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Kinomann

Montag, 08.08.2022

Doku über einen Kinovorführer und sein aussterbendes Geschäft - bis 12.11. in der ARD-Mediathek

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Routiniert steigt der 75-jährige Helmut Göldner aus seinem in die Jahre gekommenen VW-Transporter und entlädt seine nicht weniger gebrauchten Schätze: Stahlrohre, Stangen und eine Leinwand, traktorreifengroße Filmrollen und schließlich das Herzstück, einen Ernemann-Projektor aus dem Jahr 1938.

Fast täglich fährt Göldner immer noch los, um dort Filme zu zeigen, wo es schon lange keine Kinos mehr gibt. Er weiß viel über die Mentalität, die Sorgen, Nöte und die Vorlieben seiner Besucher. Seit 60 Jahren gastiert er in Dorfgasthäuser und Schulen, in Krankenhäuser, Seniorenheime und auf Marktplätzen, oft hunderte Kilometer von seinem Heimatdorf Sieglitz in Sachsen-Anhalt entfernt. Eine Leidenschaft, der sich seine Familie ungefragt unterordnete; Ehefrau Rita und Tochter Heike sind als kritisch-ironische Helferinnen meist an seiner Seite.

Der Dokumentarfilm von Matthias Ditscherlein hängt sich an den redseligen Protagonisten und vermittelt dessen Leidenschaft fürs haptische Kino, aber auch seinen Starrsinn, wenn es um Vorlieben und Abneigungen bestimmter Werke geht. Dabei erzählt Göldner auch von den Tricks, um zu DDR-Zeiten Komödien statt sowjetischer Propaganda zu spielen, von ausverkauften Vorstellungen, aber auch von Dörfern ohne Jobs und hohen Filmmieten.

Gelegentlich wirkt der Film etwas unkritisch gegenüber dem herben Umgangston zwischen dem Vorführer und seiner Frau wie auch gegenüber dem Provinzleben, zeichnet sich aber als wehmütiges Porträt eines aussterbenden Berufs aus. - Ab 14.

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