© Nadir Films (aus "Timecode")

In Kurzfilmen durch Europa

Donnerstag, 12.05.2022

Elf herausragende Kurzfilme made in Europe - bis 8.5.2023 in der arte-Mediathek

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Dass ein bühnenreifer Tänzer in ihrem Kollegen Diego steckt, hätte die Security-Frau Luna, die mit Diego zusammen Wachdienste in einem Parkhaus schiebt, wohl nie erwartet! Sie entdeckt es unerwartet, als sich ein Dauerparker beschwert, dass das Rücklicht seines Wagens beschädigt worden sei; Luna checkt daraufhin das Überwachungsvideo und entdeckt, dass Diego für den Schaden verantwortlich ist – durch einen allzu temperamentvollen Kick Step im Rahmen einer mit Gene-Kelly-mäßiger Energie improvisierten Tanznummer auf dem verlassenen Parkdeck. Luna ist fasziniert, und den Zuschauern von Juanjo Gimenéz' Kurzfilm „Timecode“ aus dem Jahr 2016, der mit einer „Goldenen Palme“ in Cannes geehrt wurde, dürfte es ähnlich gehen.

Die arte-Mediathek präsentiert „Timecode“ im Rahmen einer kleinen, aus elf Beiträgen bestehenden Kurzfilm-Reise quer durch Europa, die sehenswerte und teilweise preisgekrönte Werke aus den letzten Jahren versammelt. Mit dabei ist zum Beispiel der poetische, farbenprächtige französische Animationsfilm „Der mit den zwei Seelen“, der in Form eines Inuit-Märchens von einem Menschen erzählt, der sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig und sich auch zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt. Eine kleine Animationsfilm-Sensation ist auch das schwedische Musical „Die Last auf mir“, eine Puppenanimation, in der vermenschlichte Fische, Ratten, Affen und anderes Getier in urbanen Kulissen – einem Hotel, einem Callcenter, einem Supermarkt etc. – von ihren Alltagssorgen singen, was ein bisschen vom Flair des tragikomischen Existenzialismus eines Roy Andersson verbreitet.

Ziemlich dramatische Züge hat dagegen der belgisch-französische Beitrag „Kleine Angestellte“, in dem ein Arbeiter einer Chemiefabrik, während die Belegschaft gegen die bevorstehende Schließung des Werks Sturm läuft, den anderthalbjährigen Sprössling des Direktors entführt. 2019 gab es dafür einen „César“ als bester Kurzfilm. Und schließlich fehlt unter den insgesamt elf Beiträgen auch ein deutscher Kurzfilm nicht: „Die letzten fünf Minuten der Welt“ von Jürgen Heinmüller entfaltet in nur neun Minuten eine kompakte dystopische Tragikomödie um fünf Menschen, die auf einer Bank dem Ende der Welt entgegensehen, das in nur wenigen Minuten bevorsteht. Der Film gewann 2019 den Deutschen Kurzfilmpreis.

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