© DCM ("Nawalny")

Neuer Kinotipp: „Nawalny“

Mittwoch, 04.05.2022

Der kanadische Regisseur Daniel Roher porträtiert den russischen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny und arbeitet seinen Kampf gegen Putins Machtapparat als spannenden dokumentarischen Politthriller auf, in dem Nawalny zum ambivalenten Helden wird

Diskussion

Der Dokumentarfilm „Nawalny“ ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik. Der kanadische Regisseur Daniel Roher porträtiert darin den russischen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny, insbesondere in der Zeit zwischen seiner Vergiftung im Sommer 2020 bis zu seiner Verhaftung im Januar 2021. Neben Nawalnys Kampf gegen Korruption und seinem Vorgehen als Aktivist und gewiefter Medienakteur kreist der Film auch um die Frage, wieso Nawalny nach dem Giftanschlag nach Russland zurückkehrte.


Die skrupellose Ermordung russischer Oppositionspolitiker ist eine der skandalösen Methoden, mit denen die russische Staatsführung unter Wladimir Putin in den letzten zwei Jahrzehnten ihre Macht behauptet hat. Ob bei Anna Politkowskaja und Alexander Litwinenko (2006), Stanislaw Markelow, Anastassija Baburowa und Natalja Estemirowa (2009) oder Boris Nemzow (2015): Stets gab es eindeutige Hinweise auf eine Täterschaft des russischen Machtapparats.

Auch der Unternehmer und Aktivist Alexei Nawalny hätte eines dieser Opfer werden sollen, doch er überlebte den Giftanschlag im Sommer 2020, erholte sich in Deutschland und kehrte Anfang 2021 in seine Heimat zurück. Dort wurde er postwendend festgenommen und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.


Gebt nicht auf! Habt keine Angst!

Der Dokumentarfilm „Nawalny“ des kanadischen Regisseurs Daniel Roher rekonstruiert insbesondere die Zeit zwischen der Vergiftung und der Verhaftung von Nawalny. Dabei macht der Politiker gleich zu Beginn klar, dass er keine Märtyrerrolle anstrebt, sondern sich als Mann mit stählernen Nerven und ungebrochenem Kampfgeist versteht. Seine Botschaft, die der Film aufnimmt und verbreitet, ist eindeutig: Gebt nicht auf! Seid nicht inaktiv! Habt keine Angst! „Dass sie mich umbringen wollen, beweist nur unsere Stärke.“

Die Kinotipp-Jury war von der Präsentation der realen Ereignisse in Form eines dokumentarischen Politthrillers sehr beeindruckt. Der Film vermittelt in den Augen der Juroren gekonnt Informationen über das politische und gesellschaftliche System in Russland, seinen Machtapparat und dessen skrupellose Menschenverachtung. Zudem erhält der Film durch den Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 eine zusätzliche Relevanz. Neben allem dunklen Wahnsinn, so die Jury, hält „Nawalny“ aber auch einen Hoffnungsschimmer bereit, der sich seinem unerschütterlichen, auch mit einer guten Portion Humor gesegneten Protagonisten verdankt.

Obwohl der Film sich nahezu ganz auf die Perspektive Nawalnys beschränkt und keinen journalistischen Anspruch auf Ausgewogenheit erhebt, ist er keine ungebrochene Huldigung. Die Dokumentation steht Nawalny zwar zur Seite, zeigt seine Kreativität, seinen Humor und seine Einsatzbereitschaft, aber auch seine Ängste; sie versäumt es aber auch nicht, seine Eitelkeit, seinen Selbstdarstellungstrieb und den Drang zur Macht nachvollziehbar zu machen, so dass man seine Person stets auch hinterfragen kann. Auch kritische Aspekte wie die Zusammenarbeit mit der russischen extremen Rechten werden nicht verheimlicht.

Nawalny beim Rückflug nach Moskau im Januar 2021 (DCM)
Nawalny beim Rückflug nach Moskau im Januar 2021 (DCM)

Freiheit ist nicht selbstverständlich

In der intensiven Begleitung Nawalnys als Politiker, Aktivist und Medienakteur mit eigenem Youtube-Kanal und geschickter Nutzung der sozialen Netzwerke macht der Film jederzeit deutlich, was man als Zuschauer zu sehen bekommt: einen Menschen, der von seiner Mission zutiefst durchdrungen ist. Es zählt einzig seine Motivation, sich gegen Unrecht und Unterdrückung zu stellen.

Bei aller Ambivalenz des „Helden“ ist „Nawalny“ eine spannende, emotional-informativ sehr gut aufbereitete Dokumentation über Staatsterror, Meinungsfreiheit und den unendlichen Kampf für demokratische Grundwerte. Gerade in der aktuellen Situation ist dieser Film, so die Katholische Filmkommission, ein wichtiger Beitrag über politische Umbrüche beziehungsweise Abgründe und darüber, dass Freiheit niemals selbstverständlich ist.




Nawalny“ läuft am Donnerstag, 5. Mai 2022, in den deutschen Kinos an.


Der Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ ist ein Qualitätssiegel, mit dem Filme hervorgehoben werden, die in besonderer Weise religiöse Themen aufgreifen, von menschlichen Nöten, Sorgen und Hoffnungen erzählen, Antworten auf existenzielle Fragen formulieren oder gegen den Status quo einer selbstzufriedenen Welt aufbegehren.

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