Profundes zu Douglas Sirk

Filmliteratur-Tipp: Knut Hickethier und Andreas Stuhlmann haben einen lesenswerten Band zu dem deutschen Regisseur vorgelegt, der in den USA mit Melodramen wie "In den Wind geschrieben" Filmgeschichte schrieb.

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In der umfangreichen Literatur zu ­Douglas Sirk gab es erstaunlicherweise keine einzige Biografie. Dieses Desiderat wird nun endlich erfüllt. Sehr gut erforscht und belegt ist die Periode, in der Sirk Filmregie führte; davor und dazwischen aber war Sirk ein Theatermann, und wenn die Situation auf deutschen Bühnen mit Machtantritt des Nationalsozialismus für ihn nicht so unerfreulich gewesen wäre, wäre er möglicherweise nie zum Film gegangen. So hoffte er, beim Film überwintern zu können, bis der Spuk vorbei war. Eine gefährliche Fehleinschätzung, die mit Sirks abenteuerlicher Flucht 1937 endete.

Es ist zunächst die Jugendzeit von 1897 bis 1920, die hier erstmals beleuchtet wird. Wie viele Kreative hat auch Sirk einiges zu seinen Gunsten verändert, was schon länger bekannt war, aber jetzt genau dargestellt ist. So hat er sich im deutschkritischen Milieu Hollywoods als Däne ausgegeben, obwohl er in Hamburg geboren und aufgewachsen ist. Dann folgt die Theaterzeit von 1920 bis 1935 mit vielen modernen zeitgenössischen Aufführungen. Gerade die Beschäftigung mit Brecht kann man noch mitten in seinen großen Melodramen nachvollziehen. Da von Theateraufführungen nur Schriftliches vorliegt, hätte man sich an dieser Stelle ausführlichere Auszüge aus Kritiken gewünscht, sind doch diese Erfahrungen Sirks wichtig für seine spätere Tätigkeit als Filmregisseur.

1959 kehrte Sirk nach Europa zurück, arbeitete – abgesehen von drei Übungsfilmen mit und für Studenten der Münchner HFF – nur noch am Theater. Was er beispielsweise am Residenztheater in München inszenierte, gehört mit zum Besten dieser Periode. Wie im Film führte er auch hier souverän und aufs Wesentliche konzentriert Regie. Zeugen seiner Studentenfilme schwärmen davon, wie bedeckt er Regie führte: Sirk hatte eine klare Konzeption und blieb weitgehend im Hintergrund. Das Buch ist klar und übersichtlich geschrieben, mitunter mit etwas zu flotten Formulierungen, etwa wenn die 1920er-Jahre noch als Reich firmieren. Auch Professoren sind vor Betriebsblindheit nicht gefeit. Hamburg hat seinen großen Sohn längst wieder eingemeindet; entsprechend erfolgte die Finanzierung des Projekts über die Reihe Hamburger Köpfe der ZEIT-Stiftung.

Verlagsinfos gibt es hier.

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