The Boys - Staffel 3

Mittwoch, 08.06.2022

Die Fortsetzung der Anti-Superheldenserie dämpft in den ersten Folgen die Hoffnungen, die das Ende von Staffel 2 weckte, und beleuchtet mit neu eingeführten Figuren die Vergangenheit des Superhelden-Programms.

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Homelander (Antony Starr) fühlt sich angesichts seiner „Passionsgeschichte“ wie Jesus Christus höchstselbst. Dabei wurde der narzisstisch-größenwahnsinnige Superheld nicht einmal öffentlich gekreuzigt, sondern ist, gemessen an dem, was er in Staffel 2 verbockt hat, noch glimpflich davongekommen. Von Strafverfolgung kann nicht die Rede sein; zu Beginn von Staffel 3 ist Homelander nach wie vor Anführer des Superheldenteams „The Seven“. Seine Verbindung mit der Superheldin Stormfront (Aya Cash), die sich als strammer Nazi entpuppte, hat ihn lediglich Sympathiepunkte bei den Fans gekostet und damit sein Standing beim Konzern Vought Industries geschwächt, dem die Marke „The Seven“ gehört. Jetzt gilt es, das Image wieder aufzupolieren, etwa mit dem Kinospektakel „Dawn of the Seven“, das eine Homelander-freundliche Fake-Version der Ereignisse verbreitet, oder mit Talkshow-Auftritten, in denen er den netten Kerl mimt, dessen einziger Fehler darin bestand, sich in die falsche Frau zu verlieben.

Da seine und Stormfronts Niederlage im Finale von Staffel 2 seinen Übermenschen-Ambitionen jedoch keinerlei Abbruch getan hat, empfindet er es als unerträgliche Zumutung, nach außen hin Kreide fressen zu müssen. Und als auch noch der Vought-Chef (Giancarlo Esposito) seine enorm populäre Superhelden-Antipodin Starlight (Erin Moriarty) zum Co-Captain von The Seven befördert, ist für Homelander das Maß der Demütigungen voll. Die Zeichen stehen erneut auf Sturm.

Böse Wahrheiten über eine Hoffnungsträgerin

Dazu tragen in der dritten Staffel der Anti-Superheldenserie „The Boys“ auch noch andere Faktoren bei. Am Ende von Staffel 2 ließen nicht zuletzt der Erfolg der wohlmeinenden Politikerin Victoria Neuman (Claudia Doumit), die eine staatliche Regulierung der Superhelden forderte, und die Einrichtung eines „Federal Bureau of Superhuman Affairs“ (FBSA) hoffen, dass alles besser werden könnte. Was die titelgebenden „Boys“ bisher auf ungesetzlich-brutale Weise im Untergrund trieben, nämlich egomanische „Supes“ in die Schranken zu weisen, sollte fortan den Prinzipien von Recht und Ordnung folgen, zur großen Erleichterung von Hughie Campbell (Jack Quaid). Doch in den ersten Folgen von Staffel 3 verflüchtigt sich diese Hoffnung, als Campbell schockierenden Geheimnissen von Vic Neuman auf die Schliche kommt, die alles in ein neues Licht rücken.

Und der Anführer von „The Boys“, Billy Butcher (Karl Urban), traute dem Burgfrieden um Neumann und das FBSA ohnehin nicht. Als ihm ein paar Ampullen des neuen Premium-Produkts von Vought Industries in die Hände fallen, ein Elixier, das auch Normalsterblichen für einen begrenzten Zeitraum zu Superkräften verhilft, sollte diese Mittel eigentlich ein No-Go für ihn sein; schließlich stellen solche Kräfte ein rotes Tuch für ihn dar. Doch die Chance, das Machtgefälle zwischen sich und den „Supes“, allen voran Homelander, korrigieren zu können, spielt jedoch seinen Selbstermächtigungstendenzen in die Hände, und so dauert es nicht lange, bis er die Wirkung der Ampullen austestet.

Butcher hegt außerdem Hoffnungen auf eine weitere mächtige Waffe gegen die „Supes“. Denn die „Boys“ geraten an Informationen, dass der in den 1980er-Jahren zur Legende verklärte Tod eines Superhelden der ersten Generation, des Homelander-Vorgängers Soldier Boy (Jensen Ackles), wohl nicht mit einem Atomreaktor zu tun hatte, wie allgemein verbreitet wird, sondern dass etwas Anderes ihn aus dem Weg geräumt hat. Da dieses „Andere“ vielleicht auch gegen Homelander helfen könnte, betätigen sich Billy und seine Truppe als Detektive und beginnen, der Geschichte von Soldier Boy und dessen Superhelden-Team „The Payback“ hinterher zu recherchieren.

Der politische Subtext gerät ins Schlingern

In den ersten Folgen von Staffel 3 fehlt es der Fortsetzung der von Eric Kripke entwickelten Comic-Serienverfilmung noch an jenem gesellschaftskritischen Biss, den sie in Staffel 2 mit einer bitterbösen Replik auf die Ära Trump und die White-Supremacy-Tendenzen in den USA entfaltete. Die Macher ziehen sich wieder auf eine mit grotesk-makabren Gewaltspitzen garnierte Dekadenz-Kritik an der US-Gesellschaft zurück, in der die demokratischen Institutionen schwächeln, mächtige Konzerne die Strippen ziehen und Medien nur noch der Manipulation dienen. Dabei geraten sie, was den politischen Subtext der Serie angeht, aber ins Schlingern. Einerseits bekommt wie in Staffel 2 die Rechte kräftig ihr Fett weg und der Trump’sche Autokratengeist in Form des kein bisschen weiser gewordenen Homelander einen karikierenden Zerrspiegel vorgehalten. Andererseits scheut sich die Storyline um Vic Neuman und das FBSA nicht, die Deep-State-Ängste rechter Verschwörungstheorien anzutriggern. Und dass Hughie Campbells rechtsstaatliche Bemühungen zunächst zu scheitern drohen, während Billy Butchers (latent homophobe) „Der bodenständige Kerl zeigt es den tuntigen Supes und korrupten Politclowns“-Attitüde Aufwind erhält, die in Staffel 2 einen Dämpfer einstecken musste, ist nicht gerade ein Gewinn.

Es bleibt zu hoffen, dass die weiteren Entwicklungen in Staffel 3 wieder einen sichereren Tritt finden. Interessante Ansätze gibt es mehr als genug. Was genau die Nachforschungen um Soldier Boy und „The Payback“ ans Licht fördern, verspricht spannend zu werden. Die Frage, wie sich Starlight innerhalb der Seven gegen Homelanders ungebrochene, mit mehr pathologischer Garstigkeit denn je vorangetriebene Dominanzansprüche behauptet, und wie sich die anderen Superhelden dazu verhalten, dürfte der neuen Staffel lohnende Wendungen verschaffen.

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