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Fünf Sterne

Mittwoch, 05.10.2022

Schmerzlich-intimes Porträt der ostdeutschen Künstlerin Ines Rastig - bis 25.12. in der ARD-Mediathek

Diskussion

Die Dokumentaristin Annekatrin Hendel quartiert sich für vier Wochen in einem Hotel an der Ostsee ein, begleitet von ihrer Kamera und ihrer Ostberliner Freundin, der Künstlerin Ines Rastig, deren Leben in Scherben liegt: Sie ist todkrank und seit einer schmerzhaften Trennung wohnungslos.

Während ihre gemeinsamen Gespräche um den Zusammenbruch von Rastigs Existenz kreisen, wird das kleine Hotelzimmer zu einem Bekenntnisraum, in dem die gesellschaftliche Perspektive bisweilen etwas abhandenkommt, gleichwohl eine mitunter schmerzhafte Intimität entsteht, die der Dokumentarfilm intensiv einfängt.

Unter dem Beobachtungsblick der Kamera verwandelt sich das Hotelzimmer in einen Bekenntnisraum. Angesichts des nahenden Todes ist die „Beichte“ der Freundin auch so etwas wie ihr Vermächtnis. Rastig selbst konnte das Ergebnis nicht mehr sehen, sie starb vier Monate nach Ende der Dreharbeiten.

Ob sich Rastig, die sich offensichtlich in virtuellen Kommunikationswelten wohler fühlte, mit diesem unerbittlichen Wirklichkeitsbild hätte anfreunden können? Man ist jedenfalls froh, wann immer Hendel von einem allzu intimen Blick abrückt und die vermeintlich privaten Katastrophen und Schwierigkeiten mit einer gesellschaftlichen Perspektive verknüpft: Fragen nach dem Dasein als Ehefrau und Mutter, die virtuelle Kommunikation als Existenzbeweis, der Berliner Wohnungsmarkt. Ines Rastig hat dazu viel zu sagen. Und es geht nicht nur sie etwas an. - Ab 16.

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