Big Little Lies

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Ist es ein Mord, ein Unfall? Oder ist gar nichts von Belang passiert, außer der üblichen Paranoia, die Monterey, Kalifornien befällt, wenn sich wieder einmal irgendein Getuschel verselbstständigt und die Anwälte noch reicher macht, die in dieser Kleinstadt der Millionäre ihr gutes Auskommen haben? Dabei fängt alles wunderbar harmonisch an: Am ersten Schultag bringen die Eltern ihre kleinen Schützlinge mit ihren SUVs in die Obhut der in allen Belangen vorbildlichen Pädagogen. Die Sonne scheint wie immer, und Jane Chapman (Shailene Woodley) wird ein neuer Teil der Sonnenscheingesellschaft. Sie ist Alleinerziehende; das aktiviert das „Harmonie-Gen“ von Madeline Martha Mackenzie (Reese Witherspoon) und provoziert die Muster-Hausfrau und Mutter zur totalen Integrationsoffensive. Es dauert nicht lange, bis Jane und ihr Sohn Ziggy in den Kreis der Beste-Freunde-Clique um Madeline und Celeste Wright (Nicole Kidman) aufgenommen sind. Die Herzlichkeit wäre erdrückend, wäre da nicht die schreckliche Vergangenheit, die aus der selbstbewussten Jane eine Flüchtende gemacht hat, die sich nach überbordender Herzlichkeit sehnt. Alles wäre gut, wäre da nicht Renata Klein (Laura Dern), die mit ihrer Pedanterie und ihrer Spießbürgerlichkeit einen Keil in die paradiesische Eintracht schlägt. Und dann sind da noch die Leichen in den anderen Kellern der Küsten-Bungalows: die chronische Gewalt, die bei den Wrights zu Hause ist, die Affäre mit dem Theaterregisseur, die Madeline irgendwann das Genick brechen könnte, die ungeheuerlichen Anschuldigungen, die Ziggy in der Schule zum Problemfall machen. Es sind all die kleinen monströsen Lügen, die spätestens bei der finalen Benefiz-Gala der siebten Folge dafür sorgen, dass die Idylle implodiert.

14 Nominierungen und sieben Preise räumte die Serie „Big Little Lies“ von Autor David E. Kelley und Regisseur Jean-Marc Vallée („Dallas Buyers Club“) bei der „Emmy“-Verleihung ab. Das Schauspieler-Ensemble trumpft mit weltberühmten Namen auf; die Literaturvorlage der australischen Autorin Liane Moriarty schaffte es an die Spitze der „New York Times“-Bestsellerliste. Überragend ist die Serienadaption nicht zuletzt auch dank der formalen Brillanz der Thriller-Geschichte im Gewand einer Sozialsatire, die sich als lange Rückblende entfaltet, in der schlaglichthaft die Zeugenaussagen einer vermeintlichen Katastrophe aufblitzen. Das, was in den letzten Minuten des siebten Teils passieren wird, bleibt bis dahin im Dunkeln. Alles ist möglich. „Frauen sind von der Chemie her außer Stande, zu verzeihen!“, ist eine der Aussagen, die man von den „ehrenwerten“ Zeugen zu hören bekommt. In der absurden Welt von Monterey wirkt ein solches Statement plötzlich gar nicht mehr als Provokation. Eines stimmt indes auf jeden Fall: Frauen sind die besten Geheimnisträger.

In „Big Little Lies“ sind es immer wieder die großartigen, verteufelten Details, die staunen machen. So die exzeptionelle Musikauswahl, die nicht zuletzt über die Figur der sechsjährigen Chloe, die Tochter von Madeline, beziehungsweise deren iPod und ihre Playlists in die Serie eingebaut ist und das emotionale Tuning bestimmt. Solche Inszenierungsdetails machen aus der Story um häusliche Gewalt, Neid, Missgunst und die Dekadenz reicher Leute ein atemberaubendes Mysterien-Spiel, in dem das Rolling-Stones-Cover von „You can’t always get what you want“ mindestens so viel sagt wie die wunderbaren, bissigen, tragischen und ins Mark treffenden Dialoge.

Anbieter: Warner

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