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Ob wir schlafen oder wachen

Montag, 27.06.2022

Schicksalhafte Dreiecksgeschichte um eine Frau und identisch aussehende Männer - bis 20.12. in der arte-Mediathek

Diskussion

2021 war das Jahr des japanischen Filmemachers Ryusuke Hamaguchi (zum Porträt des Regisseurs).

Der 1978 geborene japanische Filmemacher reüssierte erst im März bei der Berlinale mit seinem Triptychon Das Glücksrad und verpasste nur knapp den „Goldenen Bären“, im Juni präsentierte er dann in Cannes bereits den nächsten Film, die Murakami-Adaption Drive My Car, mit der er auch die internationalen Preisverleihungen bis Anfang 2022 reihenweise für sich entschied. Die mit ungemein subtilen Dialogen sowie hochkomplexen Figuren und Entwicklungen arbeitenden Werke des Japaners erregten vor diesem Doppeltriumph noch eher nur in seiner Heimat und bei Festivals Aufsehen, dort aber empfahl sich Hamaguchi bereits als außergewöhnliches Talent.

Mit „Ob wir schlafen oder wachen“, international bekannt als „Asako I & II“, wurde der Regisseur 2018 erstmals nach Cannes in den Wettbewerb geladen. Der Film ist eine Art melancholisches Märchen über Asako (Erika Kasata), die nacheinander mit zwei Männern zusammenkommt, die identisch aussehen und auch vom selben Schauspieler (Masahiro Higashide) verkörpert werden. Die Beziehung mit dem selbstbewussten und witzigen Baku ist glücklich, bis Asako bemerkt, dass er Dinge vor ihr verbirgt; bald darauf verschwindet er von einem Tag auf den anderen. Jahre später begegnet sie seinem Doppelgänger Ryohei, einem ruhigeren und verlässlichen Mann, mit dem sie eine stabile Verbindung eingeht. Doch Baku ist nicht für immer aus ihrem Leben verschwunden.

Hamaguchi legt die Doppelgänger-Thematik nicht nur in der schicksalshaften Dreiecksgeschichte seines Melodrams an, sondern spielt das Motiv auf vielen Ebenen durch. Stilistisch hat er sich für einen flüssigen Stil entschieden, der teilweise fast an zeitgenössische Young-Adult-Dramen erinnert und erkundet damit den inneren, moralischen Wert von Oberflächlichkeit. – Sehenswert ab 16.

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