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How to Save a Dead Friend

Dienstag, 22.11.2022

Psychogramm junger Menschen aus dem totalitären Russland - bis 18.2. in der arte-Mediathek

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Die Langzeit-Doku von Marusja Sirojetschkowskaja beginnt 2016 mit der Beerdigung ihres Ex-Freunds und einstigen Ehemannes Kimi, der ihr 2005, als sie gerade mal 16 Jahre alt und stark suizidgefährdet war, durch seine Anwesenheit, seine Liebe zu Grunge, Kunst, Poesie und Joy Division das Leben gerettet hatte. Kimi teilte ihren Frust angesichts des Aufwachsens im postsowjetischen Russland der 2000er-Jahre. Doch während sie im Filmemachen einen Halt fand, ergab sich der Mann immer mehr der Perspektivlosigkeit und den Drogen.

Ausgehend von dieser sehr persönlichen Geschichte, zeichnet der Film ein Befindlichkeitsporträt der Jugend im postsowjetischen, mehr und mehr wieder in den Totalitarismus driftenden Russland. Der Film feiert bei aller Trauer auch das Lebensgefühl einer rebellischen Jugend, die keine Freiräume für einen offenen nach außen getragenen Protest gegen das Putin-Regime findet, sich aber nicht in eine innere Emigration flüchten mag.

Der Film, der aus vielen Home-Movie-Aufnahmen über Marusja und Kimi, ihre Freunde und Familie besteht, zeigt Demos, Massenverhaftungen, brutale Übergriffe der Sondereinheit Omon und immer wieder Auszüge aus Neujahrsreden von Jelzin, Putin und Medwedjew in den 2000er-Jahren. Natürlich ist für diesen Film im heutigen Russland kein Platz mehr. Die Regisseurin und ihre russische Produzentin leben seit März 2022 im Westen.

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