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Mustang

Samstag, 07.05.2022

Der Kampf türkischer Schwestern um ein selbstbestimmtes Leben - bis 14.6. in der arte-Mediathek

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In einem kleinen Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste wächst die zwölfjährige Lale (Günes Sensoy) nach dem Tod ihrer Eltern mit vier Schwestern in der Obhut ihres Onkels auf. Als sie beim unschuldigen Herumtollen mit ein paar Jungs im Meer beobachtet werden, löst das einen Skandal aus. Denn von nun an sehen sich die fünf Mädchen unerbittlichen Sanktionen ausgesetzt. Das Haus der Familie wird zum Gefängnis. Sie, die sich eigentlich kopfüber ins pralle Leben stürzen wollen, werden in eine strenge Welt gezwungen, die neben religiösen Unterweisungen lediglich Haushaltslektionen zu bieten hat.

Doch während sie nach und nach unter die Haube gebracht werden, wird offensichtlich, dass ausgerechnet der schärfste Wächter ihrer Keuschheit, ihr Onkel, sie über Jahre hinweg missbraucht hat. Die beiden noch im Haus verbliebenen jüngsten Schwestern unternehmen fortan alles, um diesem bigotten Universum zu entrinnen

Das aus der Sicht der jüngsten Schwester erzählte Drama der jungen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven durchsetzt die bedrückende Fabel mit warmen Farben und sommerlich flirrenden Bildern, vor allem aber durch den Blick auf die sinnliche Schönheit und die Lebensfreude der Heranwachsenden. So vermittelt sich intensiv ein Plädoyer für Freiheit und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, das über den engen regionalen Kontext der Handlung hinausweist. Mit seinen lichtdurchfluteten Bildern trotzt der Film dem dramatischen Geschehen und setzt der Brutalität zarte Sinnlichkeit und jugendliches Aufbegehren entgegen, die tief berühren und mit Hoffnung erfüllen. – Sehenswert ab 14.

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