang sucht, innerlich um einen Abschluss mit ihrer unglücklichen Ehe ringt und sich in ihrer neu gewonnenen Freiheit zu entfalten beginnt, fließen wie in Perrys andere Romane Elemente der Gothic Literature ein, ohne dass sich der Roman wirklich dem Fantastischen beziehungsweise der Schauerliteratur zuschlagen ließe: Motive des Unheimlichen fließen ein in ein packendes Porträt einer ungewöhnlichen Frau und ihres sich neu knüpfenden Beziehungs-Netzwerks, werden zu packenden Bildern für die Kräfte des Irrationalen und das Sich-in-Beziehung-Setzen der Menschen zu dem, was ihren Erkenntnishorizont transzendiert.


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Die Auseinandersetzung mit Religion spielt in dem Roman denn auch eine nicht unwichtige Rolle: In ihrem neuen Domizil in Essex knüpft die den Naturwissenschaften und den Lehren Darwins zugetane Witwe Cora Seaborne eine spannungsvolle Freundschaft zu dem örtlichen Pfarrer an, getragen von einer instinktiven Sympathie, aber sich auch reibend an weltanschaulichen Differenzen. Diese bekommen dann nicht zuletzt durch die titelgebende „Schlange von Essex“ neue Nahrung, Gerüchte um ein mysteriöses Seeungeheuer, das um den Ort herum sein Unwesen treiben soll. Man darf gespannt sein, ob es Regisseurin Clio Barnard gelingt, eine angemessene filmische Form für Perrys atmosphärisch-sinnliche Sprache zu finden. Jedenfalls hat sie großartige Darsteller zur Verfügung; die Hauptrollen verkörpern Claire Danes und Tom Hiddleston.


Noch mehr Mystery: „Stranger Things“ & „Night Sky“

Mystery-Elemente spielen nicht nur in diesem Neustart eine Rolle, sondern auch in anderen Serien, die im Mai erscheinen. Nicht zuletzt gilt das für die Fortsetzung einer der erfolgreichsten Serien im Programm des Streaming-Dienstes Netflix: „Stranger Things“, der nostalgisch in den 1980er-Jahren angesiedelte Teen-Horror-Dauerbrenner, geht am 27. Mai in die vierte – und damit, wie die Macher angekündigt haben, vorletzte – Staffel. Klar, dass auch nach der „Schlacht von Starcourt“ im Finale von Staffel 3 die Auseinandersetzung der mit übersinnlichen Kräften begabten Eleven (Millie Bobbie Brown) und ihrer Freunde mit den unheimlichen Wesen aus dem „Upside Down“ nicht ausgestanden ist; neben dem ganz normalen Wahnsinn des amerikanischen High-School-Alltags droht den Kids ein neuer Gegner, der den Demogorgon, die „Demo-Dogs“ und den Mindslayer aus den vorherigen Staffeln an böser Intelligenz um einiges zu übertreffen scheint.


"Night Sky" (© Amazon Studios)
"Night Sky" (© Amazon Studios)

Um ein kurioses Mysterium kreist außerdem auch die neue Amazon-Prime-Serie „Night Sky“ (ab 20.5.). Sissy Spacek verkörpert darin eine alte Dame, die in einer rätselhaften, in ihrem Garten vergrabenen Kammer auf eine Art Wurmloch gestoßen ist, ein Portal in einen futuristischen Raum auf einem fremden, verlassenen Planeten. Ihren Mann (J.K. Simmons) weiht sie in das Geheimnis ein; ansonsten bewahrt das Paar aber Stillschweigen über das Phänomen. Doch dann taucht ein junger Fremder auf, der die Ruhe der beiden durcheinander bringt…


Neues von Michael Mann, Colin Firth & Obi-Wan Kenobi

Außerdem können sich Serienfans im Mai auf ein neues Krimiserien-Projekt jenes Mannes freuen, der einst mit „Miami Vice“ Fernsehgeschichte schrieb: Michael Mann hat als Produzent und Regisseur der Pilotfolge „Tokyo Vice“ mit auf den Weg gebracht, eine auf den Memoiren von Journalist Jake Adelstein beruhende Serie aus der Feder von Showrunner J.T. Rogers um einen jungen Amerikaner (Ansel Elgort), der in den 1990er-Jahren in Tokio als True-Crime-Berichterstatter reüssieren will und mit Hilfe eines erfahrenen Polizisten (Ken Watanabe) in die Tokioter Unterwelt eintaucht.

Eine weitere hochkarätige Krimiserie startet am 5. Mai bei Sky: „The Staircase“ basiert ebenfalls auf realen Ereignissen und kreist um den langwierigen Gerichtsfall des Kriminalautors Michael Peterson, der in North Carolina wegen eines als Treppensturz getarnten Mordes an seiner zweiten Ehefrau Kathleen Atwater im Jahr 2001 angeklagt und 2003 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde; Peterson beteuerte indes weiter seine Unschuld, und Jahre später wurde das Verfahren wegen Unregelmäßigkeiten neu eröffnet. Die Serie, die unter anderem mit Colin Firth und Toni Collette prominent besetzt ist, entwirft ein vielstimmiges Bild des Falls rund um Peterson und seine ausgedehnte Patchwork-Familie.


Colin Firth in "The Staircase" (© 2021 WarnerMedia Direct, LLC)
Colin Firth in "The Staircase" (© 2021 WarnerMedia Direct, LLC)

Auch Disney+ wartet mit einem illustren Serienneustart auf: Mit „Obi-Wan Kenobi“ startet ein neues Spin-off aus dem „Star Wars“-Universum, festgemacht an der vielgeliebten Figur jenes Jedi-Meisters, der einst in Gestalt von Alec Guinness dem jungen Luke Skywalker als weiser Mentor zur Seite stand. In der Serie verkörpert Ewan McGregor die Figur, anschließend an seinen Auftritt in der Prequel-Trilogie („Die dunkle Bedrohung“, „Angriff der Klonkrieger“, „Die Rache der Sith“). Die Handlung spielt ca. eine Dekade nach „Die Rache der Sith“ und vor „Eine neue Hoffnung“ und kreist um jene Zeit, die Obi-Wan alias Ben unter dem Radar des Imperiums und seines einstigen Schülers Darth Vader auf dem Wüstenplaneten Tatooine ausharrt.

Deutschland rappt: „Almost Fly“, „Becoming Charlie“ & „Hype“

Außerdem starten Im Mai auch mehrere deutsche Serien. Mit „Almost Fly“, zu sehen ab 2. Mai via WarnerTV, meldet sich Filmemacher Florian Gaag zurück, der 2006 mit „Wholetrain“ auf sich aufmerksam gemacht hatte. Die Story kreist um eine Gruppe von Jungs in der westdeutschen Provinz, die in den 1990er-Jahren mit amerikanischem HipHop in Berührung kommen, sich rückhaltlos für die Musik begeistern und anfangen, auf Deutsch Ähnliches zu probieren – eine fiktive Entstehungsgeschichte des Deutschrap.

Rap spielt als Ausdrucksmittel auch eine wichtige Rolle für die Hauptfigur in der ZDF-Serie „Becoming Charlie“, die ab 20. Mai in der ZDF-Mediathek verfügbar ist und dann ab 24. Mai bei zdf_neo läuft. Auch bei diesem Sechsteiler handelt es sich um eine Geschichte von Erwachsenwerden und Selbstfindung, mit der Besonderheit, dass eine nicht-binäre Person im Zentrum steht: Charlie empfindet sich weder als Frau noch als Mann. „Ich will Menschen aus dem nicht-binären Spektrum mit ‚Becoming Charlie‘ eine Identifikationsfigur schenken. Und ich hoffe, dass Menschen, die bisher keine Berührungspunkte mit nicht-binärem Leben hatten, sich annähern können an das Thema“, so Autor*in Lion Ha. Lau, selbst ebenfalls nicht-binär, über das Projekt.


Deutschrap-Anfänge: "Almost Fly" (© 2022 Turner Broadcasting System Europe Limited - a Warner Bros. Discovery Company / W&B Television GmbH /Gordon Timpen)
Deutschrap-Anfänge: "Almost Fly" (© 2022 Turner Broadcasting System Europe Limited - a Warner Bros. Discovery Company / W&B Television GmbH /Gordon Timpen)

Und noch mehr gerappt wird schließlich in der deutschen Musical-Serie „Hype“, die ab 6. Mai in der ARD-Mediathek und ab 12. Mai bei One zu sehen ist. Im Zentrum steht ein 20-Jähriger mit Migrationshintergrund, der sich in Köln-Porz mehr schlecht als recht mit kleinen Jobs und gelegentlichen Drogendeals durchschlägt, eigentlich aber ganz im Rap aufgeht und davon träumt, bei einem namhaften Label unter Vertrag zu kommen.


Serienstarts im Mai im Überblick


2. Mai

Almost Fly (Warner TV)


3. Mai

Herzogpark (RTL+)


5. Mai

The Staircase (Sky)

Clark (Netflix)

Wendehammer (ZDF-Mediathek)


6. Mai

Hype (ARD-Mediathek)

State of Happiness (arte-Mediathek)

Teheran – Staffel 2 (AppleTV+)


11. Mai

Oussekine (Disney+)


Nach realen Ereignissen: Über den Tod des algerisch-französischen Studenten Malik Oussekine im Jahr 1986 (© 2022 Disney/Jean-Claude Lother)
Nach realen Ereignissen: Französische Dramaserie über den Tod des algerisch-französischen Studenten Malik Oussekine im Jahr 1986 (© 2022 Disney/Jean-Claude Lother)


13. Mai

Neumatt (Netflix)

Die Schlange von Essex (AppleTV+)


14. Mai

Das Boot – Staffel 3 (Sky)


15. Mai

Tokyo Vice (Starzplay)


Ansel Elgort taucht als Journalist in die kriminelle Unterwelt Tokyos ein: "Tokyo Vice" (© Starzplay/Eros Hoagland) (
Ansel Elgort taucht als Journalist in die kriminelle Unterwelt Tokyos ein: "Tokyo Vice" (© Starzplay/Eros Hoagland) (

16. Mai

Vampire in the Garden (Netflix)


20. Mai

Becoming Charlie (ZDF-Mediathek)

Love, Death & Robots – Teil 3 (Netflix)

Night Sky (Amazon Prime)


23. Mai

Ein Planet vor unserer Zeit (Doku; AppleTV+)


25. Mai

Obi-Wan Kenobi (Disney+)


Die Macht ist mit ihm! Ewan McGregor in "Obi-Wan Kenobi" (© 2022 Lucasfilm Ltd. & ™)
Die Macht ist mit ihm! Ewan McGregor in "Obi-Wan Kenobi" (© 2022 Lucasfilm Ltd. & ™)

27. Mai

The Rising (Sky)

Stranger Things – Staffel 4, Teil 1 (Netflix)

Wild Republic (ARD-Mediathek)

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